Modell der männlichen Geschlechtsorgane
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Geschlechtsorgane: Funktion bei Mann und Frau

Von: Nathalie Blanck (Ärztin und Medizinautorin)
Letzte Aktualisierung: 07.10.2015 - 16:00 Uhr

Unsere inneren und äußeren Geschlechtsorgane verändern sich durch den Einfluss der Hormone in den unterschiedlichen Lebensphasen und haben verschiedene Aufgaben zu erfüllen. Erfahren Sie, welche Aufgaben das sind, welche Rolle die Hormone dabei spielen und welche Erkrankungen an den Geschlechtsorganen von Männern und Frauen auftreten können.

Geschlechtsorgane bei Mann und Frau

Wir alle haben äußere und innere Geschlechtsorgane, die wir für die geschlechtliche Vereinigung und Fortpflanzung benötigen. Die Geschlechtsorgane produzieren unter Hormoneinfluss die Samen- und Eizellen, bilden Sexualhormone und stellen Sekrete her, um die Fortpflanzung positiv zu beeinflussen. Bei den Geschlechtsorganen unterscheidet man einen inneren und einen äußeren Teil.

  • Zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen zählen Scheide, Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke und Bartholin-Drüsen.
  • Zu den äußeren Geschlechtsorganen bei Frauen zählt der Schamhügel, die Schamlippen, der Kitzler und der Scheideneingang.
  • Zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen zählen Hoden und Nebenhoden, Samenleiter und Samenstrang sowie die Vorsteherdrüse, die Samenbläschen und die Cowper-Drüsen
  • Die äußeren Geschlechtsorgane beim Mann sind Hodensack und Penis.

Die Geschlechtsorgane bilden die primären Geschlechtsmerkmale. Zu den sekundärenMerkmalen zählen die Veränderungen, die sich während der Pubertät entwickeln, wie Bartwuchs und die ausgeprägte Veränderung der Stimmlage beim Mann sowie das Wachstum der Brüste bei der Frau. Als tertiäre Geschlechtsmerkmale werden die Unterschiede des weiblichen und männlichen Körperbaus und der Körpergröße, aber auch die verschiedenen geschlechtstypischen Verhaltensweisen bezeichnet.

Welche Funktion haben die Geschlechtsorgane?

Die Geschlechtsorgane werden sowohl für die geschlechtliche Vereinigung als auch für die Fortpflanzung benötigt. Über die genaue Funktion der Geschlechtsorgane herrschte lange Ungewissheit: Bis ins 17. Jahrhundert gab es einerseits die Theorie, dass sich ein Embryo aus einem weiblichen Ei entwickelt und durch das männliche Sperma nur stimuliert wird, und die andere These, dass sich das Embryo aus dem Samenfaden des Mannes entwickelt und das weibliche Ei nur ein Nahrungsdepot darstellt. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Chromosomen als Überträger der Erbinformationen und die genauen Abläufe des Befruchtung entdeckt.

Funktion der Geschlechtsorgane bei der Frau

In den Eierstöcken sind schon vor der Geburt die Eizellen in einer unfertigen Form vorhanden. Ab der Pubertät reifen monatlich einige Zellen über Zwischenstufen zu wenigstens einer befruchtungsfähigen Eizelle heran, die dann über die Eileiter in die Gebärmutter transportiert wird, wo sie sich im Falle einer Befruchtung einnistet.

Die Gebärmutter besteht aus kräftiger Muskulatur, ist normalerweise pflaumengroß und innen mit einer Schleimhautschicht ausgekleidet. Sie umgibt während einer Schwangerschaft das wachsende Kind, bildet den Mutterkuchen und kann Kürbisgröße erreichen.

Die Gebärmutter ragt mit ihrem Hals in die Scheide hinein – diese ist die Verbindung zwischen inneren und äußeren Geschlechtsorganen. Ihre Drüsen produzieren Sekrete, die eine Ausbreitung von Krankheitskeimen erschweren und beim Geschlechtsverkehr zur Gleitfähigkeit der Geschlechtsorgane beitragen.

Das äußere weibliche Genitale spielt mit seinen erogenen Zonen, der Klitoris und seinen Drüsen eine wichtige Rolle bei der sexuellen Stimulation, die auf eine geschlechtliche Vereinigung hinzielt.

Funktion der Geschlechtsorgane beim Mann

In den Hoden und ihnen aufgelagerten Nebenhoden finden die Entwicklung, Reifung und Speicherung der Samenzellen (Spermien) statt. Während eines Samenergusses (einer Ejakulation) werden die Spermien über den muskulären Samenleiter in die Harnröhre geschleudert.

Kurz vor der Mündung des Samenleiters in die Harnröhre wird den Samenzellen ein Sekret aus Prostata (Vorsteherdrüse), Samenbläschen und Cowper-Drüsen hinzugefügt, das die Beweglichkeit der Spermien verbessert und ihnen einen gewissen Schutz vor dem Scheidensekret bietet. Diese Samenflüssigkeit, das Sperma, wird während eines Samenergusses abgegeben und kann bis zu 500 Millionen Spermien enthalten.

Bei sexueller Erregung füllen sich die Schwellkörper des Penis mit Blut, so dass eine Erektion eintritt. Meist findet ein Samenerguss als Höhepunkt sexueller Erregung statt, dabei wird das Sperma durch unwillkürliche Kontraktionen der Muskeln von Samenleiter, Harnröhre und des Penis aus dem männlichen Körper transportiert.

Welche Rolle spielen Hormone an den Geschlechtsorganen?

Um zu funktionieren benötigen die Geschlechtsorgane Hormone, daneben produzieren sie selbst wichtige Sexualhormone, die z.B. für die Ausbildung von sekundären Geschlechtsmerkmalen oder eine Schwangerschaft essenziell sind.

Rolle der Hormone bei der Frau

Mit Beginn der Pubertät beeinflussen die Hormone aus Hypothalamus und Hypophyse, zwei wichtigen übergeordneten Zentren im Gehirn, die Eierstöcke, so dass dort verschiedene Hormone – und zwar Östrogene und Progesteron - gebildet werden.

Die Östrogene fördern die Brustentwicklung, führen zur Reifung der Eizellen, spielen eine wichtige Rolle im Menstruationszyklus und auch in der Schwangerschaft. Daneben haben sie aber auch Einfluss auf andere Organe im Körper: Sie beeinflussen den Knochenaufbau – darum sind Frauen nach den Wechseljahren so anfällig für Osteoporose -, bauen Körpermasse auf und wirken auf Verhalten und Stimmung.

Progesteron ist besonders in der Schwangerschaft von Bedeutung, da es unterstützend auf die Gebärmutter und den Embryo wirkt.

Rolle der Hormone beim Mann

Die Hormone aus Hypothalamus und Hypophyse führen beim Mann ab der Pubertät zur vermehrten Bildung von Androgenen , den männlichen Sexualhormonen, von denen Testosteron das wichtigste ist. Es ist für das Wachstum von Hoden und Penis verantwortlich und für die Spermienreifung; am Körper beeinflusst es Bartwuchs und Stimmbruch, den Aufbau von Körpermasse und männlichem Erscheinungsbild und führt zu den männlichen Verhaltensmustern - ein Zuviel an Testosteron kann aggressiv machen.

Wie verändern sich die Geschlechtsorgane im Lauf des Lebens?

Zwar werden die Geschlechtsorgane schon während der Embryonalentwicklung angelegt und selbst die Keimzellen, also die Ei- und Samenzellen, sind als Vorstufen beim Ungeborenen schon vorhanden. Die eigentliche Aufnahme ihrer Tätigkeit erfolgt jedoch erst in der Pubertät und reicht bei der Frau bis in die Wechseljahre, in denen die Eierstöcke langsam ihre Hormonproduktion einstellen und keine monatliche Blutung mehr auslösen.

Beim Mann ist die Konzentration an Testosteron und damit die Zeugungsfähigkeit bis ins hohe Alter konstant. Eine geschlechtliche Vereinigung ist bis ins hohe Alter möglich - allerdings verändern sich die äußeren Geschlechtsorgane dahingehend, dass die Scheidendrüsen weniger Scheidensekret produzieren und beim Mann seltener eine Erektion auftritt. Beide Sexualpartner benötigen außerdem meist eine längere sexuelle Stimulation, um in Stimmung zu kommen.

Welche Erkrankungen gibt es an den Geschlechtsorganen?

Zu den häufigsten Krankheiten der Geschlechtsorgane zählen die Geschlechtskrankheiten der Brustkrebs als die häufigste Krebserkrankung der Frau und die gutartige Prostatavergrößerung beim Mann. Außerdem treten bei der Frau häufig Scheideninfektionen, Myome oder Menstruationsanomalien auf.

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Stigmatisierung von Geschlechtskrankheiten

Erkrankungen an den Geschlechtsorganen werden von Betroffenen trotz vieler Aufklärungskampagnen häufig immer noch mit dem Stigma "etwas Anstößiges zu haben" versehen, gelten als Tabuthema und werden dann aus falsch verstandener Scham erst spät einer Behandlung zugeführt, was bei ansteckenden Infektionskrankheiten zu einer weiteren Verbreitung der Erreger und bei Krebserkrankungen zu schlechteren Heilungschancen führen kann.

Kinderlosigkeit

Daneben bleiben in den Industriestaaten inzwischen bis zu 20 % aller Partnerschaften kinderlos, wobei die Ursachen zu ca. jeweils 30 % beim Mann, bei der Frau oder bei beiden Partnern zu suchen sind. Als unfruchtbar gilt ein Paar, wenn trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr über einen Zeitraum von einem bis zwei Jahren keine Schwangerschaft eintritt.