Was tun bei Atemnot und Erstickungsgefahr?

Kind mit Atemnot © sykphotoandvideo (Symbolfoto)

Babys und Kleinkinder sind vor allem eines: unheimlich neugierig. Und sie erkunden ihre Welt auch über den Mund. Bei dieser Gelegenheit kann es geschehen, dass die genüsslich gelutschten Kleinteile verschluckt werden und in die Atemwege oder die Speiseröhre gelangen. Am häufigsten handelt es sich dabei um Murmeln, Geldmünzen, Stiftkappen oder Perlen. Wir geben Tipps, wie man dann reagieren kann - insbesondere, wenn Atemnot und Erstickungsgefahr drohen.

Verschluckte Gegenstände

Wenn die Gegenstände nicht zu groß sind (Richtwert: kleiner als ein 20-Cent-Stück bei einem zweijährigen Kind) ist das Verschlucken meist kein Problem. Die Eltern können - sofern sie ein Erinnerungsstück wollen - warten bis der Fremdkörper Magen und Darm passiert hat und den Körper auf natürlichem Weg verlässt. Das dauert etwa eine Woche.

Ernst wird es erst, wenn der verschluckte Gegenstand gefährliche Inhaltsstoffe enthält oder spitz ist. Denn dann können Vergiftungen bzw. Verletzungen die Folge sein. Außerdem stellen größere Gegenstände eine Gefahr dar, denn sie können in der Speiseröhre und auf dem Weg zum Magen stecken bleiben. Würgereiz, Erbrechen und Schmerzen können die Folge sein. Im schlimmsten Fall kommt es zu Verletzungen.

Erstmaßnahmen nach Verschlucken

  • Bringen Sie auch in leichteren Fällen Ihr Kind zum Arzt.
  • Bei größeren Gegenständen kann über eine Röntgenaufnahme geklärt werden, wo sich der Fremdkörper befindet und ob er entfernt werden muss.

Eingeatmete Fremdkörper

Hat Ihr Kind einen Gegenstand verschluckt, der die Atemwege blockiert, ist meist ein heftiger Husten die Folge. Er sorgt in der Regel dafür, dass der Fremdkörper von selbst ausgehustet werden kann. Wenn Ihr Kind ausreichend atmet und hustet, fordern Sie es auf, weiter kräftig zu husten. Wird der Gegenstand hoch gehustet, entfernen Sie ihn aus dem Mund. Atmet das Kind nur schwach, aber regelmäßig, dann bringen Sie es in die stabile Seitenlage und verständigen Sie den Notarzt.

Sorgen Sie in der Zwischenzeit dafür, dass es sich beruhigt und ruhig weiteratmet. Ist Ihr Kind nicht in der Lage zu husten, zu atmen, zu sprechen oder zu schreien, droht Ersticken und Sie sollten sofort eingreifen.

Hinweise auf Erstickungsgefahr:

  • Die Atmung wird schwächer.
  • Die Haut verfärbt sich bläulich.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Bei Säuglingen und Kleinkindern: Legen Sie das Kind auf dem Bauch über Ihren Unterarm oder Oberschenkel (Kopf nach unten). Sorgen Sie bei älteren Kindern dafür, dass sie sich stark nach vorne beugen.
  • Wird allein durch diese Maßnahme kein Hustenreflex ausgelöst: Stützen Sie den Säugling mit einer Hand im Bereich der Schulter, klopfen Sie mit der anderen Hand etwa fünf Mal zwischen die Schulterblätter. Beim Kleinkind legen Sie eine Hand unter das Brustbein und schlagen zwischen die Schulterblätter.
  • Ist durch diese Maßnahme kein Erfolg eingetreten, verständigen Sie umgehend den Notarzt. Bei fehlenden Atemgeräuschen fangen Sie sofort mit der Atemspende an.

Atemnot bei Pseudokrupp

Beim Pseudokrupp handelt es sich um eine meist durch Viren (seltener Bakterien) bedingte Kehlkopfentzündung mit Schleimhautschwellungen unterhalb der Stimmbänder. Oft sind Umweltfaktoren (Luftverschmutzung) und Stress als Auslöser beteiligt. Betroffen sind Kinder zwischen drei Monaten und dem fünften Lebensjahr.

Typische Symptome:

  • plötzlich nachts auftretender, bellender Husten
  • Heiserkeit
  • pfeifende Geräusche beim Einatmen
  • in schweren Fällen: deutliche Atemnot
  • manchmal: bläulich verfärbte Lippen
  • meist kein Fieber.

Erste Hilfe

Wichtig ist es vor allem, das Kind zu beruhigen. Meist hilft es schon, das Fenster zu öffnen und frische, kalte Luft herein zu lassen und nasse Tücher im Zimmer aufzuhängen. Trotz all dieser Maßnahmen kann die Schwellung im Bereich des Kehlkopfes zu bedrohlicher Atemnot führen. Wenn Ihre Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht zu einer Besserung führen, sollten Sie deshalb sofort einen ärztlichen Notdienst (Telefon 112) anrufen.

Aktualisiert: 15.03.2018 – Autor: Ina Mersch

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