Ketogene Ernährung: Nutzen und Risiken

Keto-Diät © istockphoto, erikreis

Die Keto-Diät birgt einige mögliche Nebenwirkungen. Besonders das Risiko einer Übersäuerung des Blutes ist zu beachten. Aber auch andere gesundheitliche Nebenwirkungen dürfen nicht unterschätzt werden. Nichtsdestotrotz hält die ketogene Ernährung auch einen nicht unerheblichen Nutzen für die Medizin bereit. Welche Nebenwirkungen bei der Keto-Diät auftreten können und bei welchen Krankheiten man von der Ernährungsform profitieren kann, lesen Sie im Folgenden.

Risiken einer ketogenen Diät

Die gravierendste mögliche Nebenwirkung ist, wie schon angedeutet, das Risiko einer Ketoazidose. Das ist eine Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper und kann gesundheitliche Schäden mit sich bringen. Folgen eines übersäuerten Blutes können unter anderem sein:

  • ein Abfall der Leistungsfähigkeit
  • Müdigkeit und Schlappheit
  • Mundgeruch
  • ein ansteigender Harnsäurespiegel und damit ein erhöhtes Risiko für Gicht oder Nierensteine

Darüber hinaus kann die ketogene Diät zu Verdauungsbeschwerden sowie Übelkeit führen.

Auch besteht aufgrund der eingeschränkten Ernährung unter Umständen die Gefahr einer möglichen Unterversorgung mit wichtigen Nährstoffen.

Zu beachten ist bei der Keto-Diät außerdem das hohe Risiko des JoJo-Effekts.

Was ist die Keto-Grippe?

Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist die sogenannte Keto-Grippe. Diese kann auftreten, während sich der Stoffwechsel auf die Ketose umstellt.

Zu den Symptomen einer Keto-Grippe gehören:

  • Energielosigkeit und Müdigkeit
  • Schwäche
  • Kopfschmerzen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Heißhunger
  • Verstopfung

Die genannten Symptome verschwinden in der Regel nach einigen wenigen Wochen wieder.

Ketogene Ernährung in der Medizin

Die Keto-Diät wird bei bestimmten Krankheiten unter ärztlicher Aufsicht zur Unterstützung der Therapie angewendet. Dies ist zum Beispiel bei seltenen, angeborenen Stoffwechselkrankheiten oder Epilepsie der Fall.

Beim Glukosetransporter(Glut1)-Defekt – einer Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Glukose nicht transportieren oder verwerten kann – ist die Keto-Diät sogar die Therapie der Wahl. Denn Ketonkörper dienen hier als alternative Energiequelle.

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick darüber, bei welchen Krankheiten die Keto-Diät möglicherweise einen positiven Einfluss hat.

Allerdings sollte man immer beachten, dass die Keto-Diät kein medizinisch anerkanntes Therapieverfahren ist. Daher sollten Sie die Diät im Krankheitsfall unter allen Umständen mit einem Arzt absprechen.

Die ketogene Diät bei Epilepsie

Verschiedene Studien1,2 weisen darauf hin, dass eine ketogene Diät bei Epilepsie bei Kindern, die auf Antiepileptika nicht ansprechen, das Auftreten der Anfälle reduzieren beziehungsweise sogar vollständig verhindern kann. Das soll vor allem für eine vegetarische ketogene Ernährung gelten. Weitere Studien3,4 deuten auch auf die Wirksamkeit der Keto-Diät bei Erwachsenen mit Epilepsie hin.

Warum die ketogene Diät epileptische Anfälle mindern kann, ist noch ungeklärt. Einige Forscher vermuten, dass sich durch die Stoffwechselumstellung die Darmflora ändert und krampflösend wirkt.5 Andere Wissenschaftler nehmen an, dass Neurotransmitter durch die Ketonkörper reguliert werden.6

Wissenschaftlich erforscht und medizinisch angewandt wird die Keto-Diät bei Epilepsie vor allem in Amerika. In Deutschland jedoch wird die ketogene Ernährungsform eher selten zur Therapie von Epilepsie eingesetzt, da sie gerade bei Kindern nur schwer umzusetzen ist.7

Ketogene Ernährung: Diabetes und Übergewicht

Die Keto-Diät soll sich auch positiv auf Diabetes auswirken. Wissenschaftliche Untersuchungen6,8,9,10 haben besonders für Typ-2-Diabetes gezeigt, dass eine ketogene Ernährungsform die Blutzuckerwerte reduzieren und konstant halten sowie die Insulin-Empfindlichkeit verbessern kann. Insulindosen sowie das Risiko für Komplikationen könnten dadurch gesenkt und werden.

Auf der anderen Seite warnen Verbraucherzentralen vor einer durch ketogene Ernährung herbeigeführten Insulinresistenz.

Da durch die Stoffwechselumstellung bei der Keto-Diät die Fettverbrennung angetrieben, der Insulinspiegel niedrig gehalten wird und ein schnelleres Sättigungsgefühl eintritt, kann die Ernährungsform auch bei Übergewicht zum Einsatz kommen.6,11,12 Auch bei Lipödemen soll eine ketogene Diät helfen können.

Die Keto-Diät und neurologische Erkrankungen

Die Forschung liefert zunehmend Hinweise darauf,9,13 dass durch eine ketogene Ernährung möglicherweise die Therapie von neurologischen Erkrankungen des Gehirns unterstützt werden kann. Hierunter zählen unter anderem Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose. Diese Krankheiten haben wahrscheinlich eine gestörte Glukoseaufnahme und -verwertung gemeinsam.

Allerdings ist bei jeder der genannten Erkrankungen eine individuelle und ärztlich kontrollierte Therapie nötig – der zusätzliche Einsatz der Keto-Diät sollte immer mit dem Arzt abgesprochen werden.

Keto-Diät und kardiovaskuläre Krankheiten

Einige Studien, wie beispielsweise die 2013 erschienene Studie von Paoli et al.,9 konnten im Zuge einer ketogenen Ernährung eine Verbesserung der Körperfett-, Blutdruck- und Blutzuckerwerte sowie des Cholesterinspiegels feststellen. Somit könnte sich auch das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen senken.

Deutsche Verbraucherzentralen warnen hingegen, dass die Keto-Diät Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben könnten. Die Erkenntnisse solcher Studien wie der oben genannten sollten daher mit Vorsicht bewertet werden, solange es für gesicherte Aussagen noch nicht ausreichend Studien gibt – vor allem an Langzeit-Studien mangelt es bislang.

Hilft eine ketogene Ernährung bei Krebs?

Wissenschaftlich diskutiert wird auch, ob die Keto-Diät das Wachstum von Krebszellen bremsen kann. Während einige Studien14,15,16 auf eine Wirksamkeit hinweisen, konnten andere Untersuchungen6,17 diesen Effekt nicht bestätigen und bemängeln das Fehlen qualitativ hochwertiger Studien.

Zudem muss bedacht werden, dass Krebszellen sehr anpassungsfähig sind und sich daher wahrscheinlich nicht über die Ernährung eliminieren lassen. Als unterstützendes Element in der Krebstherapie kann die ketogenen Ernährung doch eventuell eine Rolle spielen.

Die Keto-Diät im Sport

Neben medizinischen Patienten sollen auch einige Sportler einen Nutzen aus der ketogenen Ernährung ziehen können: Sie soll die Leistung verbessern und dabei helfen, zum Beispiel vor einem Wettkampf schnell Gewicht zu verlieren. Wissenschaftlich belegt ist das jedoch nicht.

Kraftsportler ernähren sich oftmals aus optischen Gründen ketogen. Denn durch die Keto-Diät wird der Körper entwässert, wodurch sich die Muskeln besser abzeichnen.

Für Ausdauersportler wie Läufer oder Kletterer ist die ketogene Ernährung nicht geeignet. Denn diese Sportlergruppe benötigt aufgrund der anhaltenden sportlichen Belastung ausreichend Glukose – und dafür braucht es Kohlenhydrate.

Für wen ist die Keto-Diät nicht geeignet?

Eine ketogene Ernährung ist nicht für jedermann geeignet, denn einige Personengruppen können ernsthaften Schaden davontragen und sollten von der kohlenhydratarmen und fettreichen Ernährung daher lieber absehen.

Zu diesen Personengruppen zählen Menschen mit

  • erhöhten Blutfettwerten: Leidet man unter einer Hyperlipidämie (erhöhte Cholesterin-, Triglycerid- und Lipoproteinwerte), kann der Organismus Fett nicht richtig abbauen, weshalb eine fettreiche Ernährung zum Problem werden kann.
  • Herzerkrankungen wie einer Herzinsuffizienz: Muss sich der Körper auf einen Stoffwechsel mit Ketonkörpern statt Glukose umstellen, kann das ein geschwächtes Herz zusätzlich belasten.
  • Gallenproblemen, zum Beispiel bei Gallensteinen oder einer entfernten Gallenblase: Die Fettverdauung ist bei Menschen mit erkrankter oder fehlender Galle erschwert, sodass eine fettreiche Kost kontraproduktiv wäre.
  • Leber- oder Nierenerkrankungen: Eine ketogene Ernährungsweise kann Leber und Nieren zusätzlich belasten, da sie dem Körper Wasser entzieht und ihm gleichzeitig aber viel Fett zum Abbauen liefert.
  • Untergewicht oder einer Essstörung: Betroffene kämpfen sowieso schon mit einem Nährstoffmangel und müssen zudem zu- statt abnehmen.

Wer trotz einer dieser Erkrankungen die Keto-Diät ausprobieren möchte, sollte dies keinesfalls ohne ärztliche Beratung tun.

Ketogene Ernährung in der Schwangerschaft

Es existieren bislang keine wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema.

Um jedoch eine normale Entwicklung des Babys gewährleisten zu können, wird Schwangeren grundsätzlich empfohlen, keinerlei Diät zu machen und sich stattdessen ausgewogen zu ernähren. Dies beinhaltet auch den Verzehr von Kohlenhydraten.

Fazit: Ist eine ketogene Ernährung gesund?

Für Menschen mit Krankheiten wie Epilepsie kann eine Keto-Diät durchaus gesundheitliche Vorteile mit sich bringen. Auch ein schneller Gewichtsverlust kann mit dieser Ernährungsform erreicht werden.

Doch Verbraucherzentralen warnen bei der Keto-Diät vor einem Mangel an Vitaminen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Darüber hinaus weisen die Organisationen darauf hin, dass es bei einer ketogenen Ernährung langfristig zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer Insulinresistenz kommen kann.

Zudem steht die ketogene Diät im Widerspruch zu lange bewährten Ernährungsrichtlinien. So empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) lediglich 30 bis 35 Prozent der Energie am Tag aus Fetten zu generieren.

Die Keto-Diät sollte also, wenn überhaupt, nur unter ärztlicher Kontrolle und gegebenenfalls mithilfe eines Ernährungsberaters eingesetzt werden. Wer langfristig und ohne JoJo-Effekt Gewicht verlieren möchte, sollte seine Ernährung besser ausgewogen und gesund gestalten sowie sich regelmäßig bewegen.

Quellen und Studien

  1. Hyun Nam, S. et al. (2011): The role of ketogenic diet in the treatment of refractory status epilepticus.
  2. Nabbout, R. et al. (2010): Efficacy of ketogenic diet in severe refractory status epilepticus initiating fever induced refractory epileptic encephalopathy in school age children (FIRES).
  3. Thakur, K. T. et al. (2014): Ketogenic diet for adults in super-refractory status epilepticus.
  4. Klein, P. et al. (2010): Ketogenic diet treatment in adults with refractory epilepsy.
  5. Olson, C. A. et al. (2014): The Gut Microbiota Mediates the Anti-Seizure Effects of the Ketogenic Diet.
  6. Bahr, L. S. et al. (2018): Die ketogene Diät – was sie kann, wie sie wirkt und wie sie gelingt.
  7. Cooper, P. N. et al. (2013): Ketogenic diet and other dietary treatments for epilepsy.
  8. Hussain, T. A. et al. (2012): Effect of low-calorie versus low-carbohydrate ketogenic diet in type 2 diabetes.
  9. Paoli, A. et al. (2013): Beyond weight loss: a review of the therapeutic uses of very-low-carbohydrate (ketogenic) diets.
  10. Hallberg, S. (2018): "Reversing type 2 diabetes starts with ignoring the guidelines": education from Dr. Sarah Hallberg's TEDx talk.
  11. Yancy, W. S. et al. (2004): A Low-Carbohydrate, Ketogenic Diet versus a Low-Fat Diet To Treat Obesity and Hyperlipidemia: A Randomized, Controlled Trial.
  12. Bueno, N. B. et al. (2013): Systematic Review with Meta-analysis. Very-low-carbohydrate ketogenic diet v. low-fat diet for long-term weight loss: a meta-analysis of randomised controlled trials.
  13. Stafstrom, C. E. & Rho, J. M. (2012): The ketogenic diet as a treatment paradigm for diverse neurological disorders.
  14. Schmidt, M. et al. (2011): Effects of a ketogenic diet on the quality of life in 16 patients with advanced cancer: A pilot trial.
  15. Seyfried, T. N. et al. (2008): Targeting energy metabolism in brain cancer with calorically restricted ketogenic diets.
  16. Allen, B. G. et al. (2014): Ketogenic diets as an adjuvant cancer therapy: History and potential mechanism.
  17. Maisch, P et al. (2018): Wirksamkeit der ketogenen Diät bei urologischen Tumorerkrankungen.

Aktualisiert: 07.02.2019 – Autor: Nadja Weber

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