Warum werden die Haare grau?

Mann mit grauen Haaren © rawpixel

Graue Haare gelten als ein Symbol des Alterns, denn spätestens ab dem 50. Lebensjahr ist bei den meisten Menschen das Haar von grauen Strähnen durchsetzt. Doch warum ergrauen unsere Haare eigentlich?

Der Grund dafür, dass die Haare grau erscheinen, ist ein Mangel an Melanin im Haar. Die Melaninproduktion lässt im Alter natürlicherweise nach, allerdings kann sie auch durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente beeinträchtigt werden. Dann bekommen unter Umständen auch junge Menschen graue Haare.

Leider lässt sich der Prozess des Ergrauens nicht aufhalten oder umkehren. Stören die grauen Haare optisch, kann eine Tönung oder Coloration die graue Haarfarbe kaschieren.

Melaninmangel als Ursache

Der sichtbare Teil der Haare besteht aus mehreren Schichten verhornter Zellen. An der Haarwurzelbefinden sich neben Talgdrüsen und kleinen Blutgefäßen pigmentbildende Zellen (Melanozyten). Diese produzieren das Pigment Melanin, das in die Hornschichten des Haarschaftes eingelagert wird und so dem Haar seine Farbe gibt.

Im Rahmen des natürlichen Alterungsvorgangs lässt die Aktivität der Melanozyten ab einem gewissen Lebensalter nach: Sie bilden zunächst weniger Melanin und sterben schließlich ab. Im nachwachsenden Haar wird das fehlende Melanin durch Luftbläschen ersetzt: Das Haar erscheint dann weiß.

Da dieser Vorgang nicht bei allen Haaren gleichzeitig abläuft, ergibt sich eine Mischung von weißen und farbigen Haaren. Das erweckt den Eindruck einer grauen Haarfarbe, wobei es also genau genommen ein "graues Haar" nicht gibt.

Graue Haare mit 20

Wann die Melaninproduktion nachlässt, ist genetisch bedingt. Während einige Menschen schon mit Anfang 20 erste graue Haare bei sich entdecken, haben manche 50-Jährige noch ihre ursprüngliche Haarfarbe. Wenn Menschen vor dem 20. Lebensjahr graue Haare bekommen, sprechen Mediziner von vorzeitigem Ergrauen (Canities praecox).

Im Durchschnitt jedoch zeigen sich die ersten grauen Haare zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Oft werden zunächst die Haare im Bereich der Schläfe grau, bei Männern hingegen sind häufig die Barthaare zuerst betroffen.

Graue Haare als Symptom einer Erkrankung

Graue Haare können auch im Rahmen einiger Erkrankungen vorkommen (Canities symptomatica). Zu diesen zählen unter anderem:

  • perniziöse Anämie (Blutarmut aufgrund von Vitamin B12-Mangel)
  • Krebserkrankungen
  • schwere hormonelle Störungen
  • Vitamin- und Mineralstoffmangel
  • akute fieberhafte Infektionen

Zudem kann ein vorübergehendes Ergrauen der Haare als Nebenwirkung bei der Einnahme eines Arzneimittels mit dem Wirkstoff Hydroxychloroquin auftreten. Dieses Medikament wird gegen Malaria und Autoimmunerkrankungen eingesetzt. Nach Absetzen des Medikaments kehrt die ursprüngliche Haarfarbe aber in der Regel zurück.

Mythos "grau über Nacht"

Das Gerücht, man könne bei schwerem Kummer über Nacht graue Haare bekommen, hält sich hartnäckig. Tatsächlich ist es jedoch nicht möglich, innerhalb einer so kurzen Zeit zu ergrauen. Denn die Pigmente in den Haaren können nicht einfach verschwinden.

Allerdings entsteht im Körper in extremen emotionalen Stresssituationen oxidativer Stress. Dabei werden sogenannte freie Radikale gebildet, die im Verdacht stehen, die pigmentbildenden Zellen zu schädigen. Auf diese Weise scheinen auch schädliche Einflüsse wie Zigarettenrauch, UV-Licht sowie einige Chemikalien und Kosmetika zu einem vorzeitigen Ergrauen beizutragen. Dass Menschen mit einem sorgenreichen Leben wirklich früher ergrauen als andere, konnte jedoch bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Dennoch gibt es Berichte über Einzelfälle, in denen Menschen morgens plötzlich mit grauen Haaren aufwachen. Dieses sehr seltene Phänomen kann bei kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) auftreten. Im Anfangsstadium dieser Erkrankung fallen bei manchen Patienten zunächst die pigmentierten Haare aus, während die bereits ergrauten Haare resistenter sind.Geschieht dies in sehr kurzer Zeit, kann ein Patient unter Umständen buchstäblich "über Nacht" graue Haare bekommen.

Graue Haare färben?

Wenn die ersten Strähnen grau werden, stellen sich vor allem Frauen meist die Frage, ob sie die grauen Haare abdecken sollen. Etwa 70 Prozent der Frauen entscheiden sich dann für eine Tönung oder Coloration. Doch in letzter Zeit kommen graue Haare in Mode: Immer öfter verzichten Frauen bewusst darauf, ihre grauen Haare zu färben.

Glänzend gepflegt kann eine silbergraue Haarfarbe sehr elegant aussehen. Mittlerweile gibt es sogar spezielle Haarpflegeserien, die auf graues Haar abgestimmt sind und die Haarfarbe betonen sollen.

Graue Haare erfolgreich abdecken

Wenn Sie Ihre grauen Haare dennoch lieber abdecken möchten, können Sie zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen:

  • Intensivtönung: Eine Intensivtönung eignet sich zur Grauhaarabdeckung, wenn der Anteil der grauen Haare noch nicht mehr als 50 Prozent ausmacht. Im Gegensatz zu einer einfachen Tönung enthält eine Intensivtönung Wasserstoffperoxid sowie chemische Stoffe, die die Schuppenschicht der Haare öffnen und die Pigmente eindringen lassen. Nur so können graue Haare die Farbe annehmen. Eine Intensivtönung hält etwa sechs bis acht Wochen und kann Farbergebnisse erzielen, die bis zu zwei Nuancen dunkler als die Naturhaarfarbe sind.  
  • Coloration: In einer Coloration ist die Konzentration des Wasserstoffperoxids höher als in einer Intensivtönung. So kann auch ein hoher Grauhaaranteil abgedeckt werden. Zudem können die Haare aufgehellt und um beliebig viele Nuancen abgedunkelt werden. Eine Coloration ist dauerhaft haltbar und wäscht sich nicht heraus.
  • Repigmentierung: Produkte zur Repigmentierung bilden im Haar mithilfe von Sauerstoff naturähnliche Farbstoffe. Dadurch soll in mehreren Anwendungen die ursprüngliche Haarfarbe auf schonende und natürliche Weise zurückerlangt werden. Die Repigmentierung ist dauerhaft haltbar, allerdings funktioniert das Prinzip nicht bei hellblonder oder rötlicher Naturhaarfarbe.

Aktualisiert: 11.10.2018 – Autor: Jana Wittkowski

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