Virtuelle Koloskopie

Virtuelle Koloskopie: Heute ist es möglich durch Berechnungen am Computer, Bilddaten aus einem Computertomographen in dreidimensionale Ansichten umzurechnen, die den Bildern aus einem optischen Endoskop sehr ähnlich sehen. Da die Bilder in einem Computer zusammengesetzt werden, sind alle Blickwinkel und -richtungen möglich, die mit einem optischen Endoskop nicht einstellbar sind.

Berührungslos und schmerzfrei

Die virtuelle Endoskopie ist berührungslos und schmerzfrei. Allerdings müssen vorher eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden. Diese Geräte erzeugen feinste zweidimensionale Schnittbilder aus dem Körperinneren und stellen Schicht für Schicht die Gewebestrukturen der Organe dar. Ein spezielles Computerprogramm wandelt anschließend die Aufnahmen in dreidimensionale farbige Bilder um, die auf einem Computerbildschirm betrachtet werden können.

Der Arzt sitzt dann also vor seinem Computer und sieht auf dem Monitor tatsächlich den Darm des Patienten inklusive aller Windungen und Biegungen. Damit kann jeder Winkel und jede Darmschlinge schmerzfrei betrachtet werden. Da das Verfahren für besonders kleine Veränderungen noch nicht ausgereift zu sein scheint, übernehmen die Krankenkassen die Kosten zurzeit noch nicht oder nur in Ausnahmefällen. Liefert die virtuelle Koloskopie keine befriedigenden Ergebnisse, wird in der Regel auf die konventionelle Dickdarmspiegelung zurückgegriffen.

Minikapsel-Koloskopie

Im Rahmen des 107. Deutschen Internistenkongresses in Wiesbaden wurde erstmals ein neues Verfahren vorgestellt: Aufnahmen aus dem Körperinneren durch eine Mini-Kapsel. Erste Erfahrungen mit dieser Methode in den USA und anderen europäischen Staaten zeigen, dass die Einsicht in den Dünndarm mit der Minikapsel-Koloskopie die Untersuchung erheblich verbessern kann ohne gleichzeitig belastend für den Patienten zu wirken.

Die Minikapsel ist nicht größer als eine Antibiotika-Tablette. Sie besitzt eine Miniaturkamera, die per Funk 2 Bilder pro Sekunde aus dem Darm liefert. Außen am Körper ist ein Aufnahmegerät befestigt, das die Bilder aus dem gesamten Verdauungstrakt aufzeichnet. Diese Videoaufzeichnung wird von einem Arzt ausgewertet. Die Kapsel wird morgens (nüchtern) vom Patienten ganz einfach wie eine Tablette eingenommen. Anschließend darf drei Stunden lang nichts gegessen werden. Die Kapsel selbst verweilt ca. 1 bis 2 Stunden im Magen und benötigt für die Dünndarmpassage in der Regel 90 Minuten. Sie verlässt den Körper auf natürlichem Wege per Stuhlgang nach etwa 10 bis 12 Stunden.

Vorteile und Nachteile der Minikapsel-Koloskopie

Die Untersuchung per Kapselendoskopie wird ambulant durchgeführt. Der Patient kann dabei ohne Probleme seiner täglichen Arbeit nachgehen, es besteht keinerlei körperliche Beeinträchtigung. So angenehm diese Methode für den Patienten ist, so aufwendig ist sie für den Arzt. Die Kamera in der Kapsel macht innerhalb von acht Stunden etwa 50 000 Bilder, für deren Auswertung selbst ein geübter Gastroenterologe mindestens zwei Stunden braucht.

Doch bei unklaren gastrointestinalen Blutungen, in denen die konventionelle Koloskopie bei der Ursachenforschung erfolglos war, ist die Kapsel-Endoskopie eine sinnvolle Alternative. Das gilt ebenso für Patienten, denen aus unterschiedlichsten Gründen eine konventionelle Koloskopie nicht zugemutet werden kann. Darüber hinaus haben Untersuchungen in England und den USA gezeigt, dass der Kapsel-Einsatz bei Kindern besonders schonend und verträglich ist. In den USA sind die koloskopischen Kapseln inzwischen auch von der Gesundheitsaufsichtsbehörde FDA als medizinisches Mittel anerkannt worden.

Aktualisiert: 02.11.2017 – Autor: Udo Schmidt

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