Steigende Kokainproduktion in Lateinamerika in Europa spürbar

Auch Herstellung von Drogen in Europa steigt - Cannabis beliebteste Droge

Von Polizei sichergestellter Beutel mit Kokain

Eine steigende Kokainproduktion in Lateinamerika macht sich in Europa bemerkbar. Das geht aus dem Drogenbericht hervor, den die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) am Donnerstag in Brüssel vorstellte. Auch in Europa werden demnach mehr und mehr Drogen hergestellt. Die meistkonsumierte illegale Droge ist weiterhin Cannabis.

Die Ergebnisse der diesjährigen Studie "zeigen, dass Europa zurzeit die Folgen einer erhöhten Kokainproduktion in Lateinamerika zu spüren bekommt", sagte der Chef der Beobachtungsstelle, Alexis Goosdeel. Mehrere Faktoren wiesen auf eine erhöhte Verfügbarkeit von Kokain in Europa hin. So hätten die Behörden einen deutlichen Anstieg bei den Sicherstellungen der Droge registriert.

Während die Preise für Kokain stabil geblieben seien, verzeichnete das sichergestellte Kokain außerdem im Schnitt "die höchste Reinheit jemals", sagte Goosdeel. Auch sei die Zahl der Erstaufnahmen in Behandlungszentren für Kokainsucht angestiegen.

Ursprünglich gelangte das meiste Kokain über die iberische Halbinsel nach Europa. Die Bedeutung dieser Route sei womöglich zurückgegangen, weil das weiße Pulver zunehmend über große Containerhäfen nach Europa transportiert werde, stellt die EMCDDA in dem Bericht fest. So habe Belgien im Jahr 2016 Spanien als das Land mit der größten Menge an beschlagnahmtem Kokain überholt.

Ein weiterer Indikator sind Abwasseranalysen. Tests in 31 europäischen Städten hätten ergeben, dass die Konzentration von Kokain-Rückständen im Abwasser gestiegen sei. Die höchsten Konzentrationen gibt es demnach in Belgien, Spanien, den Niederlanden und Großbritannien. In den Abwässern deutscher Städte, allen voran in Berlin, fallen vor allem erhöhte Rückstände der Synthetikdroge MDMA auf.

Seitens der Konsumenten seien bislang keine nennenswerten Auswirkungen der erhöhten Verfügbarkeit von Kokain festzustellen. Das liege in erster Linie an mangelnden Daten in vielen Ländern, heißt es in dem Bericht. Die EMCDDA geht davon aus, dass im vergangenen Jahr in den 28 EU-Ländern sowie in Norwegen und der Türkei rund 2,3 Millionen Menschen zwischen 15 und 34 Jahren Kokain konsumierten.

EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos wies auf die Auswirkungen der Globalisierung hin, die auch am Drogenmarkt deutlich spürbar seien. Neben gestiegenen Drogenimporten aus Lateinamerika und Asien würden auch in Europa mehr und mehr Drogen hergestellt, sagte der griechische EU-Kommissar. Insbesondere bei synthetischen Drogen und dem Know-how für deren Produktion sei Europa mittlerweile ein wichtiger Exporteur, heißt es in dem Bericht.

Der Heroin-Konsum blieb dem Bericht zufolge stabil. Die jüngsten Daten zeigten jedoch einen leichten Anstieg der heroinbedingten Todesfälle in Europa, vor allem in Großbritannien. Die meisten Heroin-Toten (132 pro Million Einwohner zwischen 15 und 64 Jahren) gab es in Estland.

Cannabis ist mit 17,2 Millionen Konsumenten im Alter von 15 bis 34 Jahren nach wie vor die am meisten konsumierte Droge in Europa. Goosdeel hob hervor, dass derzeit in Teilen der Welt Änderungen der Gesetzeslagen mit einer deutlichen Tendenz zu einer Legalisierung der Droge zu beobachten seien.

So entstehe in den USA derzeit eine ganze Industrie rund um die Produktion von Cannabis. In Kanada steht eine Legalisierung kurz bevor. Auch Länder wie Mexiko und Kolumbien würden in diese Richtung gehen, sagte Goosdeel. "Die Folgen für die Situation in Europa sind bisher völlig unabsehbar", fügte er hinzu.

Veröffentlicht: 08.06.2018 – Quelle: Agence-France-Presse