Wieso fangen wir an zu zittern, wenn wir frieren?

In Urzeiten hatte die Menschheit noch eine wesentlich stärkere Körperbehaarung als Schutz vor widrigen klimatischen Bedingungen. Die üppige Körperbehaarung wirkte dabei wie ein wärmendes Luftpolster für den gesamten Organismus. Heutzutage fehlt uns dieser "wärmende Pelz" und der Körper muss sich anders behelfen. Sinkt im Winter die Temperatur und es wird uns kalt, ziehen sich die kleinen Muskeln in der Haut unwillkürlich zusammen. Dieser Reflex sorgt dafür, dass sich die Härchen auf unserer Haut aufstellen und – wie früher – ein Luftpolster gebildet wird. Dieser Reflex reicht jedoch längst nicht mehr aus.

Was passiert im Körper?

Der Körper verfügt über unterschiedliche Mechanismen, den Wärmeverlust so gering wie möglich zu halten. Neben der Kontraktion der kleinen Hautmuskeln ziehen sich auch die Muskeln der arteriellen Hautgefäße zusammen und bewirken damit eine geringere Durchblutung der Haut. Das Blut fließt stattdessen vermehrt in innere Organe, Rückenmark und Hirn und hält so die Körperkerntemperatur konstant. Zusätzlich stellt der Körper seine Schweißproduktion ein, denn Schweiß auf der Haut bewirkt ja bekanntlich eine Verdunstungskälte. Außerdem spannen sich die Muskeln unter der Haut an und versuchen so, Wärme zu produzieren. Wenn alle diese Maßnahmen erfolglos bleiben, versucht sich der Körper durch stärkere Kontraktion der Muskeln wieder aufzuheizen.

Wie funktioniert dies?

Über ein Drittel unserer Körpermasse besteht aus Muskeln, die uns zur Bewegung befähigen. Bei einer kalten Umgebungstemperatur zieht sich die Muskulatur zusammen (Kontraktion). Muskelkontraktion heißt aber auch Bewegung und aus Bewegung entsteht Wärme. Denn alles, was die Muskeln nicht selbst an Energie brauchen, wird zu Körperwärme. Dass dem so ist merkt jeder, der einige Minuten mit dem Rad fährt oder einen Jogginglauf macht. Aus diesem Grunde fangen wir also an zu zittern, wenn wir frieren. Und je mehr wir frieren, desto mehr fangen wir an zu zittern. Unser Körper versucht sich auf diese Art selber zu helfen. Ein heftiges Zittern ist somit das beste Mittel, um die Körpertemperatur schnell in die Höhe zu treiben.

Aktualisiert: 31.05.2012

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