Ketogene Ernährung: Nutzen & Nebenwirkungen

Frau ernährt sich ketogen
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Bei der ketogenen Ernährung wird weitgehend auf Kohlenhydrate verzichtet. Nur noch fünf Prozent des täglichen Energiebedarfs werden darüber gedeckt. Der Rest der Energie wird über protein- und vor allem fettreiche Lebensmittel aufgenommen. Die ketogene Ernährung birgt einige gesundheitliche Nachteile. Nichtsdestotrotz hält die ketogene Ernährung in bestimmten Bereichen auch einen nicht unerheblichen Nutzen für die Medizin bereit. Welche Nebenwirkungen bei der Keto-Diät auftreten können und bei welchen Krankheiten man gegebenenfalls von der Ernährungsform profitieren kann, lesen Sie im Folgenden.

Nebenwirkungen von ketogener Ernährung

Die ketogene Ernährung hat eine sogenannte Ketose zum Ziel – dabei handelt es sich um eine Umstellung des Stoffwechsels, die zur Folge hat, dass aus Fettsäuren saure Ketonkörper entstehen und daraus letztlich Energie erzeugt wird. Diese Form der Ernährung kann dabei helfen, Gewicht zu reduzieren, sie kann aber auch gesundheitliche Nachteile mit sich bringen.

Folgende Nebenwirkungen können durch eine ketogene Ernährungsweise ausgelöst werden:

  • niedriger Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie)
  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Nährstoffmangel
  • erhöhtes Risiko für Verstopfungen und Nierensteine (bei zu geringer Flüssigkeitszufuhr, empfohlen werden etwa zwei Liter pro Tag)
  • Entstehung einer Fettstoffwechselstörung (Hypercholesterinämie)
  • leichte Beeinträchtigung des Wachstums bei Kindern
  • in Einzelfällen Entstehung einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis), Störung der Granulozyten (eine Art der weißen Blutkörperchen) oder der Thrombozyten (Blutplättchen)

Bei Infekten sowie beim Auftreten von Fieber oder Erbrechen ist besondere Vorsicht geboten: Im Rahmen einer ketogenen Ernährung kann es dann zu einer gefährlichen Azidose, also einer Übersäuerung des Blutes, kommen.

Dies liegt daran, dass Ketonkörper bei Immunreaktionen eine wichtige Rolle spielen und der Körper bei Infekten in höherer Anzahl saure Ketonkörper produziert, die im Zustand der Ketose ohnehin schon reichlich vorhanden sind. Besonders wichtig ist dann die verstärkte Aufnahme von Flüssigkeit. Denn der Körper versucht, die überzähligen Ketonkörper über die Atmung und die Niere auszuscheiden, wodurch dem Körper Flüssigkeit verloren geht. Dieser Verlust kann wiederum die Azidose verstärken.

Auch die gleichzeitige Einnahme von Metformin zur Behandlung von Typ-2-Diabetes kann das Risiko einer Ketoazidose durch eine Keto-Diät erhöhen. In solchen Fällen sollte also rechtzeitig ärztlicher Rat gesucht werden.

Zu beachten ist bei der Keto-Diät außerdem das hohe Risiko des JoJo-Effekts, das heißt einer schnellen Gewichtszunahme nach der Beendigung der Diät.

Was ist die Keto-Grippe?

Eine weitere mögliche Nebenwirkung der Ketose ist die sogenannte Keto-Grippe. Diese kann vor allem in der Anfangszeit nach Beginn der ketogenen Ernährung auftreten, während sich der Stoffwechsel auf die Ketose umstellt.

Zu den Symptomen einer Keto-Grippe gehören:

  • Energielosigkeit und Müdigkeit
  • Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Die genannten Symptome verschwinden in der Regel nach einigen wenigen Wochen wieder.

Ketogene Ernährung in der Medizin

Die Keto-Diät wird bei bestimmten Krankheiten unter ärztlicher Aufsicht zur Unterstützung der Therapie angewendet. Dies ist zum Beispiel bei seltenen, angeborenen Stoffwechselkrankheiten oder Epilepsie der Fall.

Beim Glukosetransporter(Glut1)-Defekt – einer Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Glukose nicht transportieren oder verwerten kann – ist die Keto-Diät sogar die Therapie der Wahl. Denn Ketonkörper dienen hier als alternative Energiequelle. Auch bei einem Pyruvatdehydrogenase-Mangel (PDH-Mangel), bei dem Kohlenhydrate durch den Körper nicht richtig abgebaut werden können, wird die ketogene Ernährung als Therapie empfohlen.

Im medizinischen Kontext spricht man dann von der ketogenen Ernährungstherapie (KET). Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick darüber, bei welchen Krankheiten die Keto-Diät möglicherweise noch einen positiven Einfluss haben könnte.

Die ketogene Diät bei Epilepsie

Verschiedene Studien1,2 weisen darauf hin, dass eine ketogene Diät bei Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen, die auf Antiepileptika nicht ansprechen, das Auftreten der Anfälle reduzieren beziehungsweise sogar vollständig verhindern kann. Das soll vor allem für eine vegetarische ketogene Ernährung gelten. Weitere Studien3,4 deuten auch auf die Wirksamkeit der Keto-Diät bei Erwachsenen mit entsprechendem Krankheitsbild hin.

Warum die ketogene Diät epileptische Anfälle mindern kann, ist noch ungeklärt. Einige Forschende vermuten, dass sich durch die Stoffwechselumstellung die Darmflora ändert und krampflösend wirkt.5 Andere Wissenschaftler*innen nehmen an, dass Neurotransmitter durch die Ketonkörper reguliert werden.6

Wissenschaftlich erforscht und medizinisch angewandt wird die Keto-Diät vor allem in Amerika. In Deutschland jedoch wird die ketogene Ernährung eher selten zur Therapie von Epilepsie eingesetzt, da sie gerade bei Kindern nur schwer umzusetzen ist.7

Ketogene Ernährung: Diabetes und Übergewicht

Die Keto-Diät soll sich auch positiv auf Diabetes auswirken. Wissenschaftliche Untersuchungen6,8,9,10 haben besonders für Typ-2-Diabetes gezeigt, dass eine ketogene Ernährungsform die Blutzuckerwerte reduzieren und konstant halten sowie die Insulin-Empfindlichkeit verbessern kann. Insulindosen sowie das Risiko für Komplikationen könnten dadurch gesenkt und werden.

Auf der anderen Seite warnen Verbraucherzentralen vor einer durch ketogene Ernährung herbeigeführten Insulinresistenz. Auch besteht wie bereits erwähnt bei der gleichzeitigen Einnahme von Metformin ein erhöhtes Risiko einer Azidose.

Da durch die Stoffwechselumstellung bei der Keto-Diät die Fettverbrennung angekurbelt sowie der Insulinspiegel niedrig gehalten wird und ein schnelleres Sättigungsgefühl eintritt, kann diese Form der Ernährung auch bei Übergewicht zum Einsatz kommen.6,11,12

Hilft die Keto-Ernährung bei Lipödemen?

Auch bei Lipödemen soll eine ketogene Diät helfen können. Bisher gibt es jedoch nur eine Studie13 zu diesem Thema, an der lediglich neun Frauen mit Lipödemen teilnahmen. Großangelegte Untersuchungen mit starker Aussagekraft fehlen bisher. Die Pilotstudie konnte jedoch zeigen, dass die durch die Lipödeme verursachten Schmerzen sieben Wochen nach Beginn der Keto-Diät abgenommen hatten. Die Studienteilnehmerinnen berichteten auch von einer Zunahme der Lebensqualität – unabhängig davon, ob sie während des Untersuchungszeitraums Gewicht verloren hatten oder nicht.

Die Keto-Diät und neurologische Erkrankungen

Die Forschung liefert zunehmend Hinweise darauf,9,14 dass durch eine ketogene Ernährung möglicherweise die Therapie von neurologischen Erkrankungen des Gehirns unterstützt werden kann. Hierzu zählen unter anderem Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose. Diese Krankheiten haben wahrscheinlich eine gestörte Glukoseaufnahme und -verwertung gemeinsam. Die bisherigen Studienergebnisse sind jedoch nicht repräsentativ, da sie entweder auf Untersuchungen an Tieren oder mit sehr wenigen Studienteilnehmenden beruhen.

In jedem Fall ist immer eine individuelle und ärztlich kontrollierte Therapie der jeweiligen Erkrankung nötig – der zusätzliche Einsatz der Keto-Diät sollte immer mit dem*der Arzt*Ärztin abgesprochen werden.

Keto-Diät und kardiovaskuläre Krankheiten

Einige Studien, wie beispielsweise die 2013 erschienene Studie von Paoli et al.,9 konnten im Zuge einer ketogenen Ernährung eine Verbesserung der Körperfett-, Blutdruck- und Blutzuckerwerte sowie des Cholesterinspiegels feststellen. Somit könnte sich auch das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten senken.

Deutsche Verbraucherzentralen warnen hingegen, dass die Keto-Diät Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben könnte. Als Grund dafür gilt der relativ geringe Anteil an Ballaststoffen und der gegebenenfalls hohe Anteil an gesättigten Fettsäuren bei einer ketogenen Ernährung. Auch dieser Zusammenhang gilt bisher aber nicht als eindeutig belegt.

Aussagen hinsichtlich eines möglichen Zusammenhangs zwischen einer ketogenen Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten daher mit Vorsicht bewertet werden, solange es für gesicherte Aussagen noch nicht ausreichend Studien gibt – vor allem an Langzeit-Studien mangelt es bislang.

Hilft eine ketogene Ernährung bei Krebs?

Wissenschaftlich diskutiert wird auch, ob die Keto-Diät das Wachstum von Krebszellen bremsen kann. Dies ist in der Annahme begründet, dass Tumorzellen gesättigte Fettsäuren kaum verarbeiten können. Während einige Studien15,16,17 auf eine Wirksamkeit hinweisen, konnten andere Untersuchungen6,18 diesen Effekt nicht bestätigen. Auch das Fehlen qualitativ hochwertiger Studien stellt ein Problem bei der Bewertung dar.

Zudem muss bedacht werden, dass Krebszellen sehr anpassungsfähig sind und sich daher wahrscheinlich nicht über die Ernährung eliminieren lassen. Als unterstützendes Element in der Krebstherapie kann die ketogenen Ernährung jedoch eventuell eine Rolle spielen.

Die Keto-Diät im Sport

Neben Menschen mit medizinischen Beschwerden sollen auch einige Sportler*innen einen Nutzen aus der ketogenen Ernährung ziehen können: Sie soll die Leistung verbessern und dabei helfen, zum Beispiel vor einem Wettkampf schnell Gewicht zu verlieren. Wissenschaftlich belegt ist zumindest der leistungssteigernde Effekt jedoch nicht.

Personen, die Kraftsport betreiben, ernähren sich oftmals aus optischen Gründen ketogen. Denn durch die Keto-Diät wird der Körper entwässert, wodurch sich die Muskeln besser abzeichnen.

Für Ausdauersportler*innen ist die ketogene Ernährung in jedem Fall nicht geeignet. Denn diese Personengruppe benötigt aufgrund der anhaltenden sportlichen Belastung ausreichend Glukose – und dafür benötigt der Körper Kohlenhydrate.

Für wen ist die Keto-Diät nicht geeignet?

Eine ketogene Ernährung ist nicht für jedermann geeignet, denn einige Personengruppen können ernsthaften Schaden davontragen und sollten von der kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährung daher lieber absehen.

Zu diesen Personengruppen zählen unter anderem Menschen mit

  • erhöhten Blutfettwerten: Leidet man an einer Hyperlipidämie (erhöhte Cholesterin-, Triglycerid- und Lipoproteinwerte), kann der Organismus Fett nicht richtig abbauen, weshalb eine fettreiche Ernährung zum Problem werden kann.
  • Störungen des Fettsäureabbaus: Ist der Fettsäureabbau gestört, kann der Körper keine Ketonkörper bilden.
  • Ketolysen- oder Ketoneogenesedefekten: Dabei ist der Abbau oder die Bildung von Ketonkörpern gestört.
  • Herzerkrankungen wie einer Herzinsuffizienz: Muss sich der Körper auf einen Stoffwechsel mit Ketonkörpern statt Glukose umstellen, kann das ein geschwächtes Herz zusätzlich belasten.
  • Gallenproblemen, zum Beispiel bei Gallensteinen oder einer entfernten Gallenblase: Die Fettverdauung ist bei Menschen mit erkrankter oder fehlender Galle erschwert, sodass eine fettreiche Kost kontraproduktiv wäre.
  • Leber- oder Nierenerkrankungen: Eine ketogene Ernährungsweise kann Leber und Nieren zusätzlich belasten, da sie dem Körper Wasser entzieht und ihm gleichzeitig aber viel Fett zum Abbauen liefert.
  • Osteoporose: Kommt es durch die ketogene Ernährung zu einem Calciummangel, kann dieser die Osteoporose noch begünstigen.
  • Untergewicht oder einer Essstörung: Betroffene kämpfen sowieso schon mit einem Nährstoffmangel und müssen zudem zu- statt abnehmen.

Bei Vorliegen einer dieser oder anderer Krankheiten sowie bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten sollte vor Ausprobieren der Keto-Diät in jedem Fall ärztlicher Rat gesucht werden.

Ketogene Ernährung in der Schwangerschaft

Es existieren bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema. Da bei Schwangeren jedoch das Risiko zur Entwicklung eines Schwangerschaftsdiabetes besteht, welcher eine diabetische Ketoazidose nach sich ziehen kann, sollten schwangere Frauen auf die Keto-Diät verzichten.

Generell gilt: Um eine normale Entwicklung des Babys gewährleisten zu können, wird Schwangeren grundsätzlich empfohlen, keinerlei Diät zu machen und sich stattdessen ausgewogen zu ernähren. Dies beinhaltet auch den Verzehr von Kohlenhydraten.

Fazit: Ist eine ketogene Ernährung gesund?

Für Menschen mit bestimmten Krankheiten wie Epilepsie kann eine Keto-Diät durchaus gesundheitliche Vorteile mit sich bringen. Auch ein schneller Gewichtsverlust kann mit dieser Ernährungsform erreicht werden.

Doch Verbraucherzentralen warnen bei der Keto-Diät vor Nebenwirkungen wie einem Mangel an Vitaminen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Auch kann die ketogene Ernährung bei einigen Krankheiten, wie Leber- und Nierenerkrankungen oder einer Herzinsuffizienz, eine zusätzliche Belastung für den Körper darstellen.

Zudem steht die ketogene Diät im Widerspruch zu lange bewährten Ernährungsrichtlinien. So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lediglich 30 bis 35 Prozent der Energie am Tag aus Fetten zu generieren.

Die Keto-Diät sollte also, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Kontrolle und gegebenenfalls im Rahmen einer Ernährungsberatung eingesetzt werden. Wer langfristig und ohne JoJo-Effekt Gewicht verlieren möchte, sollte die Ernährung besser ausgewogen und gesund gestalten sowie sich regelmäßig bewegen.

Quellen

Aktualisiert: 20.01.2023
Autor*in: Nadja Weber, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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