WHO-Studie: Mehr als 1,4 Milliarden Menschen weltweit bewegen sich zu wenig

Warnung vor erhöhtem Risiko für Krankheiten

WHO empfiehlt 150 Minuten Sport "moderater Intensität" pro Woche

Mehr als 1,4 Milliarden Menschen weltweit bewegen sich einer Studie zufolge zu wenig und riskieren damit Krankheiten. Mangelnde körperliche Aktivität sei ein "führender Risikofaktor" für Krankheiten wie Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs, heißt es in der am Mittwoch im Fachblatt "The Lancet Global Health Journal" veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Studie belegt zudem, dass sich in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten nichts am Bewegungsmangel geändert hat.

Rund ein Drittel aller Frauen und ein Viertel aller Männer weltweit bewegten sich zu wenig, heißt es in der Studie. In wohlhabenden Ländern sei diese Entwicklung deutlich stärker zu beobachten als in Entwicklungsländern. In reicheren Ländern werde mehr Zeit drinnen verbracht, die Menschen säßen länger am Arbeitsplatz und hätten eher Zugang zu kalorienreichem Essen.

Die WHO empfiehlt, dass jeder Erwachsene pro Woche mindestens 150 Minuten Sport mit "moderater Intensität" wie Schwimmen oder Radfahren oder 75 Minuten mit "kräftiger Intensität" wie Joggen oder Teamsport treibt.

Seit 2001 habe es keine Trendwende gegeben trotz zahlreicher Gesundheitskampagnen. Insgesamt bewegten sich weltweit mehr als ein Viertel der Menschen zu wenig. "Wir verzeichnen im Grunde keinen Fortschritt", sagte Studienautorin Regina Guthold der Nachrichtenagentur AFP.

"Im Zuge der Urbanisierung leben Menschen, die etwa Bauern waren und so viel körperliche Aktivität durch ihre Arbeit hatten, plötzlich in einem städtischen Umfeld, wo sie möglicherweise arbeitslos sind oder eine sitzende Tätigkeit ausüben", sagte Guthold. Gesellschaften müssten dies "ausgleichen". 

In vier Ländern - Kuwait, Amerikanisch-Samoa, Saudi-Arabien und Irak - stufte die Studie mehr als die Hälfte der Erwachsenen als bewegungsarm ein. In Kuwait bewegen sich demnach sogar zwei Drittel (67 Prozent) der Erwachsenen nicht genug.

Die Gründe sind verschieden: Es gebe "biologische, psychosoziale, institutionelle, kulturelle und Lebensraumbarrieren", sagte Melody Ding von der Universität Sydney. Zu den Haupthindernissen zählten vermutlich Umgebungsfaktoren - etwa Tischarbeit statt körperlicher Arbeit, Aufzugfahren statt Treppensteigen, Autofahren statt Bewegung. "Technologischer Fortschritt hat unser Leben angenehmer, aber auch bewegungsärmer gemacht", sagte Ding.

Besonders betroffen sind Frauen, wobei die Kluft zwischen den Geschlechtern in Bangladesch, Eritrea, Indien, Irak und auf den Philippinen besonders groß ist. Frauen lebten allgemein häufiger unter Bedingungen, die ihnen weniger körperliche Bewegung ermöglichten, etwa durch ihre Zuständigkeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung.  

Für die Studie wurde im Jahr 2016 die körperliche Aktivität von 1,9 Millionen Menschen in 168 Ländern untersucht.

Veröffentlicht: 14.09.2018 – Quelle: Agence-France-Presse