Richter am Obersten US-Gericht streiten übers Maskentragen im Gerichtssaal

Bericht: Konservativer Richter will Bitte um Solidarität nicht folgen

Richter Neil Gorsuch

Die obersten US-Richter streiten Berichten zufolge über das Tragen von Masken im Gerichtssaal. National Public Radio (NPR) berichtete am Dienstag unter Berufung auf Gerichtsquellen, dass der Chef des Supreme Courts, John Roberts, seine Kollegen wegen der Corona-Pandemie zum Maskentragen aufgefordert hatte. Der konservative Richter Neil Gorsuch lehnte das demnach ab. 

NPR hatte berichtet, dass sich Richterin Sonia Sotomayor, die an Diabetes leidet, "in unmittelbarer Nähe von Menschen, die unmaskiert sind, nicht sicher fühlt". Roberts habe deshalb die Kollegen aufgefordert, darauf Rücksicht zu nehmen, und bis auf Gorsuch leisteten dem auch alle anderen Richter bei der jüngsten Anhörung am vergangenen Dienstag Folge. Der 54-jährige Gorsuch wurde vom republikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump für sein Amt nominiert.

Die 67-jährige Sotomayor, die neben Gorsuch auf der Richterbank sitzt, hat an den jüngsten Anhörungen des Gerichts online von ihrem Amtszimmer aus teilgenommen. NPR berichtete, dass sie auch an den wöchentlichen Konferenzen der Richter per Telefon statt persönlich teilgenommen hat.

Das Tragen von Masken ist ebenso wie die Impfung in den USA zum Politikum geworden. Gorsuch war einer der sechs konservativen Richter am Obersten Gerichtshof, der vergangene Woche die geplante Impfpflicht der Regierung des Demokraten Joe Biden für große Unternehmen kippte. Sotomayor und die anderen beiden liberalen Richter stimmten hingegen für die Impf- und Testpflicht.

Nach dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in den USA im März 2020 begann der Oberste Gerichtshof, seine Anhörungen per Telefon abzuhalten. Im Oktober nahmen die Richter, die inzwischen alle geimpft und geboostert sind, die persönlichen Anhörungen wieder auf.

Veröffentlicht: 19.01.2022 – Quelle: Agence-France-Presse