Warum man im Flugzeug Druck auf den Ohren bekommt

Frau mit Ohrendruck © istockphoto, dolgachov

Nur wenige Momente nach dem Start des Flugzeugs vernimmt man ein "Knacksen" in den Ohren und hat das Gefühl, schlechter zu hören: Diese Probleme beim Fliegen kennt wohl jeder. Doch woher kommt der Druck auf den Ohren und was hilft gegen die Beschwerden nach Start und Landung? Wir geben die Antworten.

Wie entsteht der Druck in den Ohren?

Grund für das Druckgefühl in den Ohren ist die Veränderung des Luftdrucks in der Flugzeugkabine während des Steig- und des Sinkfluges. Dadurch kommt es zu einem Druckunterschied zwischen Gehörgang und Mittelohr, was zu einer Vorwölbung des Trommelfells führt. Dies fühlt sich dann so an, als seien die Ohren "zu".

Druckveränderung als Ursache

Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck in der Atmosphäre. In der Flugzeugkabine wird der Druck künstlich erhöht und beträgt auf Reiseflughöhe etwa drei Viertel des Drucks auf dem Erdboden. Das ist vergleichbar mit dem Luftdruck auf einem 2.500 Meter hohen Berg.

Während das Flugzeug steigt, sinkt also der Umgebungsdruck. Der Druck im Mittelohr bleibt jedoch gleich, denn es ist durch das Trommelfell luftdicht zum äußeren Gehörgang abgeschlossen. Durch den entstehenden Überdruck im Mittelohr wölbt sich das Trommelfell nach außen und kann nicht mehr frei schwingen. Dies macht sich meist durch ein Knacksen oder Ploppen bemerkbar, gefolgt von einem unangenehmen Druck auf den Ohren und einer Hörminderung. Gelegentlich kann es auch zu Ohrenschmerzen oder Kopfschmerzen kommen.

Druckausgleich durch "Eustachische Röhre"

Der Druckausgleich findet über die sogenannte Eustachische Röhre (Tuba auditiva, Ohrtrompete) statt. Diese teils knöcherne, teils knorpelige Röhre verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachenraum und ist normalerweise geschlossen, um das Ohr vor möglichen Infektionen aus den oberen Atemwegen zu schützen.

Beim Schlucken oder Gähnen öffnet sie sich und es kann Luft aus dem Mittelohr entweichen. Dadurch wird der Druckunterschied zur Umgebung ausgeglichen und das Druckgefühl auf den Ohren verschwindet.

Druck auf den Ohren: Was tun?

Wenn Sie im Flugzeug Druck auf den Ohren verspüren, sollten Sie also herzhaft gähnen oder einige Male schlucken, um den Druckausgleich herbeizuführen. Bei Start und Landung ist es oft hilfreich, ein Bonbon zu lutschen oder einen Kaugummi zu kauen.

Wenn das nicht hilft, kann man das sogenannte Valsalva-Manöver ausprobieren: Dabei wird die Nase mit zwei Fingern zugehalten und dann bei verschlossenem Mund kräftig ausgeatmet. Durch den entstehenden Überdruck im Nasenrachenraum wird die Eustachische Röhre geöffnet und es kann Luft aus dem Mittelohr entweichen.

Die meisten Menschen haben während des Landeanfluges stärkere Beschwerden als beim Start. Die Ursache dafür ist der entstehende Unterdruck im Mittelohr, der naturgemäß schwieriger auszugleichen ist als ein Überdruck im Mittelohr. Daher sollten Sie insbesondere während des Sinkfluges rechtzeitig Techniken zum Druckausgleich durchführen.

Kindern beim Druckausgleich helfen

Babys und Kleinkinder haben oft Schwierigkeiten, den Druckausgleich durchzuführen. Durch Füttern oder Stillen können Sie Saug- und Kaubewegungen bei Ihrem Kind anregen und so Ohrenschmerzen vorbeugen.

Zudem sollten Kinder während des Starts und auch während der Landung möglichst nicht schlafen. Denn im Wachzustand öffnet sich bei Kindern die Eustachische Röhre einige Male pro Minute spontan und der Druck auf den Ohren kann von selbst verschwinden.

Erkältung erschwert den Druckausgleich

Normalerweise lässt sich durch Gähnen oder durch Schlucken recht einfach ein Druckausgleich herbeiführen. Bei Kindern oder einer bestehenden Erkältung kann der Ausgleich allerdings nur erschwert herbeizuführen sein und der Druck auf den Ohren unter Umständen einige Stunden bis Tage anhalten.

Das ist zwar unangenehm, jedoch in den meisten Fällen harmlos. Nur selten kommt es aufgrund des Druckunterschieds beim Fliegen zu einer Schädigung des Trommelfells.

Nasenspray hilft bei Erkältung

Eine Erkältung kann beim Fliegen besonders unangenehm sein, da die Schleimhäute angeschwollen sind und dadurch den Druckausgleich erschweren. Vor allem bei Schnupfen ist es daher empfehlenswert, etwa eine halbe Stunde vor Abflug und Landung ein abschwellendes Nasenspray zu verwenden.

Wenn Sie stark erkältet sind oder an einer Mittelohrentzündung leiden, sollten Sie Ihren Hals-Nasen-Ohrenarzt um Rat fragen, ob eine Flugreise in diesem Zustand bedenkenlos wahrgenommen werden kann.

Gefahr beim Fliegen: Verletzung des Trommelfells

In seltenen Fällen kann die Druckveränderung im Flugzeug zu einer Schädigung des Trommelfells (Barotrauma) führen. Vor allem wenn durch eine Erkältung oder eine angeborene Verengung der Eustachischen Röhre der Druckausgleich nicht oder nur schwer möglich ist, kann es zu einer Überdehnung des Trommelfells kommen. Im schlimmsten Fall kann es einbluten oder reißen.

Eine Trommelfellverletzung äußert sich in der Regel durch folgende Symptome:

Wenn während oder nach einem Flug diese Beschwerden bei Ihnen auftreten, sollten Sie möglichst bald einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen.

Aktualisiert: 13.09.2018 – Autor: Jana Wittkowski

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