Angestellte Ärzte laut Umfrage unzufrieden mit Arbeitsbedingungen

Mediziner kritisieren hohen Aufwand für Verwaltungsaufgaben

Universitätsklinik in Aachen

Angestellte Ärzte sind einer Umfrage zufolge unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Zu den größten Kritikpunkten zählen eine steigende Arbeitsbelastung und eine unzureichende Personalausstattung, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Mitgliederbefragung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund hervorgeht. Daneben bemängeln die Teilnehmer ein zu geringes Zeitbudget für Patientengespräche und eine fehlende Wertschätzung ärztlicher Arbeit.

Ein Viertel der Befragten denkt laut Umfrage über einen Berufswechsel nach. Gegenüber der vorherigen Umfrage aus dem Herbst 2019 stieg der Anteil der Ärzte mit Teilzeitvertrag erneut. Im Jahr 2019 hatte der Wert bei 26 Prozent gelegen, nun stieg er auf 31 Prozent. 2013 waren es noch 15 Prozent gewesen.

59 Prozent der teilzeitbeschäftigten Ärzte reduzieren ihre wöchentliche Arbeitszeit um bis zu zehn Stunden. Die reduzierte regelmäßige Wochenarbeitszeit entspreche aber nicht der Realität, kritisierte der Marburger Bund. Hinzu kämen noch Überstunden und Bereitschaftsdienste. Teilzeit heiße oft nur, an wenigstens einem Tag in der Woche regelmäßig frei zu haben.

Die tatsächliche Wochenarbeitszeit liege inklusive Überstunden im Schnitt bei mehr als 50 Stunden. Ein Fünftel arbeitet 60 Stunden und mehr. Wünschen würden sich Ärzte hingegen eine durchschnittliche Arbeitszeit von 48 Stunden in der Woche inklusive Überstunden und Bereitschaftsdiensten. Im Schnitt leistet jeder Arzt rund 6,2 Überstunden pro Woche. 26 Prozent bekommen weder eine Vergütung noch einen Freizeitausgleich dafür.

Als Lichtblick bezeichnete der Marburger Bund die elektronische Arbeitszeiterfassung. Bei knapp 48 Prozent der Befragten wird die Arbeitszeit so erfasst. Im Vergleich zur Vorgängerumfrage von 2019 stieg der Anteil um vier Prozentpunkte. Mit 60 Prozent nutzen vor allem kommunale Krankenhäuser diesen Weg zur Erfassung der Arbeitszeit.

Während der Coronapandemie wurde in den Einrichtungen von 34 Prozent der Befragten ärztliches Personal gestrichen. Betroffen waren davon vor allem private Krankenhäuser. Als wirklich gut bezeichnete nur etwa ein Drittel der Befragten die personelle Besetzung im ärztlichen Dienst. Jeder Fünfte sieht sie als schlecht an. Auch dabei schnitten private Kliniken schlechter ab.

Zahlreiche Befragte gaben an, dass viel Zeit für die Patientenversorgung durch Verwaltungstätigkeiten verloren gehe. Im Schnitt benötigen Ärzte drei Stunden am Tag für die Verwaltung. Knapp ein Drittel schätzt den Aufwand auf mindestens vier Stunden. Der Marburger Bund kritisierte, dass viele Datenerfassungen auch von Schreibdiensten oder Sekretariaten erledigt werden könnten.

Durch eine bessere IT-Ausstattung könne die Dokumentation erleichtert werden. Mit der IT-Ausstattung zeigten sich zwei Drittel der Befragten eher unzufrieden oder unzufrieden. Nur 18 Prozent gaben an, regelmäßige Schulungen für IT-gestützte Arbeitsabläufe zu erhalten.

An der Umfrage nahmen zwischen dem 20. Mai und dem 19. Juni 8464 angestellte Ärzte aus allen Bereichen des Gesundheitswesens teil. Knapp 90 Prozent von ihnen arbeiten in Akutkrankenhäusern und Rehakliniken. Die Hälfte der Teilnehmer war jünger als 40 Jahre.

Veröffentlicht: 11.08.2022 – Quelle: Agence-France-Presse