Probiotika – wie gesund sind probiotische Nahrungsmittel?

Probiotika in Joghurt © Einladung_zum_Essen

Mikroorganismen, die den Darm beschützen, die Abwehrkräfte stärken und vor Krebs bewahren – seit etlichen Jahren ist bekannt, dass es diese gesundheitsfördernden Keime tatsächlich gibt: und zwar in unserem Darm. Sie können auch über die Nahrung zugeführt werden, besonders im Joghurt sollen sie sich tummeln. Doch hält die Werbung, was sie verspricht?

Probiotika für die Darmflora

Der Darm ist das größte Immunsystem des menschlichen Körpers – wer das vor Jahrzehnten behauptete, wurde bestenfalls milde belächelt. Doch mittlerweile ist dieses Wissen in der Medizin etabliert.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Krankheiten, bei denen unser Immunsystem beteiligt ist oder verrückt spielt, oft ihren Ausgang im Darm finden oder – umgekehrt – entsprechende Krankheitsbilder durch Unterstützung der Bakterienflora verbessert werden können.

Was sind Probiotika?

An dieser Stelle setzen Probiotika an: Diese Mikroorganismen sind natürlicher Bestandteil unserer gesunden Darmflora. Zusätzlich können sie in Form von Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmittel in den Darm gelangen, sich dort ansiedeln und die vorhandene Darmflora unterstützen – und auf diesem Weg unser Immunsystem stimulieren, trainieren und stärken.

Wann Lactobazillen und Bifidobakterien wirken

Als besonders hilfreich entpuppt haben sich Lactobazillen (Milchsäurebakterien) und Bifidobakterien – ihre vorbeugenden und heilungsfördernden Wirkungen sind mittlerweile erwiesen, allerdings mit Einschränkungen:

  • Nicht alle Bakterienstämme besitzen entsprechende Wirkungen; die in den Studien nachgewiesenen Wirkungen gelten nur für das getestete Probiotikum (was nicht bedeutet, dass sie nicht auch bei anderen vorhanden sind).
  • Bei der Zufuhr über die Nahrung erreicht nur ein kleiner Teil der gesundheitsfördernden Mikroorganismen den Darm – die anderen werden von der Magen- und Gallensäure zerstört.
  • Bei Lebensmitteln besteht zudem die Gefahr, dass durch unsachgemäße Lagerung oder Transportwege nicht mehr ausreichende Bakterienmenge vorhanden sind – ein Nachteil, den Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke (zum Beispiel in Form von Kapseln) nicht haben.

In welchen Nahrungsmitteln sind Probiotika enthalten?

Probiotika sind in milchsauer vergorenen Lebensmitteln enthalten – und das nicht erst seit es Joghurtdrinks in kleinen Flaschen gibt. Die gesunden Bakterien sind auch zu finden in:

  • Dickmilch
  • Kefir
  • Joghurt
  • Brottrunk
  • Cheddar
  • Apfelessig
  • Sauerkraut
  • Rote Beete
  • Salzgurken

Seit alters her helfen diese Bakterien, Lebensmittel zu konservieren, denn durch die starke Säureproduktion haben andere schädliche Organismen keine Chance mehr.

Am besten täglich Milchprodukte verzehren

Ganz entscheidend ist, dass man probiotische Produkte häufig, also am besten täglich, und regelmäßig zu sich nimmt. Andernfalls können die Bakterien die Darmschleimhaut nicht besiedeln.

Herkömmliche, nicht wärmebehandelte Joghurts und Milchprodukte, die lebende Lactobacillen beziehungsweise Bifidobakterienstämme enthalten, sollen gesundheitsförderlich sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher, täglich fettarme gesäuerte Milchprodukte zu verzehren.

Wirkungen von Probiotika

Unter dem Stichwort "probiotisch", was übersetzt so viel heißt wie "für das Leben", sind die Kühlregale der Lebensmittelhändler inzwischen voll mit unterschiedlichen Produkten, oftmals teurer als herkömmliche Produkte.

Nicht jedem Verbraucher erschließt sich sofort die Bedeutung des Lactobacillus casei Actimel oder eines Lactobacillus casei Golding und Gorbach (LGG). Diese – übrigens nicht gentechnisch veränderten – Milchsäurebakterien haben sich als recht widerstandsfähig gegen Magen- und Gallensäure erwiesen.

Inzwischen gibt es zahlreiche Studien über die Wirkung der Probiotika1–10:

  • Tatsächlich können bestimmte Probiotika wie Trockenhefe (Saccharomyces boulardii) und die Bakterien Lactobacillus rhamnosus GG (zum Beispiel LGG oder Lactobacillus acidophilus) die Dauer und Schwere von Magen-Darm-Infektionen und Durchfallerkrankungen mildern. Sie können sogar vorbeugend gegen Reisedurchfall eingesetzt werden (fünf Tage vor Anbruch der Reise mit der Einnahme beginnen).
  • Andere Bakterien fördern die Verdauung und reduzieren die Anzahl fäulnisbildender Bakterien im Dickdarm. Bei Milchzuckerunverträglichkeit verbessern sie die Verdauung von Laktose.
  • Bei Kleinkindern schützt der Verzehr von Milchsäurebakterien mit probiotischen Eigenschaften vor bestimmten Darminfekten und trägt dazu bei, die bakterielle Fehlbesiedelung nach einer Therapie mit Antibiotika zu normalisieren.
  • Während der Schwangerschaft und des Stillens von der Mutter eingenommene Milchsäurebakterien (beispielsweise LGG®, Symbiolact comp.®) beugen allergischen Reaktionen und speziell einer Neurodermitis beim Kind vor.
  • Probiotika können bei älteren Menschen den Verlust an Knochenmasse verringern.
  • Probiotika scheinen den Verlauf chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) und von Harnwegsinfekten positiv zu beeinflussen.
  • Möglicherweise senken Probiotika das Risiko für Darmkrebs, da sie zellschädigende Enzyme hemmen. Eine japanische Studie hat diese Wirkung für den Keim Lactobacillus casei Shirota gezeigt.

Probiotika: Forscher streiten über gesundheitliche Wirkung

Während einige Wissenschaftler auf eine positive Wirkung von Probiotika pochen, zweifeln andere diese an und ziehen auch mögliche negative Auswirkungen in Betracht. So weist eine Studie11 darauf hin, dass Probiotika die Regeneration der Darmflora nach einer Behandlung mit Antibiotika nicht immer fördern und vielleicht sogar schaden könnten.

Weiterhin wird vermutet, dass Probiotika nicht von allen Menschen gleich gut vertragen werden12. Auch stehen Probiotika im Verdacht, Beschwerden wie einen Blähbauch und Magenschmerzen herbeiführen zu können.

Ein weiterer möglicher Nachteil von Probiotika ist, dass sie einige Krankheiten auch verschlimmern können – betroffen sind möglicherweise manche Autoimmunerkrankungen, wie die Bechterew-Krankheit, oder eine Bauchspeicheldrüsenentzündung.

Solche negativen Effekte von Probiotika werden aktuell noch untersucht.

Quellen und Studien

  1. Htwe, K. et al. (2008): Effect of Saccharomyces boulardii in the treatment of acute watery diarrhea in Myanmar children: a randomized controlled study.
  2. Hickson, M. et al. (2007): Use of probiotic Lactobacillus preparation to prevent diarrhoea associated with antibiotics: randomised double blind placebo controlled trial.
  3. Szajewska, H. et al. (2007): Meta-analysis: Saccharomyces boulardii for treating acute diarrhoea in children.
  4. Szajewska, H. et al. (2007): Meta-analysis: Lactobacillus GG for treating acute diarrhoea in children.
  5. D'Souza, A. L. et al. (2002): Probiotics in prevention of antibiotic associated diarrhoea: meta-analysis.
  6. Blümer, N. et al. (2005): Perinatale maternale Supplementation mit Lactobacillus rhamnosus GG (LGG) vermindert allergische Entzündungsreaktion in den Nachkommen.
  7. Rautava, S. et al. (2002): Probiotics during pregnancy and breast-feeding might confer immunomodulatory protection against atopic disease in the infant.
  8. Passeron, T. et al. (2006): Prebiotics and synbiotics: two promising approaches for the treatment of atopic dermatitis in children above two years.
  9. Lee, S. J. et al. (2007): Probiotics prophylaxis in children with persistent primary vesicoureteral reflux.
  10. Nilsson, A. G. et al. (2018): Lactobacillus reuteri reduces bone loss in older women with low bone mineral density – a randomized, placebo‐controlled, double‐blind, clinical trial.
  11. Suez, J. et al. (2018): Post-antibiotic gut mucosal microbiome reconstitution is impaired by probiotics and improved by autologous FMT.
  12. Zmora, N. et al. (2018): Personalized Gut Mucosal Colonization Resistance to Empiric Probiotics Is Associated with Unique Host and Microbiome Features.

Aktualisiert: 27.06.2019 – Autor: Dagmar Reiche

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