Physikalische Therapie

Physikalische Massage-Therapie © rawpixel

Bei Beschwerden der Muskeln und Gelenke sind oft Massagen und Wärmebehandlungen hilfreich. Diese Methoden werden zur sogenannten Physikalischen Therapie gezählt. Doch muskuläre Probleme sind nicht die einzigen Beschwerden, die mithilfe der Physikalischen Therapie behandelt werden können. Was genau ist die Physikalische Therapie und wann kommt sie zum Einsatz? Das und mehr erfahren Sie hier.

Was versteht man unter Physikalischer Therapie?

Die Physikalische Therapie ist ein Teilgebiet der Physiotherapie, in dem die medizinischen Behandlungsformen zusammengefasst sind, die auf physikalischen Methoden, beziehungsweise auf der physiologischen Reaktion des Körpers auf äußere Reize, beruhen. Dazu gehören:

  • Massagen wie klassische Massagen, Reflexzonenmassagen und Lymphdrainagen
  • Kälte- und Wärmetherapien (Thermotherapie)
  • Behandlungen mit Gleichstrom (Elektrotherapie)
  • Behandlungen mit Ultraschall (Ultraschalltherapie)
  • Behandlungen mit Infrarot- und UV-Licht (PUVA und Phototherapie)
  • Wasseranwendungen (Hydrotherapie)
  • Ergotherapie
  • Balneotherapie (Inhalationstherapie, zum Beispiel bei Schuppenflechte, Asthma oder Mukoviszidose)

Der Unterschied zur Physiotherapie liegt darin, dass die Physiotherapie als Oberbegriff sowohl die Physikalische Therapie als auch die Krankengymnastik umfasst. Zur Krankengymnastik wird beispielsweise auch die Manuelle Therapie gezählt.

Ziele der Physikalischen Therapie

Nach der Definition aus der deutschen Weiterbildungsordnung für Fachärzte umfassen physikalische und rehabilitative Medizin "die sekundäre Prävention, die Erkennung, die fachbezogene Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation bei Krankheiten, Schädigungen und deren Folgen mit den Methoden der Physikalischen Therapie, der Manuellen Therapie, der Naturheilverfahren und der Balneo- und Klimatotherapie sowie die Gestaltung des Rehabilitationsplanes".

Die Physikalische Therapie dient also nicht ausschließlich der Behandlung, sondern beispielsweise auch dem Erkennen und Vorbeugen von Erkrankungen und Beschwerden sowie der Rehabilitation.

Physiotherapeuten und Rehabilitativmediziner

Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin arbeiten meistens in Rehabilitationskliniken. Die Weiterbildungszeit beträgt fünf Jahre und umfasst neben drei Jahren in diesem Fachgebiet auch je ein Jahr in Innerer Medizin und Chirurgie. Physiotherapeuten findet man nicht nur in Reha-Einrichtungen, sondern ebenso in eignen Praxen und Therapiezentren. Hier werden Patienten ambulant behandelt.

Wer bekommt Physikalische Therapie?

Physikalische Therapiemaßnahmen werden immer dann eingesetzt, wenn Schmerzen oder Funktionseinschränkungen durch Überlastung, als Folge von Verschleiß und Abbauprozessen, nach Operationen oder nach schweren Verletzungen wie durch Unfälle oder Schlaganfälle aufgetreten sind.

Mithilfe Physikalischer Therapien sollen:

  • die Normalfunktion wiederhergestellt werden
  • der Betroffene von Schmerzen befreit werden
  • Mobilität (Beweglichkeit) und Lebensqualität verbessert werden
  • über die Verbesserung von Durchblutung und Nährstoffversorgung der verschiedenen Gewebe die Reaktionsfähigkeit und die allgemeine körperliche Fitness gesteigert werden
  • Heilungsprozesse bei Hautkrankheiten unterstützt werden

Als Bestandteil eines therapeutischen Maßnahmenkataloges wird Physikalische Therapie in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Das gilt ebenso für die Maßnahmen, die bei niedergelassenen Physiotherapeuten außerhalb des Krankenhauses und in Kureinrichtungen in Anspruch genommen werden.

Die Wahl der richtigen Therapieform

Gerade weil es im Rahmen der Physikalischen Therapie sehr viele unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten gibt, ist die Wahl der richtigen Therapie entscheidend.

Warum das so wichtig ist, zeigt das folgende Beispiel: Bei älteren Menschen treten Erkrankungen und chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Herzschwäche häufiger auf. Das kann die Anwendung einiger Therapiemaßnahmen, unter anderem der Krankengymnastik, einschränken.

Weil physikalische Maßnahmen direkten Einfluss auf die Körperfunktionen nehmen, ist es wichtig, die speziellen Veränderungen in der Funktion der Organsysteme zu berücksichtigen. Im Alter sind Herz und Kreislauf insgesamt weniger belastbar, die Elastizität der Haut lässt nach. Auch das Bindegewebe, das Stützgewebe für Skelett und Knochen ebenso wie das Gefäßsystem sind nicht mehr so elastisch wie in jüngeren Jahren. Dazu kommt, dass die Sensibilität der Hautnerven nachlässt und die Muskelmasse schwindet.

All diese Faktoren müssen berücksichtigt werden, wenn zum Beispiel krankengymnastische Übungen gemacht werden sollen, weil der Umfang der jeweiligen Übungen, die Dauer und die Übungsgeräte entsprechend ausgesucht werden müssen.

Darum ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt im Rahmen der Anamnese mögliche Vorerkrankungen abfragt und eine Therapieform verschreibt, die im jeweiligen Fall passt. Da physikalische Maßnahmen überwiegend passiv erfolgen, also keine aktive Mitarbeit des Patienten erfolgen, sind sie für ältere Menschen oftmals besser geeignet.

Physikalische Maßnahmen individuell anpassen

Physikalische Therapien müssen immer den individuellen Gesundheitszustand des Patienten berücksichtigen. Das gilt für alle Patienten, wie das Beispiel eben jedoch gezeigt hat, vor allem aber für ältere.

Unabhängig davon, ob es sich um Massage, Bädertherapie oder Elektrotherapie handelt, ist die Physikalische Therapie für den Körper anstrengend – und zwar unmittelbar und direkt. Der Therapeut muss also vor Therapiebeginn den Patienten und seine Krankheiten kennen, um dessen individuelle Belastbarkeit abschätzen zu können.

Wichtig ist außerdem, mit dem Patienten ein Behandlungsziel festzulegen, das sich in den Rahmen des gesamten Behandlungsplans einfügt. Denn bei vielen physikalischen Maßnahmen ist der Behandlungserfolg nur durch die Mitarbeit des Patienten zu erreichen.

Aktualisiert: 16.07.2020 - Autor: Susanne Köhler; überarbeitet: Silke Hamann

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