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Haare färben – Wirkung auf die Gesundheit

Haare färben beim Friseur © istockphoto, robertprzybysz

Haarfärbemittel – vor allem chemische – haben einen sehr schlechten Ruf. Es heißt, dass sie Krebs auslösen, auch von Leber- und Nierenschäden ist die Rede. In der Schwangerschaft wird sogar komplett vom Färben der Haare abgeraten, da es der Gesundheit schaden soll. Doch was ist dran an diesen Behauptungen und worauf sollten Sie beim Haarefärben achten? Das erfahren Sie im Folgenden.

Lösen Haarfärbemittel Krebs aus?

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Studien, die Haarfärbemittel mit der Entstehung von Krebs in Verbindung bringen. Demnach hätten Menschen, die sich regelmäßig die Haare färben (lassen), vor allem aber Friseurinnen und Friseure, ein erheblich höheres Krebsrisiko als der Rest der Bevölkerung.

Auf diese Studien wird immer wieder verwiesen und daraus abgeleitet, dass Haarfärbemittel in höchstem Maße gefährlich seien. Allerdings wird nur selten erwähnt, dass die Studienergebnisse für moderne Haarfärbemittel keine Gültigkeit besitzen. Denn: Die Studien und damit auch die untersuchten Produkte sind mehrere Jahrzehnte alt.1

Der aktuelle Stand der Forschung

Die Stoffe, die damals in Haarfärbemitteln enthalten waren, sind heute von den Zutatenlisten verbannt. Seit dem Jahr 2006 gilt eine neue EU-Vorschrift: Jetzt sind nur noch Inhaltsstoffe erlaubt, für die Sicherheitsdossiers vorliegen. Die Europäische Kommission bezeichnet die in der EU erhältlichen Haarfärbemittel als sehr sicher.2

Ein bedenklicher Stoff ist jedoch zu nennen: aromatische Amine, die häufig in Haarfärbemitteln enthalten sind. Zu ihnen besteht noch Forschungsbedarf, denn sie werden ebenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht.

In der Forschung werden dauernd neue Erkenntnisse gewonnen. So ist es natürlich möglich, dass sich in Zukunft doch noch herausstellt, dass der eine oder andere Inhaltsstoff von Haarfärbemitteln schädlich ist.

Allergien auf Haarfärbemittel

Auch wenn das Krebsrisiko durch eine Haarfärbung gemäß den aktuellen Erkenntnissen nicht erhöht wird, sind Haarfärbemittel auch nach heutigem Wissensstand nicht ganz ungefährlich. Viele von ihnen enthalten Chemikalien, die zum Teil schwere allergische Reaktionen – bis hin zu einem anaphylaktischen Schock – auslösen können.

Zu den Stoffen, die besonders häufig Allergien auslösen, gehören unter anderem: 

  • Toluene-2,5-Diamine Sulfate
  • Paraphenylendiamin (PPD)
  • Resorcin

Manche von ihnen sollen auch die Leber und die Nieren schädigen können. Dass diese Auswirkungen beim Haarefärben auftreten könnten, ist nicht ausgeschlossen. Ammoniak, das in vielen Haarfärbungen dazu dient, die schützende Schuppenschicht der Haare zu lösen, sodass die Farbpigmente besser eindringen können, macht die Kopfhaut zudem durchlässiger für Schadstoffe.

Verträglichkeit der Haarfärbung vorab testen?

Die meisten Hersteller von Mitteln, mit denen man die Haare selbst färben oder tönen kann, raten in der Gebrauchsanweisung zu einem Verträglichkeitstest. Dazu soll das Mittel zunächst in der Ellenbeuge aufgetragen und dann die Reaktion beobachtet werden. Erst wenn vierundzwanzig Stunden lang keine Allergiesymptome auftreten, sollte man die Haare tönen oder färben.

Diese Empfehlung ist jedoch umstritten.3 Der Organismus kann nur allergisch auf einen Stoff reagieren, den er bereits kennt. So ist es möglich, dass durch den Test am Arm die Sensibilisierung zwar stattfindet, aber sich noch keine Reaktion zeigt. Diese tritt dann erst bei der eigentlichen Haarfärbung auf.

Hautkontakt mit Haarfärbung vermeiden

Je weniger Kontakt das Haarfärbemittel mit der Haut hat, desto geringer ist auch das Allergierisiko. Daher sollten beim Selbstfärben unbedingt Handschuhe getragen werden. Diese liegen den Packungen in der Regel bei.

Achten Sie darauf, die angegebene Einwirkzeit nicht zu überschreiten, damit die Kopfhaut nicht länger als nötig mit der Haarfärbung in Berührung kommt.

Färbemethoden, bei denen das Produkt gar nicht mit der Kopfhaut in Berührung kommt, sind zu bevorzugen, um Kontaktallergien zu vermeiden. Dazu gehören zum Beispiel Strähnchen oder der sogenannte Ombre-Stil, bei dem nur die Längen und Spitzen gefärbt werden.

Einige Chemikalien, die in Haarfärbemitteln vorkommen, wirken hautreizend. So kann es beim Färben zum Beispiel zu brennender und juckender Kopfhaut und Rötungen kommen. Wenn Sie entsprechende Symptome bemerken, sollten Sie das Produkt sicherheitshalber direkt auswaschen oder die Friseurin beziehungsweise den Friseur informieren.

Haare färben in der Schwangerschaft?

Häufig wird davon abgeraten, die Haare in der Schwangerschaft zu färben oder zu tönen. Die Färbemittel, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind, enthalten keine Stoffe, die nach heutigem Wissensstand erwiesenermaßen gesundheitsschädlich sind. Dennoch ist nicht ganz ausgeschlossen, dass es zu Gesundheitsschäden kommen kann.

Wenn Sie schwanger sind oder sich in der Stillzeit befinden und ganz sichergehen wollen, sollten Sie daher vom Färben der Haare absehen.

Wie wirken Haarfärbemittel?

Sogenannte Oxidationshaarfarben, besser bekannt als Haarfärbungen (im Gegensatz zu Tönungen), bestehen aus zwei Komponenten: 

  • Die eine Komponente (zum Beispiel Wasserstoffperoxid) zerstört die natürlichen Farbpigmente des Haares. Auch Farbpigmente aus vorhergegangenen Färbevorgängen kann sie zumindest teilweise angreifen.
  • Die zweite Komponente schleust diejenigen Bestandteile des Mittels ins Haar ein, die für die Farbbildung zuständig sind. Durch chemische Reaktionen werden die Farbmoleküle so groß, dass sie das Haar nicht mehr verlassen können.

Nur solche Haarfärbemittel wirken dauerhaft und können auch verwendet werden, um graue Haare zu färben. Auch wenn das Haar aufgehellt werden soll, ist eine Oxidationshaarfarbe notwendig.

Permanente Haarfärbungen: schädlich für die Haare

Solche Produkte greifen das Haar jedoch an, weil sie dessen Schutzschicht durchlässig machen. Die Schwere der Schädigung hängt davon ab, wie viel Abstand zwischen dem Haarefärben liegt. Häufiges Färben und vor allem starkes Aufhellen sind besonders strapaziös für das Haar. Es wird strohig, brüchig und trocknet aus.

Wie funktioniert eine Haartönung?

Wesentlich schonender ist eine Haartönung. Hier lagern sich die Färbepartikel außen am Haar an. Dadurch sind sie weniger haltbar und das Färbeergebnis ist nicht von Dauer.

Da sich die Farbe mit der Zeit rauswaschen lässt, spricht man von einer temporären oder semipermanenten Haarfarbe. Zudem ist es nicht möglich, Haare heller zu tönen oder graue Haare mit einer Tönung abzudecken.

Haare färben ohne Chemie?

In den letzten Jahren wurde viel über die Risiken bei der Anwendung von Haarfärbemitteln diskutiert. Infolgedessen sind zahlreiche natürliche Produkte auf den Markt gekommen. Inzwischen gibt es eine große Auswahl an pflanzlichen Haarfärbemitteln, die ohne bedenkliche Stoffe auskommen und mit denen man die Haare natürlich färben kann.

Aus gesundheitlicher Sicht sind diese Mittel zu begrüßen. Sie enthalten natürliche Stoffe wie Henna, Indigo und Kamille. Die Gefahr einer allergischen Reaktion ist hier wesentlich geringer. Pflanzliche Haarfärbemittel greifen die Haarstruktur nicht an, sondern legen sich wie ein Schutzfilm um das Haar und sorgen so nebenbei für Pflege und Glanz.

Nachteile natürlicher Haarfärbemittel

Allerdings lassen sich mit natürlichen Haarfärbemitteln nicht die gleichen Ergebnisse erzielen wie mit konventionellen Produkten. Aufhellungen sind nicht möglich und graues Haar wird nicht vollständig abgedeckt. Wie bei Tönungen verblasst die Farbe mit jeder Haarwäsche. Noch mehr als bei konventionellen Färbemitteln hängt das Farbergebnis von der Ausgangshaarfarbe ab. 

Auch ist die Anwendung natürlicher Färbemittel um einiges komplizierter als die von konventionellen. So ist die Einwirkzeit oft deutlich länger. Mitunter müssen mehrere Färbedurchgänge durchgeführt werden, bis die gewünschte Intensität erreicht ist.

Zudem kann die Konsistenz problematisch sein, gerade wenn Laien das Produkt allein zu Hause anwenden. So kann es auch schnell zu Verunreinigungen an der Kleidung oder im Badezimmer kommen. Des Weiteren kann auch das natürliche Färbemittel Henna mitunter Allergien auslösen.

11 Dinge, die Sie beim Haarefärben beachten sollten

Damit Ihre Gesundheit und Ihre Haare beim Haarefärben nicht übermäßig belastet werden, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  1. Wenn Sie Ihre Haare selbst färben, halten Sie sich genau an die Anweisungen des Herstellers.
  2. Vermeiden Sie, wenn möglich, Hautkontakt: Verwenden Sie Schutzhandschuhe und bevorzugen Sie Färbemethoden, bei denen das Färbemittel nicht mit der Kopfhaut in Kontakt kommt. 
  3. Atmen Sie das Färbemittel nach Möglichkeit nicht ein. Suchen Sie sofort einen Arzt auf, wenn Sie Haarfärbemittel ins Auge bekommen oder verschluckt haben.
  4. Von einem vorherigen Verträglichkeitstest auf der Haut wird beim Selbstfärben abgeraten, da dadurch das Risiko einer Allergie erhöht werden kann.
  5. Verzichten Sie in der Schwangerschaft und Stillzeit sicherheitshalber auf das Färben der Haare. 
  6. Auch bei Kopfhautproblemen wie Schuppenflechte sollten Sie aufs Haarefärben verzichten.
  7. Färbungen ohne Ammoniak sind nicht unbedingt besser für die Haare: Alternative Alkalisierungsmittel verflüchtigen sich nicht so schnell und können deshalb die Haare stärker schädigen. 
  8. Färben Sie Ihre Haare nicht zu oft und wenn, dann greifen Sie lieber zu natürlichen Haarfärbemitteln ohne Chemie.
  9. Auf bereits gefärbtem oder blondiertem Haar können Haarfärbemittel anders als erwartet wirken. Gehen Sie in solchem Fall lieber zum Friseur, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden.
  10. Spezielles Shampoo und Pflegeprodukte für coloriertes Haar können dabei helfen, das Farbergebnis zu erhalten (zum Beispiel Silbershampoo gegen Gelbstich). Zudem können Haarkuren helfen, das strapazierte Haar und die gereizte Kopfhaut zu pflegen.
  11. UV-Strahlung, Chlor- und Salzwasser bleichen das Haar aus. Das gilt auch für coloriertes Haar. Pflegeprodukte mit UV-Filter können helfen, gefärbte Haare zu schützen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Otto, Dr. M., von Mühlendahl, Prof. K. E. (2017): Inhaltsstoffe von Haarfärbemitteln.
  2. Europäische Kommission (2016): Die EU ist der weltweit sicherste Markt für Haarfärbemittel. Informationsblatt.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2014): Haarfarben: Selbsttest kann Allergie verursachen. Stellungnahme Nr. 015/2015.

Aktualisiert: 14.08.2019 – Autor: Julia Heidorn

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