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Neuartige Lungenkrankheit in China breitet sich weiter aus

Behörden melden 17 neue Fälle - Forscher gehen von mehr als 1700 Infizierten aus

China meldet 17 weitere Fälle von neuartiger Lungenkrankheit

Die neuartige Lungenkrankheit in der zentralchinesischen Metropole Wuhan breitet sich weiter aus. Die Behörden meldeten am Sonntag 17 weitere Fälle. Der Zustand von drei der Patienten sei ernst. Damit steigt die Zahl der Infizierten auf insgesamt 62. Britische Forscher schätzen das tatsächliche Ausmaß der Krankheit jedoch deutlich höher ein. 

Die neu Erkrankten sind nach Behördenangaben zwischen 30 und 79 Jahre alt. Von den insgesamt 62 bisher an dem neuartigen Coronavirus Erkrankten befinden sich acht in einem ernsten Zustand, 19 sind nach Behördenangaben inzwischen geheilt und wurden aus dem Krankenhaus entlassen. Zwei Menschen in China starben bislang daran.

Experten des Zentrums zur Analyse globaler Viruserkrankungen in London kommen in einem Forschungsbericht jedoch zu dem Schluss, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten wahrscheinlich bei mehr als 1700 liege. Die Forscher begründeten ihre Schätzung mit dem Auftreten des Virus auch in Thailand und Japan, wo bislang insgesamt drei Fälle gemeldet wurden.

Dass die Krankheit von Wuhan aus auch ins Ausland gelangt sei, setze voraus, "dass es viel mehr Fälle gibt, als gemeldet worden sind", sagte der Studienautor Neil Ferguson der BBC. "Ich bin deutlich besorgter als noch vor einer Woche", sagte der Wissenschaftler. Es sei jedoch noch zu früh, um Alarm zu schlagen. 

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan trat das Virus im Dezember zuerst auf einem Fischmarkt in Wuhan auf. Einige der Infizierten hatten jedoch den Angaben zufolge gar keinen Kontakt zu dem Fischmarkt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nach offiziellen Angaben nicht nachgewiesen. Allerdings könne "nicht ausgeschlossen" werden, dass es noch dazu komme.

Ferguson sagte der BBC, die Wahrscheinlichkeit von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen müsse "ernster genommen" werden als bislang. Es sei unwahrscheinlich, dass allein eine Übertragung vom Tier auf den Menschen Ursache der Infektionen sei.

Die Behörden von Wuhan haben nach eigenen Angaben damit begonnen, alle Fälle von Lungenerkrankungen auf das neue Virus hin zu untersuchen. Geplant seien zudem "Stichproben" in der ganzen Stadt. 

Das neue Virus stammt aus der Erregerfamilie, zu der auch das tödliche Sars-Virus gehört. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.

Die USA kündigten am Freitag Virus-Kontrollen an mehreren Flughäfen an, die Verbingungen in die Elf-Millionen-Metropole Wuhan anbieten. Auch in Thailand werden aus Wuhan eintreffende Passagiere bereits auf das Virus getestet. 

China hat bisher offiziell keine Vorsichtsmaßnahmen verkündet.  Nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeister von Wuhan, Chen Xiexin, wurden jedoch an den Flughäfen, Bahnhöfen und Busbahnhöfen der Stadt seien Fieber-Messstationen eingerichtet. Reisende mit Fieber würden registriert, mit Schutzmasken ausgestattet und in ärztliche Behandlung gebracht. Dem staatlichen Fernsehsender CCTV zufolge wurde bislang bei 300.000 Menschen die Körpertemperatur gemessen.

Auch die Hongkonger Behörden haben insbesondere mit Blick auf das bevorsthende chinesische Neujahrsfest am Samstag kommender Woche umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Unter anderem wurden Fieber-Messstationen für ankommende Reisende eingerichtet. Rund um das Neujahrsfest sind jedes Jahr Millionen Chinesen per Zug, Bus oder Flugzeug unterwegs.

Veröffentlicht: 20.01.2020 – Quelle: Agence-France-Presse