Kosten für Alzheimer-Arzneien werden in Frankreich künftig nicht mehr erstattet

Gesundheitsministerin: Schaden höher als Nutzen

Gesundheitsministerin: Schaden höher als Nutzen

In Frankreich werden ab August die Kosten für Alzheimer-Medikamente nicht mehr erstattet. Der Schaden der Medikamente werde höher eingeschätzt als der Nutzen, begründete Gesundheitsministerin Agnès Buzyn die Ankündigung vom Freitag. Bislang werden 15 Prozent der Kosten für die vier betroffenen Medikamente sowie für Präparate mit den gleichen Wirkstoffen erstattet.

Buzyn versicherte, die eingesparten Mittel würden künftig für die Betreuung und Versorgung von Alzheimer-Patienten verwendet. Im Jahr 2015 lagen die Kosten für die Erstattungen bei rund 90 Millionen Euro.

Mit der Maßnahme folgt die Regierung einer Einschätzung der Gesundheitsbehörde HAS aus dem Jahr 2016. Diese hatte erklärt, die Wirkung der Medikamente rechtfertige die Kostenerstattung nicht. Zugleich wies die Behörde auf "potenziell schwerwiegende" Nebenwirkungen hin.

Gesundheitsorganisationen übten scharfe Kritik an der Entscheidung des Ministeriums: Die französische Alzheimer-Vereinigung etwa bezeichnete sie als "unbegründet und gefährlich".

Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz. Die Erkrankung des Gehirns führt zum Verlust von geistigen Funktionen wie Denken, Sprache, Urteilsfähigkeit und Orientierung. In Frankreich leiden offiziellen Schätzungen zufolge zwischen 850.000 und 1,2 Millionen Menschen an Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. 

In Deutschland gelten nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,6 Millionen Menschen als demenzkrank; ungefähr zwei Drittel von ihnen haben Alzheimer.

Veröffentlicht: 02.06.2018 – Quelle: Agence-France-Presse