Cannabidiol – was steckt in CBD-Öl & Co.?

CBD-Öl (Cannabidiol) © istockphoto, Tinnakorn Jorruang

Die Cannabispflanze ist vor allem für den Rausch auslösenden Wirkstoff THC bekannt. Doch daneben enthält sie noch einen weiteren zentralen Wirkstoff: Cannabidiol, auch bekannt als CBD. Dieser macht im Gegensatz zu THC nicht "high", sondern wird vor allem wegen seiner beruhigenden und krampflösenden Wirkung als Heilmittel genutzt, beispielsweise in Form von CBD-Öl oder Kapseln. Doch wie wirkt CBD eigentlich und welche Nebenwirkungen gibt es? Wir haben für Sie die wichtigsten Infos zusammengefasst.

Was ist Cannabidiol?

Cannabidiol (CBD) gilt als der wichtigste nicht psychoaktive Bestandteil der Hanfpflanze. Mit anderen Worten: Obwohl CBD aus der – umgangssprachlich auch als "Gras" bezeichneten – Cannabispflanze gewonnen wird, löst es keinen rauschartigen Zustand aus.

In dieser Wirkung liegt ein wichtiger Unterschied zum THC (Tetrahydrocannabinol), einem weiteren Teil der Blüten von Cannabispflanzen. Dieses wird auch als Droge konsumiert, denn es löst psychische Effekte aus, die zu einem anderen Bewusstseinszustand führen, die einen also "high" machen.1 Ähnlich wie CBD kann jedoch auch THC in bestimmten Fällen medizinische Anwendung finden.

Cannabidiol ist für seine entspannende und krampflösende Wirkung bekannt und wird in unterschiedlichen Formen verkauft, unter anderem als CBD-Öl. CBD ist in Deutschland seit 2011 als offizielle Therapie für seltene Arten von Epilepsie zugelassen, bei denen andere Therapieformen nicht wirksam sind.2 Ansonsten wird es nicht von Ärzten verordnet, sondern ist im Handel frei verkäuflich.

Wie nimmt man CBD-Öl ein?

Cannabidiol wird vor allem in Form von CBD-Öl verwendet und ist, anders als das verschreibungspflichtige THC-Öl, in Apotheken und Drogerien als Nahrungsergänzungsmittel oder Kosmetik rezeptfrei erhältlich. Allgemein gilt die Empfehlung, das Öl pur etwa eine Minute lang unter der Zunge einwirken zu lassen und es anschließend herunterzuschlucken.

Es wird empfohlen, zunächst mit einer kleinen Dosis zu beginnen und diese bei ausbleibendem Effekt langsam zu steigern. Eine Einstiegsdosis bei Erwachsenen sind täglich zweimal drei bis vier Tropfen eines fünfprozentigen Öls. Da es bis zum Eintreten der Wirkung mehrere Tage dauern kann, sollte man zunächst abwarten, bevor man die Dosis steigert.

Wie wirkt CBD?

Die Inhaltsstoffe von CBD entfalten ihre Wirkung über sogenannte Cannabinoidrezeptoren nicht nur im Gehirn, sondern auch an den Nervenenden des gesamten Körpers sowie an bestimmten Zellen des Immunsystems.3

CBD wirkt angstlösend und wird zur Beruhigung bei Angstzuständen und Stress angewendet. Der angstlösende Effekt von CBD wurde bereits in Studien nachgewiesen.1 Außerdem wirkt CBD bei Erkrankungen wie Epilepsie krampflösend und schützt Nervenzellen vor Schädigungen, beispielsweise bei neurologischen Krankheiten wie Multipler Sklerose.

Zudem sind durch die Wirkung des CBD an Immunzellen auch entzündungshemmende Effekte beschrieben. Auch weitere positive Wirkungen auf die Gesundheit werden CBD nachgesagt, unter anderem soll es den Blutdruck regulieren, Schmerzen und Schlafstörungen lindern und sogar gegen Krankheiten wie Diabetes und Krebs helfen. All diese Effekte sind jedoch bislang nicht belegt und werden von Wissenschaftlern mitunter skeptisch gesehen.

Aufgrund seiner gegensätzlichen Wirkung zu THC wird CBD oft in einem 1:1 Mischverhältnis zusammen mit THC verwendet, um die Nebenwirkungen des THC abzuschwächen.1 Eine im Journal of Neuroscience veröffentlichte Studie an Ratten deutet darauf hin, dass bei Anwendung von gleichen Mengen THC und CBD die angstauslösenden Effekte von THC durch das CBD verhindert werden können.4

Wie schnell wirkt CBD?

Das CBD-Öl beginnt etwa 15 bis 30 Minuten nach der Einnahme zu wirken. Die exakte Dauer, bis eine Wirkung eintritt, ist von der Art der Anwendung abhängig.

Wenn man CBD als Öl beispielsweise zunächst unter die Zunge tröpfelt und dann vor dem Herunterschlucken eine Minute wartet, tritt die Wirkung wesentlich schneller ein als beim sofortigen Herunterschlucken. Ursächlich dafür ist, dass ein Teil des Stoffes so bereits durch die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann. Es wird trotzdem empfohlen, das Öl danach nicht wieder auszuspucken, da man vermutet, dass nur manche Bestandteile durch die Schleimhaut aufgenommen werden. Man kann das gesamte Öl auch sofort schlucken, dann dauert es jedoch etwas länger, bis die erwünschte Wirkung eintritt.

Es gibt keine bestimmte Uhrzeit, zu der die Einnahme empfohlen ist. Ebenso wenig hängt die Wirkung des Öls von den Mahlzeiten ab. Jedoch tritt die Wirkung später ein, wenn der Magen gefüllt ist; also wenn man gerade vor der Einnahme des Cannabidiols gegessen hat.

Ist Cannabidiol verschreibungspflichtig?

Cannabidiol ist – anders als THC – nicht verschreibungspflichtig. Man kann es in Apotheken und Drogerien sowie in diversen Online-Shops kaufen (zum Beispiel bei Traumtropfen). In Form von CBD-Öl ist Cannabidiol üblicherweise mit einem CBD-Anteil von 5 %, 10 %, 15 % oder 20 % erhältlich.

Ärzte verschreiben CBD nur im Fall von sonst nicht behandelbaren Krampfanfällen. Da CBD rezeptfrei erhältlich ist, bedeutet dies im Umkehrschluss auch, dass die Kosten in der Regel selbst getragen werden müssen.

Welche Anwendungsformen gibt es?

CBD ist unter anderem in folgenden Formen erhältlich:

  • CBD-Öl (CBD-Tropfen)
  • CBD-Liquid
  • CBD-Kapseln

Die meisten Erfahrungsberichte stammen von Personen, die CBD in Form von CBD-Öl pur einnehmen. Vorteil dieser Art der Anwendung ist, dass es sich um eine günstige Variante handelt, die Einnahme und die Dosierung einfach sind und das CBD in guter Qualität verfügbar ist. Da der Geschmack des Öls jedoch nicht jedem zusagt, kann es ratsam sein, auf Alternativen zurückzugreifen.

Cannabidiol-Liquid ist eine etwas teurere Alternative für Leute, die gerne E-Zigaretten rauchen, und grenzt sich von den anderen Formen durch die viel bessere Verwertbarkeit ab. Der Stoff muss bei dieser Form der Anwendung nicht erst durch den Verdauungstrakt gelangen, sondern wird beim Inhalieren in den Lungenbläschen durch die Schleimhaut sofort aufgenommen. Die angstlösende und entspannende Wirkung tritt also sehr schnell ein. Zu beachten ist jedoch, dass E-Zigaretten mit diversen Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht werden, weshalb die Anwendung von CBD-Liquid aus gesundheitlicher Sicht nicht zu empfehlen ist.

Die Einnahme von CBD-Kapseln ist mit der täglichen Routine für viele Menschen gut vereinbar. Zudem ist die Dosierung vorgegeben, das Abzählen der Tropfen entfällt daher. Mit der Wirkung ist etwas verzögert zu rechnen, denn die Kapseln werden erst im Magen und Darm aufgenommen und nicht schon in der Mundschleimhaut wie bei CBD-Öl oder in der Lunge wie bei Liquid.

Wo ist noch CBD drin?

CBD-Globuli, Cannabidiol im Kaffee, Cannabidiol-Kaugummi oder CBD-Kekse eignen sich besonders dann, wenn man CBD nur mal ausprobieren und zu starke Wirkungen oder Nebenwirkungen vermeiden möchte. So sind etwa Cannabidiol-Globuli schwach dosiert und zudem gesüßt. Sie können gegen Schmerzen und Angstgefühle eingenommen werden – trotz vereinzelter Erfahrungsberichte fehlen jedoch wissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirksamkeit.

Beliebt ist auch die Kombination von Cannabidiol mit Kaffee. Von Kaffee werden viele Menschen zittrig und aufgewühlt. Durch die gegensätzliche entspannende Wirkung von CBD werden diese Effekte verhindert und der aufputschende Effekt des Kaffees erfolgt gleichmäßiger über einen längeren Zeitraum. Auch in vielen neuen Teevariationen lässt sich CBD finden.

In Form von Kaugummis ist CBD auch schon in verschiedenen Drogerien mit etwa fünf Milligramm CBD pro Kaugummi erhältlich. Es soll mit ätherischen Ölen für frischen Atem sorgen und die natürliche Mundflora pflegen. Was das CBD darin bewirken soll, geben die Hersteller jedoch nicht an.

Beim Backen findet CBD auch schon Verwendung, wenn auch meist nur zum Spaß, um CBD auf appetitliche Weise auszuprobieren. Für CBD-Kekse und andere Backwaren lassen sich zahlreiche Rezepte im Internet finden.

Darüber hinaus gibt es auch Varianten von "Gras", das nur CBD enthält, also ohne das schädigende und berauschende THC. Dies wird vor allem von Menschen konsumiert, die in der Vergangenheit viel "gekifft", also Cannabis geraucht, haben und keinen nebligen Kopf mehr haben wollen.5

CBD ist neben den genannten noch in vielen weiteren Produkten zu finden und der Kreis der Darreichungsformen erweitert sich immer mehr.

CBD-Öl, CBD-Tropfen und Hanföl: Wo ist der Unterschied?

Häufig wird anstelle von CBD-Öl auch von CBD-Tropfen, Cannabidiol-Öl oder CBD Oil gesprochen. Hierbei handelt es sich tatsächlich nur um andere Bezeichnungen für das Öl. Auch der Begriff Cannabisöl meint in der Regel CBD-Öl.

Bei Hanföl oder Hanfsamenöl handelt es sich hingegen um ein anderes Produkt, das nahezu frei von THC und CBD ist. Es findet vor allem als Bestandteil von Kosmetika oder – ähnlich wie Hanfsamen – Lebensmitteln Verwendung.

Ebenfalls abzugrenzen ist CBD-ÖL zudem von THC-Öl, das den Wirkstoff THC enthält.

Haben CBD-Tropfen Nebenwirkungen?

Die Nebenwirkungen von CBD sind noch nicht vollständig erforscht. In den Studien, in denen Cannabidiol auf Nebenwirkungen getestet werden sollte, wurde das Öl meist in sehr hoher Dosierung an Tiere verabreicht. Daher ist es fraglich, ob diese Nebenwirkungen auf den Menschen übertragbar sind.

In einer Studie mit Ratten wurde nachgewiesen, dass bei zweiwöchigem Dauergebrauch von CBD-Öl auch angstverstärkende Effekte auftreten können. Eine Studie an Zebrafischen aus dem Jahr 20156 zeigte, dass die Gedächtnisse von Fischen, die regelmäßig CBD erhielten, schlechter funktionierten. Die Wertung dieses Ergebnisses ist allerdings umstritten, da Cannabidiol zusätzlich eine entspannende Wirkung hat und die Fische somit möglicherweise nicht ihr volles Konzentrationspotenzial gezeigt haben.

Schwangere Frauen sollten vom CBD-Konsum absehen, da der Hanfbestandteil zu Funktionsstörungen bei der Versorgung des Kindes mit Nährstoffen führen kann.7

Andere Nebenwirkungen können bei einer hohen Dosierung von CBD auftreten, beispielsweise wenn das Mittel vom Arzt gegen Epilepsie verschrieben wird. Wirkstoffe, die CBD in hohen Dosen enthalten, sind unter anderem Dronabinol und Nabilon. Durchfall, Appetitverlust und Schläfrigkeit zählen zu den häufigeren Nebenwirkungen bei der dauerhaften Anwendung von einer hohen Dosis. Wenn CBD nur gelegentlich zur Entspannung genutzt und wesentlich niedriger dosiert eingenommen wird, gelten diese Effekte allerdings als selten.

Gefahren: CBD mit Alkohol und Medikamenten

Bei der gleichzeitigen Einnahme von CBD und anderen Medikamenten, wie Mitteln zum Magenschutz (Pantoprazol) oder Antidepressiva, kann es zu Wechselwirkungen kommen. Geschieht der Abbau von CBD und anderen zeitgleich eingenommenen Medikamenten über dieselben Mechanismen, können bei gleichzeitiger Einnahme beide Stoffe länger im Körper bleiben. Dadurch kann die Wirkung länger anhalten oder sogar verstärkt werden – das kann gefährlich werden. Daher sollten Sie, falls Sie ein anderes Medikament regelmäßig einnehmen, vor der Einnahme von Cannabidiol Ihren Arzt nach den Wechselwirkungen befragen.

Vereinzelt berichten Betroffene zudem bei gleichzeitigem Alkoholkonsum und der Einnahme von CBD von Herzrasen, dies zählt allerdings nicht zu den wissenschaftlich erforschten Wechselwirkungen.

Cannabidiol und Führerschein – Autofahren erlaubt?

Wie schon erwähnt, ist Cannabidiol ein Bestandteil der Hanfpflanze, der keine berauschende Wirkung hat – anders als THC. Somit schränkt der Konsum von CBD auch nicht die Fahrtüchtigkeit ein: Seine Anwendung sowie das anschließende Autofahren sind legal.

Beim klassischen Drogentest wird daher auch nur auf das Vorhandensein von THC getestet. Dieser Urin-Test kann die Bestandteile des CBD nicht erfassen und fällt somit negativ aus. Durch andere spezifische Urin-Tests kann man CBD jedoch nachweisen, auch im Blut ist CBD während des Konsums und ein paar Tage danach nachweisbar.

Viele CBD-Produkte enthalten jedoch nicht nur CBD, sondern auch andere Bestandteile der Cannabispflanze. Oftmals ist deshalb ein geringer Anteil THC enthalten. Daher sollten Sie, insbesondere vor dem Autofahren, einen Blick auf den Beipackzettel werfen und sichergehen, dass kein THC in dem Arzneimittel verarbeitet ist.

Aktualisiert: 17.07.2020 - Autor: Gloria Helmers

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