US-Gesundheitsminister äußert Bedenken über russischen Corona-Impfstoff

Azar: Impfstoffentwicklung ist "kein Wettrennen"

US-Gesundheitsminister Alex Azar in Taiwan

US-Gesundheitsminister Alex Azar hat Bedenken angesichts der Zulassung eines Corona-Impfstoffs in Russland geäußert - der ersten solchen Zulassung weltweit. "Es ist wichtig, dass wir sichere und effektive Impfstoffe bereitstellen und dass die Testdaten transparent sind", sagte Azar am Ende seines dreitägigen Staatsbesuchs in der taiwanischen Hauptstadt Taipeh am Mittwoch. Die Impfstoffentwicklung sei kein "Wettrennen", bei dem es nur darum gehe, wer Erster wird.

Moskau hatte am Dienstag erklärt, sein Impfstoff biete "nachhaltige Immunität" gegen das neuartige Coronavirus. Westliche Wissenschaftler hatten zuvor jedoch Bedenken hinsichtlich der Entwicklungsgeschwindigkeit des Stoffs geäußert. 

Azar betonte nun, dass zwei der sechs von der US-Regierung geförderten Impfstoffe schon vor Wochen die dritte und letzte Phase der klinischen Tests erreicht hätten. Der russische Impfstoff hätte diese Testphase, in der eine große Zahl von Testpersonen geimpft wird, hingegen "gerade erst begonnen". Die russischen Daten aus den früheren Testphasen seien zudem nicht veröffentlicht worden. "Es ist nicht transparent", kritisierte Azar. Der US-Gesundheitsminister zeigte sich zuversichtlich, dass es bis Ende des Jahres viele Millionen sicherer Impfdosen in den USA geben werde.

Auch die Bundesregierung und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten zurückhaltend auf die Zulassung des Impfstoffs in Russland reagiert. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte den "Sputnik" getauften Impfstoff dagegen für sicher erklärt und betont, dass auch eine seiner Töchter damit schon behandelt worden sei.

Derzeit arbeiten Forscher weltweit fieberhaft an der Entwicklung von Corona-Impfstoffen. Insgesamt sechs von westlichen und chinesischen Firmen entwickelte Impfstoffe befinden sich bereits in der entscheidenden dritten Phase der klinischen Tests.

Veröffentlicht: 12.08.2020 – Quelle: Agence-France-Presse