Pilze – Heiler aus dem Wald

Pilze
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"Esst Pilze und ihr lebt länger!", empfiehlt Prof. Jan Lelley, Professor für Pilzkunde an der Universität Bonn. In seinen Büchern stellt er eine ganze Reihe von Pilzen vor, die neben einer Bereicherung des Speisezettels auch erstaunliche Heilwirkungen bei unterschiedlichen Krankheiten entwickeln sollen. Pilze spielen in der Volksmedizin bereits seit jeher eine wichtige Rolle und werden seit Jahrtausenden auch in der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) eingesetzt. Nun interessiert sich auch die Wissenschaft zunehmend für die medizinische Wirkung von Pilzen. Wie gesund Pilzsorten wie Champignons, Austernpilze & Co. sind, erfahren Sie im Folgenden.

Mykotherapie – Pilzmedizin

Inzwischen sind viele Wissenschaftler auf die Möglichkeit der "Pilzmedizin" aufmerksam geworden. Prof. Lelley hat sogar den Begriff der "Mykotherapie" analog der "Phytotherapie" genannten Pflanzenheilkunde geprägt.

Bei den Pilzen mit den stärksten Heilwirkungen handelt es sich teilweise um recht zähe und daher ungenießbare Sorten, die zu Pulver zerrieben werden müssen, um eingenommen zu werden. Andere dagegen, wie der Champignon, der Austernseitling oder der Shiitake, zählen zu den begehrtesten Speisepilzen überhaupt.

Pilze: gesunde Wirkung

Ganz abgesehen von der Heilkraft empfehlen Experten den Verzehr von Steinpilz und Pfifferling, von Maronen, Birkenpilz und Speisetäubling, von Stockschwamm, Perlpilz und Butterpilz aus vielerlei gesundheitlichen Gründen. Pilze sind sehr kalorienarm und sie enthalten andere Kohlenhydrate als Pflanzen: keine Stärke, dafür aber Mannit, eine besonders für Diabetiker geeignete Zuckerart, die ursprünglich in Manna entdeckt wurde.

Pilze regulieren die Verdauung durch ihren Gehalt an Ballaststoffen und sie liefern wertvolle Mineralstoffe und Vitamine. Ihre gesundheitliche Wirkung soll zudem auf verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe zurückzuführen sein.

Darüber hinaus werden bestimmte Pilzsorten spezielle Wirkungen zugeschrieben. So soll zum Beispiel die chinesische Morchel Mu-Err, bei uns Judasohr genannt, das Immunsystem anregen und überhöhte Blutfettwerte normalisieren.

Glänzender Lackporling

Der als Speisepilz ungenießbare, holzig harte Glänzende Lackporling (Reishi-Pilz) gilt in China seit 4.000 Jahren als Elixier für die Unsterblichkeit. Pulver und Extrakte des Lackporlings sollen den Blutdruck senken, das Immunsystem aktivieren, Entzündungen verhindern, gegen die Höhenkrankheit am Berg wirken und gut sein bei Bronchitis, Diabetes und Muskelkrämpfen. Selbst in der Krebstherapie war der Pilz bereits Forschungsgegenstand.

Auch eine antiallergische Wirkung bei Heuschnupfen und bestimmten Lebensmittelallergien wird dem Pilz zugeschrieben, denn er soll die Freisetzung des Botenstoffs Histamin unterdrücken, der für die Allergiesymptome verantwortlich ist.

Austernpilze

Der Austernseitling wird für den Handel gezüchtet, wächst aber auch in Laub- und Mischwäldern und Parkanlagen auf Baumstümpfen und Holzabfällen. Er soll vor allem eine starke cholesterin-senkende Wirkung haben. Extrakte wurden in Japan erfolgreich gegen verschiedene Tumoren angewendet. Und russische Forscher haben aus Austernpilzen ein Antibiotikum namens Pleurotin gewonnen.

Champignon als bekannter Speisepilz

Er ist unser wichtigster und bekanntester Kulturspeisepilz. Weitgehend unbekannt ist aber, dass er dank seines Wirkstoffes Tyrosinase eine blutdrucksenkende Wirkung haben soll. Chinesische Heiler empfehlen jungen Müttern, häufig Champignons zu essen, um die Milchproduktion fürs Baby anzuregen. Schließlich wurden Champignonextrakte in Tierexperimenten auch erfolgreich zur Behandlung von Bindegewebsgeschwulsten (Sarkomen) eingesetzt.

Der Hallimasch

Für Forstleute ein Schädling, der Bäume abtöten kann, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnte er jedoch als Arznei dienen: Der Schmarotzerpilz, den allerdings nicht jeder gut verträgt, enthält eine Reihe von Wirkstoffen, die die Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Organismus fördern können.

Er soll Krankheitskeime wie den Eitererreger Staphylococcus aureus und Auslöser von Hirnhautentzündung bekämpfen. In China werden Hallimasch-Tabletten zur Stärkung von Lunge und Verdauungsorganen hergestellt.

Riesenbovist: Bekannt als Beamtenschnitzel

20 bis 50 Zentimeter hat er im Durchmesser. Und er kann es auf bis zu 20 Kilogramm Gewicht bringen. Jung und weiß gilt er als ergiebiger Speisepilz, aus dem sich Schnitzel braten lassen, was ihm früher den Spitznamen "Beamtenschnitzel" eintrug.

Der Riesenbovist soll mit seinen Inhaltsstoffen gegen Blutarmut, chronische Entzündungen der Verdauungsorgane und bei Blasenentzündung helfen können. Homöopathische Zubereitungen werden gegen Blutungen nach Operationen, vor allem auch bei Nasenbluten, eingesetzt.

Der Schopttintling

Der weiße, fingerförmige Pilz, der gern auf gut gedüngten Weiden wächst, ist ein empfindlicher Geselle. Er lässt sich züchten, aber kaum vermarkten, da er sich bei Wärme innerhalb weniger Tage in eine tintenschwarze Flüssigkeit auflöst.

Als Speisepilz haben ihn Kenner schon mit dem Steinpilz, dem Kaiserling und der Speisemorchel gleichgesetzt. Und als Heilpilz hat er womöglich noch eine Karriere als Diabetiker-Medikament vor sich, weil er den Blutzucker nachhaltig absenken könnte. Man sollte ihn jedoch nie zusammen mit Alkohol genießen.

Shiitake-Pilze

Der Shiitake-Pilz ist der sicherlich heilkräftigste Pilz, dessen unverwechselbarer, fast knoblauchartiger Geschmack jedes Shiitake-Gericht prägt. In Japan wird er zur Normalisierung des Blutdrucks, gegen Magengeschwüre, Gicht, Verstopfung, Neuralgien und als Altersbremse empfohlen. Seine Wirkungen gegen Erkältungskrankheiten sind in wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt worden.

Seine mögliche Schutzwirkung gegen den Grippevirus A (Influenza) wurde in verschiedenen Studien untersucht. Bei Typ 2-Diabetikern könnte er die Insulinproduktion erhöhen. Zudem kann er laut Studienergebnissen die Cholesterinwerte senken und soll darüber hinaus das Tumorwachstum bremsen. Aus dem Pilz und seinem Myzel gewannen Forscher das Tumormedikament Lentinan, das inzwischen in Japan in Kombination mit Chemotherapeutika zur Behandlung von Magenkrebs zugelassen ist.

Doch ob der Shiitake-Pilz gefahrlos als Arznei ausprobiert werden kann, ist umstritten. Denn nach dem Verzehr des Pilzes können in sehr seltenen Fällen starke, wochenlang andauernde Hautausschläge auftreten, die auch als Shiitake-Dermatitis bezeichnet werden. Auch Atembeschwerden und Magen-Darm-Probleme können die Folge sein, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum warnt. Damit schließt es sich einer Warnung des Bundesinstituts für Risikobewertung an, die diese bereits im Jahr 2004 ausgesprochen hat.

Zweisporiger Egerling

Die Wirkung des Zweisporigen Egerling (auch bekannt als Zucht-Champignon oder Portobello) in Bezug auf Brustkrebs untersuchte eine Studie aus Kalifornien aus dem Jahr 2006. Die Forscher fanden heraus, dass das Pilzextrakt in den Stoffwechsel der Aromatase eingreifen kann – ein Enzym, das den Körper dabei unterstützt, Östrogen zu produzieren. Das Östrogen wiederum wird von Brustkrebs benötigt, um zu wachsen.

Heilpilze als Arzneimittel?

Immer mehr positive gesundheitliche Wirkungen von Pilzen werden entdeckt und es gelangen immer mehr Produkte mit Vitalpilzen, Kapseln mit Pilzextrakt oder anderen Produkten aus vermeintlichen Heilpilzen auf den Markt. Bewusst machen sollte man sich jedoch, dass derlei Mittel in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen sind und auch nicht entsprechend beworben werden dürfen.

Viele der vermuteten Wirkungen wurden bislang nur im Labor oder in Tierversuchen nachgewiesen. Auch wenn die Wirkung der Pilze in den letzten Jahren vermehrt untersucht wird, ist der aktuelle Erkenntnisstand noch sehr lückenhaft. Ob die Pilze auf Menschen dieselbe Wirkung haben wie auf Mäuse und ob sie wirklich zur Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten eingesetzt werden können, kann daher noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Daher sollten Pilze keinesfalls eine Therapie ersetzen.

Darüber hinaus kann es bei der Einnahme von Vitalpilz-Produkten auch zu gravierenden Nebenwirkungen können. Denn es zeigte sich, dass einige der vermeintlichen Heilpilz-Produkte mit Schimmelpilzgiften oder Schwermetallen verunreinigt waren. Es ist daher ratsam, vor der Anwendung von Vitalpilz-Produkten Rücksprache mit einem Arzt zu halten.

Während Experten also vor dem Kauf von Vitalstoff-Produkten warnen, ist aus gesundheitlicher Sicht nichts gegen den Verzehr von frischen Speisepilzen einzuwenden.

Aktualisiert: 29.09.2020 - Autor: Arbeitsgemeinschaft Medizin und Rehabilitation; überarbeitet: Silke Hamann

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