Was ist eine Lumbalpunktion?

Lumbalpunktion: Röntgenbild von Rücken © istockphoto, digigraphy

Sowohl Gehirn als auch Rückenmark sind von einem flüssigen Schutzmantel, dem Nervenwasser (Liquor cerebrospinalis), umgeben. In der Neuromedizin wird es als Indikator für potenzielle Entzündungsherde innerhalb des zentralen Nervensystems herangezogen. Maligne Erkrankungen,  aber auch bakterielle oder virale Infektionen, welche beispielsweise Auslöser für eine Gehirnentzündung (Enzephalitis), Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder Lyme-Borreliose sein können, werden auf diesem Wege ausfindig gemacht.
Durch gezielte Punktion im unteren Bereich der Lendenwirbel wird dem Patienten Nervenwasser entnommen, um nach näherer Untersuchung Rückschlüsse auf krankhafte Veränderungen innerhalb des Zentralnervensystems ziehen zu können. 

Durchführung einer Lumbalpunktion

Die Liquorentnahme erfolgt bei einer Lumbalpunktion für gewöhnlich im Sitzen oder in Seitenlage. Dabei führt der Arzt eine Punktionskanüle zwischen dem 3./4. oder 4./5. Lendenwirbelkörper bis in den Duralsack des unteren Rückenmarkskanals ein. Die Nervenflüssigkeit wird durch langsames Abtropfen über eine Kanüle gewonnen. Anders als häufig angenommen, kommt die Nadel jedoch nicht in Berührung mit dem Rückenmark, da dieses lediglich bis in die obere Region der Lendenwirbelsäule reicht. Das Rückenmark kann daher bei einer Lumbalpunktion nicht beschädigt werden.

Wenige Milliliter Nervenflüssigkeit genügen bereits, um eine pathologische Untersuchung auf mögliche krankhafte Veränderungen im Zentralnervensystem vollziehen zu können. Das Setzen der Punktionsnadel erfolgt bei einer Lumbalpunktion weitestgehend ohne Schmerzen. Zudem erfolgt eine Vorbehandlung mittels einer atraumatischen (gewebsschonenden) Nadel, um mögliche Schmerzen während des eigentlichen Eingriffs zu minimieren. In Einzelfällen wird die Einstichstelle vor dem Eingriff durch eine Lokalanästhesie betäubt.

Die Nervenwasser-Analyse

Nach der Punktion lassen sich erste Ergebnisse bereits anhand der Färbung des entnommenen Liquors erkennen. Ein ungetrübtes Punktat zeugt von einer normalen, gesunden Nervenflüssigkeit. Dagegen weisen farbige Abweichungen auf eine erhöhte Erythrozyten- oder Leukozytenanzahl und einen damit verbundenen Entzündungsherd oder Blutungen im Nervensystem hin.

Darüber hinaus lassen sich Aussagen über Zell-, Immuglobin-, Glukose- und Eiweiß-Gehalt im  Nervenwasser treffen, welche ausschlaggebend sind für den weiteren Behandlungsverlauf. Wird der Patient in Seitenlage behandelt, kann darüber hinaus eine Liquordruckmessung durchgeführt werden.

Anwendung findet die Liquorentnahme  vor allem zur Diagnosesicherung bei Verdacht auf Multiple Sklerose (MS). Im Falle einer Erkrankung kommt es zur vermehrten Ausschüttung des Antikörpers Immuglobin G. Dieser macht entzündliche Plaques kenntlich. Während früher zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs bei Multiple Sklerose nach jedem MS-Schub eine erneute Punktierung angesetzt wurde,  wird die Lumbalpunktion heutzutage lediglich zur Erstellung des Krankheitsbildes durchgeführt.

Risiken und Nebenwirkungen einer Lumbalpunktion

Der Eingriff mit der Hohlnadel führt zu einer punktuellen Beschädigung zwischen dem Bereich der Lendenwirbel, die zu einem Liquorunterdruck im Rückenmarkskanal führt. Dadurch können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Erbrechen und Übelkeit auftreten. Diese Folgeerscheinungen werden auch als postpunktionelles Syndrom bezeichnet und klingen in der Regel einige Zeit nach dem Eingriff wieder ab. Lediglich bei den Kopfschmerzen kann es einige Wochen dauern, bis diese nachlassen.  

Allgemein gilt erhebliches Übergewicht als hinderlich für die Durchführung einer Lumbalpunktion. Auch Patienten mit einer Blutgerinnungsstörung ist von einer Liquorentnahme abzuraten, da bei ihnen das Risiko für eine spinale Hämatombildung besonders groß ist. Nicht durchführbar ist die Nervenwasserentnahme bei Menschen mit erhöhtem Hirndruck.

Aktualisiert: 25.09.2018 - Autor: Miriam Erb

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