Bundesregierung will an Corona-Lockerungen zu Weihnachten festhalten

Erneut mehr als 23.000 Neuinfektionen an einem Tag

Corona-Schnelltest in einem Pflegeheim in Stuttgart

Ungeachtet der anhaltend hohen Zahlen von Corona-Neuinfektionen und -Todesfällen will die Bundesregierung an den geplanten Lockerungen über Weihnachten festhalten. "Aus unserer Sicht ist es richtig, bei den Vereinbarungen für die Weihnachtsfeiertage zu bleiben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Allerdings mahnte er zu einem "umsichtigen und verantwortungsvollen Verhalten". Die Zahl der Neuinfektionen lag erneut bei mehr als 23.000. 

Das Robert-Koch-Institut meldete insgesamt 23.449 Fälle innerhalb von 24 Stunden, rund 640 mehr als eine Woche zuvor. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Corona-Infektion blieb ebenfalls sehr hoch: Sie stieg innerhalb eines Tages um 432 auf nun insgesamt 18.034.

Wegen der hohen Corona-Zahlen hatte es in den vergangenen Tagen wiederholt Vorschläge gegeben, auf die geplanten Lockerungen über die Feiertage ganz oder teilweise zu verzichten. Einige Bundesländer haben bereits strengere Regeln beschlossen, andere allerdings auch zusätzliche Lockerungen.

Die Möglichkeit, sich über Weihnachten wieder mit bis zu zehn Menschen aus unterschiedlichen Haushalten zu treffen, sei "keine Aufforderung, dies auch zu tun", betonte Regierungssprecher Seibert. Jeder solle sich genau überlegen, wie er damit umgehe und "wie wir verhindern, dass aus dem Weihnachtsfest eine Infektionsquelle wird".

"Wir bitten die Menschen weiterhin darum, die Regeln einzuhalten", bekräftigte Seibert. Dies bedeute, die Kontakte zu reduzieren und den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Für den 4. Januar seien dann wieder neue Beratungen der Regierungschefs von Bund und Ländern geplant, wenn nötig könne zuvor aber auch kurzfristig eine Konferenz einberufen werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verteidigte die seit Freitag geltende Verordnung für Schnelltests, die Lehrer und Erzieher nutzen können. Kritik daran verstehe er nicht, sagte Spahn im ZDF-"Morgenmagazin". "Es ist ja ein Angebot", er habe damit auf Wünsche aus den Bundesländern reagiert. "Ich habe ja nicht gesagt, alle müssen das umsetzen."

Die niedergelassenen Ärzte warnten derweil vor dem Gebrauch von Corona-Selbsttests durch medizinische Laien. Dadurch steige das Risiko fehlerhafter Negativ-Ergebnisse und damit die Gefahr durch Super-Spreader, die sich dann "in trügerischer Sicherheit wiegen", erklärte der NAV-Virchowbund. "Abstriche auf das Coronavirus können nur durch geschultes Fachpersonal durchgeführt werden." 

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hält es trotz der angespannten Lage für richtig, dass Kitas in der Pandemie offen geblieben sind. "Kitas sind keine Infektionstreiber", sagte Giffey den Zeitungen der Funke Mediengruppe.  

In der Gruppe von null bis fünf Jahren liege die Zahl der Neuinfektionen "im bundesweiten Durchschnitt bei 59 pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen", sagte die SPD-Politikerin. Die Tendenz sei rückläufig. In mehr als 90 Prozent der Kitas laufe der Betrieb. Nach den aktuellsten Zahlen seien lediglich 5,8 Prozent der Kitas aufgrund von Infektionen ganz oder teilweise geschlossen gewesen.  

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, zeigte sich derweil überzeugt, dass zuerst Menschen in Altersheimen gegen Corona geimpft werden. "Sehr wahrscheinlich durch mobile Impf-Teams, die vor Ort impfen werden", sagte Mertens im RBB-Inforadio. Dann würden alte Menschen geimpft, parallel dazu Menschen aus Pflegeberufen sowie aus dem medizinischen Bereich, die selbst ein besonders hohes Risiko einer Ansteckung hätten.

"Das mit Abstand höchste Risiko ist das Alter", sagte der Kommissionsvorsitzende. Wenn Alter und Vorerkrankungen zusammenkämen, steige das Risiko noch. 

Veröffentlicht: 04.12.2020 – Quelle: Agence-France-Presse