Einsatz der Szintigrafie

Welche Organe können dargestellt werden?

Am häufigsten wird die Szintigrafie zur Untersuchung von Schilddrüse, Nieren, Herz, Lunge und Knochen eingesetzt. Im Prinzip lässt sich damit aber auch die Funktion fast aller anderen Organe beurteilen, so z.B. Leber, Lymphe, Gehirn, Nebenschilddrüsen, Milz, Magen oder Speiseröhre. Sie wird auch genutzt, um bei unklarem Fieber auf die Suche nach Entzündungsherden zu gehen.

Szintigrafie der Schilddrüse

Die Szintigrafie eignet sich sehr gut, um funktionierendes und nicht funktionierendes Schilddrüsengewebe zu unterscheiden (Störungen der Schilddrüsenfunktion) und dabei auch Form, Größe und Lage des Organs zu prüfen. Reichert sich das gespritzte Pertechneat vermehrt an, spricht das für gutartige Tumoren (Adenome), die Schilddrüsenhormone produzieren, ohne in den Regelkreis eingebunden zu sein (Schilddrüsenautonomie). Ein Speicherdefekt weist auf (bösartige) Tumoren oder Zysten hin.

Besteht der Verdacht auf eine Autonomie, kann zusätzlich eine Suppressionsszintigrafie durchgeführt werden, bei der Schilddrüsenhormone in Form von Tabletten gegeben und ihre Wirkungen auf die Schilddrüse geprüft werden. Die normale Reaktion wäre eine Drosselung der Hormonausschüttung und somit verminderte Anreicherung des Radiopharmakons.

Szintigrafie der Nieren

Die statische Nierenszintigrafie (Isotopennephrografie) kommt eher selten zum Einsatz, meist dann, wenn strukturelle Veränderungen wie Fehlbildungen vorliegen, die sich mit anderen bildgebenden Verfahren nicht bestimmen lassen. Häufiger werden Nierenfunktionsszintigrafien verwendet: Mit der Nierenperfusionsszintigrafie lässt sich die Durchblutung der Nieren bestimmen, mit der Nierenausscheidungsszintigrafie kann man Abflussstörungen des Harns aus Niere und Harnleiter nachweisen.

Mit einer speziellen Messeinrichtung lassen sich die Veränderungen der Strahlungsaktivität im zeitlichen Verlauf und die (seitengetrennte) Nierenfunktion ermitteln. Als Radiopharmaka dienen verschiedene mit Technetium markierte Moleküle, die in bestimmter Weise aus dem Blut filtriert und ausschließlich über die Nieren ausgeschieden werden.

Szintigrafie am Herz

Die Myokardperfusionsszintigrafie kommt bei Verdacht auf Vorliegen einer Durchblutungsstörung (Koronare Herzkrankheit) zur Anwendung. Trägerstoff ist Thallium, das wie Kalium – in Abhängigkeit von Durchblutung und Stoffwechselaktivität – in den Herzmuskel transportiert wird. Fehlende Anreicherung lässt auf eine Gefäßverengung bzw. einen -verschluss oder auf abgestorbenes Gewebe schließen. Die Bilder werden in Ruhe und während körperlicher Belastung (z.B. auf einem Standfahrrad) angefertigt.

Mit der Herzbinnenraumszintigrafie (Radionuklidventrikulografie) lassen sich die Funktionen der linken Herzkammer wie Kontraktionskraft, Auswurfleistung sowie Füllungs- und Entleerungsgeschwindigkeit beurteilen. Als Träger für das Technetium dienen rote Blutkörperchen, deren Weg durch den Blutstrom und das Herz protokolliert wird. Gleichzeitig werden die elektrischen Herzaktivitäten mittels EKG aufgezeichnet. Diese Untersuchung wird heute allerdings überwiegend durch Ultraschall oder Kernspintomografie ersetzt.

Szintigrafie der Lunge

Die Lungenszintigrafie ist meist Methode der Wahl, wenn der Verdacht auf einen Gefäßverschluss innerhalb des Lungenkreislaufs (Lungenembolie) besteht. Bei der Lungenperfusionsszintigrafie werden dem Patienten kleine, mit Technetium markierte menschliche Eiweißstoffe (Albumin) gespritzt, die sich bis in die kleinsten Lungengefäße verteilen und dort stecken bleiben.

Nicht durchblutete Lungenabschnitte zeigen sich als Aussparungen (Perfusionsausfälle). Dann muss zusätzlich eine Lungenventilationsszintigrafie angefertigt werden, um Perfusionsausfälle infolge einer Embolie von Aussparungen aufgrund einer reflektorischen Engerstellung bei Lungenkrankheiten mit schlechter Lungenbelüftung (z.B. Kollaps eines Lungenflügels, Überblähung der Bronchien) abzugrenzen. Dabei muss der Patient über mehrere Minuten radioaktiv markiertes Xenongas (Funktionsventilationsszintigrafie) bzw. mit Technetium behaftete Mikropartikel (statische Ventilationsszintigrafie) einatmen. Dessen Verteilung lässt Rückschlüsse auf die Lungenbelüftung zu.

Szintigrafie der Knochen

Die Skelettszintigrafie eignet sich zur Beurteilung vieler Umbauprozesse und Erkrankungen der Knochen. Häufig wird sie zur Suche von Metastasen bei einer Krebserkrankung und deren Therapiekontrolle eingesetzt. Gespritzt wird meist radioaktiv markiertes Diphosphonat, das in den Knochen eingebaut wird. Vermehrte Speicherung als Zeichen erhöhter Stoffwechselaktivitäten kann z.B. nach einem Knochenbruch, bei einer Entzündung, einem Tumor oder einer Abnutzungserkrankung auftreten. Verminderte Speicherung findet sich bei Zerstörung von Knochengewebe z.B. bei einer Krebserkrankung.

Aktualisiert: 11.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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