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EU-Abgeordnete beklagen Falschinformationen aus Italien zu Lebensmittelampel

Bürgerinitiative will Ampelsystem Nutri-Score europaweit verpflichtend machen

Nährwertampel Nutri-Score

EU-Abgeordnete mehrerer Fraktionen haben italienischen Politikern die Verbreitung von Falschinformationen zum Projekt einer europaweit verbindlichen Lebensmittelampel vorgeworfen. "Die Italiener sind in dieser Hinsicht sehr stark", sagte die französische Grüne Michèle Rivasi am Mittwoch in Straßburg. Besonders der ehemalige Innenminister und Parteichef der rechtsextremen Lega-Partei, Matteo Salvini, hatte gegen die Initiative mobil gemacht.

Das Ampelsystem Nutri-Score kommt ursprünglich aus Frankreich und soll auf einen Blick Aufschluss über den Zucker- und Fettgehalt von Lebensmitteln geben. Die farbkodierte Skala reicht von "A" für eine gesündere Wahl bis "E" für eine weniger gesunde Wahl. In Frankreich, Spanien und Belgien wird das System auf freiwilliger Basis eingesetzt. Auch in Deutschland soll es eingeführt werden.

Eine Europäische Bürgerinitiative sammelt derzeit Unterschriften, um die EU-Kommission dazu aufzufordern, einen Gesetzesentwurf für eine verbindliche Lebensmittelkennzeichnung dieser Art zu präsentieren. Aus Italien kommt heftige Kritik daran, weil traditionelle italienische Produkte wie Hartkäse, Schinken und Olivenöl in dem System weniger gut abschneiden.

Das Ampelsystem richte sich keinesfalls gegen die italienische Ernährungsweise, sagte der Ernährungswissenschaftler und Mitentwickler von Nutri-Score Serge Hercberg dazu. Im Gegenteil: "Nutri-Score fördert die mediterrane Ernährung, weil sie eben nicht nur aus Pecorino-Käse und Schinken besteht, sondern vor allem aus Obst und Gemüse." Auch würde Olivenöl von Nutri-Score nicht schlecht bewertet, sagte Hercberg: "Olivenöl erhält die beste Bewertung aller Fette".

Die polnische konservative Abgeordnete Roza Thun und Hohenstein sprach sich für das Ampelsystem aus, weil es nur scheinbar identische Produkte vergleichbar machen würde. Besonders östliche EU-Länder beklagen seit längerem, dass Produkte von minderer Qualität bei ihnen als identisch vermarktet würden. Die kroatische Sozialistin und Medizinerin Biljana Borzan hob den Nutzen des Systems im Kampf gegen Übergewichtigkeit hervor.

In Deutschland hatte Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) nach einer Verbraucherbefragung im September angekündigt, eine rechtliche Basis für den Nutri-Score zu schaffen. Verbraucherschützer unterstützen das grundsätzlich, hätten aber lieber eine verpflichtende Regelung. Eine gesetzliche Verpflichtung nur auf nationaler Ebene ist laut der Verbraucherorganisation Foodwatch aber nach europäischem Wettbewerbsrecht nicht möglich.

Veröffentlicht: 16.01.2020 – Quelle: Agence-France-Presse