Sexualität in den Wechseljahren

Sexualität in den Wechseljahren © istockphoto, Highwaystarz-Photography

Für die Meisten beginnt es schleichend: aus den Liebesnächten der Anfangszeit werden im mittleren Alter durchwachte Nächte mit Kindergeschrei und Zeiten mit zu wenig Schlaf nach viel zu viel Arbeit. Wer von dort aus nach vorne schaut, sieht Haarausfall, Hormonstörungen und nachlassende Leidenschaft vor seinem geistigen Auge vorbeiziehen. Keine schöne Vorstellung – und auch nicht notwendig. Doch Sexualität in den Wechseljahren ist für Männer und Frauen oft noch ein Tabu-Thema. Seit in den sechziger Jahren die Wechseljahre der Frauen als ein eher krankhaftes Geschehen galten, begann die Suche nach einer entsprechenden Therapie.

Die Hormonersatztherapie

Fündig wurden die Forscher bei der Hormonersatztherapie, mit deren Hilfe der natürliche Östrogenmangel ausgeglichen werden sollte. Ziel der Therapie war es, Hitzewallungen und Unwohlsein zu vermindern und das Risiko von Arteriosklerose und damit Herzinfarkt zu verringern. Inzwischen ist die Hormonersatztherapie wegen des nachweislich erhöhten Krebsrisikos heftig unter Beschuss geraten und die betroffenen Frauen müssen sich nach Alternativen umsehen. Ein möglicher Ausweg ist die Behandlung mit so genannten Phytohormonen, also Extrakten, die aus Pflanzen gewonnen werden. Aber diese Therapie ist nicht unumstritten.

Bei Männern heißt es Anti-Aging

Während die Frauen sich mit den neuesten Ergebnissen zur Hormonersatztherapie (HET) herumschlagen müssen, werden die Wechseljahre der Männer mit all ihren Konsequenzen vor allem unter dem Stichwort "Anti-Aging" subsumiert. Hier geht es vor allem um die nachlassende Libido der Männer.

Viagra und Co. sind ein breites Betätigungsfeld für "Männer-Ärzte" geworden, die mit Anti-Aging nicht nur Falten und Haarausfall bekämpfen wollen. Unbestritten ist, dass gesunde Ernährung und Bewegung in allen Lebenslagen Vitalität und Lebensqualität erhöhen. Umgekehrt bieten die unterschiedlichen Aspekte der Wechseljahre auch die Möglichkeit, sich mit seiner Sexualität und der seines Partners ganz anders auseinanderzusetzen.

Auch eine neue Freiheit

Die ausbleibende Regelblutung signalisiert das Ende der Fruchtbarkeit. Wer sich um die Verhütung keine Gedanken mehr machen muss, der kann seine Sexualität aber auch befreiter genießen. Gerade in langjährigen Partnerschaften hat sich zum Zeitpunkt der Wechseljahre ein großes Maß an Vertrautheit miteinander eingestellt. Die Partner kennen einander genau: der beste Startpunkt für eine Neuentdeckung miteinander und eine gute Gelegenheit, alte Gewohnheiten abzustreifen und sich neu zu finden.

Die Orgasmusfähigkeit ist von den Wechseljahren nicht betroffen, auch wenn die Reaktionszeit nach den Wechseljahren etwas zunimmt. Dieses Phänomen betrifft Männer wie Frauen allerdings gleichermaßen. Entscheidend ist, wie sich die Partner selbst wahrnehmen und welches Bild sie von sich selbst pflegen.

Selbstbewusstsein macht sexy

Natürlich machen Abgeschlagenheit, Lustlosigkeit und Hitzewallungen keinen Appetit auf wilden Sex. Aber Berührungen, Zärtlichkeiten und Intimitäten hängen nicht vom Hormonstatus ab. Die Einstellung zur Sexualität ist wesentlich wichtiger als die körperlichen Äußerlichkeiten. In zahlreichen sexualpsychologischen Studien wurden zum Beispiel Männer darüber befragt, wie sie sich ihre Partnerin wünschen. Und über alle Altersgrenzen hinweg gaben Männer an, dass sie selbstbewusste Frauen mit einer positiven Einstellung zu ihrer Sexualität schätzten.

Wichtig: Nähe und Vertrautheit

Gelebte Sexualität als Zeichen der Nähe, Vertrautheit und Zuneigung zueinander ist der Schlüssel für eine lebendige Partnerschaft und einen positiven Zugang zu sich selbst – solange diese Sexualität nicht überbewertet wird. Entscheidend ist, dass sich Männer und Frauen darüber klar werden, was sie wollen. Und deshalb gibt es eben auch Partnerschaften und Menschen, für die Sexualität in und nach den Wechseljahren keine Rolle mehr spielt.

Gespräche mit dem Partner oder einem vertrauten Zuhörer sollten ein Eckpfeiler der "Last oder Lust-Frage" sein. Männer- wie Frauenärzte können helfen, Gespräche in Gang zu bringen oder den Weg zum richtigen Gesprächspartner zu lenken. Inwieweit Medikamente – ob natürlich oder synthetisch – helfen können, muss mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Die Hilfe zur Selbsthilfe geht über den Mund – und nicht durch den Magen.

Aktualisiert: 25.07.2017 – Autor: Suanne Köhler

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