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Mutismus: Therapie und Folgen

Die gesamte sprachliche, kognitive, soziale und emotionale Entwicklung ist vom mutistischen Verhalten betroffen. Dies hat Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung, die Ich-Identität und das Selbstbewusstsein. Der Betroffene hat Schwierigkeiten in der Schule, der Ausbildung oder im Beruf und wird teils von anderen Leuten gemieden.

Therapie bei Mutismus

Der Mutismus bedarf einer multifaktoriellen Therapie, die mehrere Aspekte berücksichtigt. Experten auf diesem Gebiet gibt es kaum. Die Therapie erfolgt meist sprach-, psycho- und familientherapeutisch und/oder psychiatrisch. Bei mutistischen Jugendlichen und Erwachsenen kann eine zusätzliche pharmakologische Behandlung mit Antidepressiva angezeigt sein.

Fachleute sagen, dass die Erfolgschancen umso größer sind, je früher man eingreift. Ansonsten kann sich das Störungsbild stärker manifestieren, sich über Jahre halten und bis ins Erwachsenenalter hineinziehen. Eltern, die bemerken, dass ihr Kind Kommunikationsprobleme hat, sollten daher den Weg in die Praxis eines erfahrenen Kinder- und Jugendarztes nicht scheuen.

Anzeichen von Mutismus bei Kindern

Bei folgenden Anzeichen des Kindes sollten Eltern wachsam sein:

  • Das Kind spricht in bestimmten Situationen nicht, zu Hause und mit vertrauten Personen spricht es aber.
  • Zu Hause ist das Kind sehr ausdrucksfreudig, kommunikativ und redet teilweise extrem viel (Nachholbedarf).
  • Das Kind hat Schwierigkeiten, von sich aus Interaktionen zu beginnen (z. B. Begrüßung, Abschied, Dank, Fragen).
  • In der Schule wird das ausgeprägte Schweigen oft mit guten schriftlichen Leistungen kompensiert.
  • Das Kind scheint die es umgebende Welt im Vergleich zu den Altersgenossen sorgfältiger zu beobachten und wahrzunehmen, es hat aber oft Schwierigkeiten, die eigenen Gefühle auszudrücken.

Was können Eltern tun?

Besteht das Schweigen anhaltend länger als vier Wochen, sollte eine sprachtherapeutische Untersuchung des Kindes veranlasst werden. Dazu ist eine Heilmittelverordnung über Sprachtherapie nötig, die von Kinderarzt oder HNO-Arzt ausgestellt wird. Selektiver Mutismus fällt unter die Sprachentwicklungsverzögerungen; dies muss auf der Verordnung angegeben sein.

Die Therapie wird von den Krankenkassen bezahlt und von Sprachtherapeuten (Logopäden, Sprachbehindertenpädagogen oder Atem-, Sprech- und Stimmlehrern) durchgeführt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern, Erziehern/Lehrern und evtl. Psychotherapeuten ist zu empfehlen.

Was sollten Eltern von Mutisten beachten?

  • Das Schweigen nicht persönlich nehmen!
  • Das Nicht-Sprechen als aktives Handeln erkennen, das – irgendwann einmal – seinen Zweck für das Kind/den Jugendlichen erfüllt hat.
  • Das Schweigen kann von den Betroffenen nicht bewusst unterlassen werden, da es über Jahre hinweg entwickelt und aufrechterhalten wurde.
  • Nicht ständig zum Sprechen auffordern oder gar drängen. Jede Aufforderung zum Sprechen erhöht den Druck auf das Kind und die Angst vor dem nächsten Sprechanlass.
  • Stellen Sie das Kind nicht in den Mittelpunkt, behandeln sie es ganz normal.
  • Grenzen Sie das Kind nicht aus.
  • Die letztendliche Entscheidung, ob und wann das Schweigen aufgegeben wird, trifft der Betroffene selbst! Die Aufgabe der Eltern und des Umfelds besteht darin, zu begleiten, die Kompetenzen zu fördern, sich in Geduld zu üben und verstehen zu lernen.

Aktualisiert: 31.05.2012 – Autor: pgk

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