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Hunderte Passagiere verlassen "Diamond Princess" nach zweiwöchiger Quarantäne

Heftige Kritik am Umgang der Behörden in Japan mit Coronavirus-Krise

Verbliebene Passagiere auf der "Diamond Princess"

Begleitet von heftiger Kritik an den Zuständen an Bord haben in Japan mehrere hundert Passagiere das vom neuartigen Coronavirus befallene Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" verlassen können. Die Urlauber hatten zuvor die 14-tägige über das Kreuzfahrtschiff verhängte Quarantäne ohne jedes Anzeichen für die Erkrankung beendet. Allerdings gibt es keinen Grund zur Entwarnung am größten Virus-Herd außerhalb Chinas: An Bord wurden 79 neue Infektionsfälle verzeichnet.

Rund 500 negativ auf den Erreger getestete Passagiere konnten am Mittwoch in Yokohama die "Diamond Princess" verlassen. "Ich bin erleichtert", sagte ein 77-jähriger Japaner. Er wolle jetzt mit dem Zug nach Hause reisen und sich erst einmal "gut ausruhen". 

Die aus der Quarantäne Entlassenen wurden von städtischen Bussen sowie Taxis fortgebracht. Viele winkten noch einmal den Leidensgefährten zu, die an Bord bleiben mussten. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, dass es sich intensiv darum bemühe, den nicht erkrankten Deutschen eine baldige Rückkehr zu ermöglichen. Zwei infizierte Deutsche sind in Japan im Krankenhaus.

An Bord bleiben müssen alle Passagiere, die entweder Kontakt mit Infizierten hatten oder deren Testergebnisse noch nicht vorlagen. Unter ihnen verbreitete sich das Virus nochmals weiter: Es seien 79 neue Infektionsfälle festgestellt worden, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Damit wurde an Bord inzwischen bei 621 Menschen der Erreger der Atemwegserkrankung Covid-19 diagnostiziert. 

In einem für Japan völlig unüblichen Schritt äußerte ein angesehener Infektions-Experte heftige Kritik an den Behörden und deren Umgang mit der Krise. Die Zustände auf der "Diamond Princess" seien "völlig chaotisch", berichtete Professor Kentaro Iwata von der Fakultät für Infektionskrankheiten der Universität Kobe. Der Umgang mit dem Virus auf dem US-Schiff sei "völlig unangemessen", sagte Iwata nach einer Inspektion. Niemals in seiner Karriere hatte er "solche Angst wie jetzt, mich selbst zu infizieren".

"Es gibt keine klare Abgrenzung zwischen den grünen (gesunden) Zonen und den roten (potenziell infizierten) Zonen. Und das Personal läuft hin und her", berichtete der Professor in im Internet verbreiteten Videos, die innerhalb kürzester Zeit hunderttausende Mal angeschaut wurden. Eine solche öffentliche Kritik an den Behörden und der Führung des Landes ist in Japan äußerst selten. 

Regierungssprecher Yoshihide Suga wies die Kritik zurück. Es seien auf dem Schiff von Anfang an "strikte Maßnahmen" ergriffen worden, um eine Weiterverbreitung des Virus an Bord zu verhindern. Für die gesamte Besatzung der "Diamond Princess" wurde am Mittwoch eine erneute Quarantäne angeordnet. Sie soll erst beginnen, wenn alle Passagiere von Bord sind.

Auch die Besatzung des in Kambodscha im Hafen liegenden US-Kreuzfahrtschiffes "Westerdam" muss vorerst an Bord bleiben. Zwar wurde am Mittwoch auch den letzten Passagieren der Landgang erlaubt, dutzende erleichterte Passagiere verließen daraufhin das Schiff. Das Auswärtige Amt hofft, dass nun auch die letzten Deutschen, die an Bord waren, bald ausreisen können. Bei der Besatzung sollen nach Angaben eines Behördensprechers nun aber noch weitere Tests vorgenommen werden.

In China, wo die derzeitige Epidemie ihren Ursprung hat, stieg die offizielle Zahl der Todesopfer durch das neuartige Coronavirus derweil auf mehr als 2000, die offizielle Gesamtzahl der Infektionen lag am Mittwoch bei gut 74.000. Die meisten neuen Fälle wurden weiter in der Provinz Hubei verzeichnet, von der die Epidemie im Dezember ihren Ausgang genommen hatte. Außerhalb von Hubei wurden den offiziellen Angaben zufolge 56 neue Infektionsfälle bestätigt. Damit ging die Zahl der registrierten Neuerkrankungen außerhalb von Hubei den 15. Tag in Folge zurück.

Im Kampf gegen das Virus will Russland ab Donnerstag keine chinesischen Staatsbürger mehr ins Land lassen. Dies wurde am Dienstagabend per Dekret verkündet.

Veröffentlicht: 20.02.2020 – Quelle: Agence-France-Presse