Phimose – wenn die Vorhaut zu eng ist

Mann mit Phimose © istockphoto, SIphotography (Symbolfoto)

Phimose ist der Fachbegriff für eine Verengung der Vorhaut am Penis, die sich dadurch nicht über die Eichel zurückschieben lässt. Bei Babys und Kleinkindern ist eine Phimose ein ganz normaler Zustand – meist löst sich die Vorhaut im Kindergartenalter von alleine. Auch bei Erwachsenen kann eine solche Vorhautverengung entstehen. Ursache ist dann meist eine Vernarbung infolge von Entzündungen oder Verletzungen des Penis.

Bei Kindern kann eine Phimose oftmals durch eine Salbe und vorsichtiges Dehnen der Vorhaut behandelt werden. Eine Beschneidung durch eine Operation ist meist erst notwendig, wenn Komplikationen wie wiederkehrende Entzündungen auftreten. 

Was ist eine Phimose? 

Eine Phimose bezeichnet eine Vorhautverengung, durch die sich die Vorhaut nicht (absolute Phimose) oder nur unvollständig beziehungsweise erschwert (relative Phimose) über die Eichel zurückziehen lässt. 

95 Prozent aller männlichen Neugeborenen kommen mit einer Phimose zur Welt, die sich in den meisten Fällen bis zum Schulalter auswächst. Bis zum Alter von drei bis fünf Jahren wird eine Phimose als physiologisch (nicht krankhaft) angesehen. 

Phimose bei Kindern häufig

Eine Phimose kommt bei Kindern häufig vor: Im sechsten Lebensjahr haben acht Prozent der Kinder eine Vorhautverengung, mit 16 Jahren ist noch ein Prozent der Jugendlichen betroffen. 

Warum sich bei manchen Kindern die angeborene Vorhautverengung nicht oder erst verspätet löst, ist nicht bekannt. 

Lichen sclerosus als Ursache

Tritt eine Phimose erstmals im Schulalter auf, kann unter Umständen ein sogenannter Lichen sclerosus die Ursache sein. Diese chronisch-entzündlichen Hauterkrankung kann unter anderem den Genitalbereich befallen und bei Jungen und Männern zu einer Verhornung und Verhärtung der Vorhaut führen. 

Weitere Anzeichen eines Lichen sclerosus sind weißliche, harte Hauterhebungen, die an Rücken, Hals und Genitalien auftreten. Die Erkrankung kann meist durch eine Salbe mit Cortison behandelt werden. 

Narben als Ursache bei Erwachsenen

Eine neu aufgetretene Phimose im Erwachsenenalter ist häufig auf Vernarbungen der Vorhaut zurückzuführen, die durch wiederkehrende Entzündungen des Penis entstehen können. Auch durch Verletzungen der Vorhaut – etwa durch gewaltsames Zurückziehen – können Narben entstehen. Daher sollte eine Dehnung der Vorhaut immer nur sehr vorsichtig durchgeführt werden.

Erwachsene mit einer Phimose sollten zudem auf Diabetes mellitus untersucht werden, denn Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für Infektionen – insbesondere im Genitalbereich – wodurch eine Phimose begünstigt wird. 

Anzeichen einer Phimose

Hauptsymptom einer Phimose ist eine nicht oder schwierig zurückschiebbare Vorhaut. Bei einer absoluten Phimose sind die Eichel und gegebenenfalls die Harnröhrenöffnung dann nicht sichtbar. 

Bei Jugendlichen und erwachsenen Männern kann es dadurch unter Umständen zu Schmerzen bei der Erektion, beim Geschlechtsverkehr oder bei der Selbstbefriedigung kommen. 

Komplikationen: Entzündungen und Harnverhalt

Eine Phimose kann zu Problemen beim Wasserlassen führen, wenn der Urin aufgrund der verengten Vorhaut nicht richtig abfließen kann: Anzeichen sind beispielsweise ein dünner oder abgelenkter Urinstrahl sowie eine "aufgeblähte" Vorhaut, unter der sich der Urin sammelt. Im Extremfall ist kein oder nur tröpfchenweises Wasserlassen möglich – bei einem solchen akuten Harnverhalt ist dann in der Regel eine Operation notwendig. 

Durch die Einschränkung des Harnabflusses kann eine Phimose Harnwegsinfektionen wie eine Blasenentzündung begünstigen. Zudem erschwert eine Phimose die Intimhygiene: Unter der Vorhaut kann sich eine Mischung aus Drüsensekret und abgestorbenen Hautzellen (sogenanntes Smegma) ansammeln, was einen idealen Nährboden für Bakterien bildet. So kann es leicht zu einer Entzündung von Eichel und Vorhaut kommen (Balanoposthitis).

Phimose behandeln

Wenn keine Beschwerden oder Komplikationen auftreten, muss eine Phimose bei Kleinkindern nicht behandelt werden: Bei einem problemlosen Verlauf kann mit einer Behandlung sogar bis zum Grundschulalter gewartet werden. 

Spätestens im Alter von sieben bis acht Jahren ist der Beginn einer Therapie jedoch empfehlenswert, da bis zu diesem Alter eine nicht-operative (konservative) Behandlung eher erfolgreich ist, als bei älteren Kindern. Zudem ist es sinnvoll, eine Phimose vor Eintritt in die Pubertät zu behandeln, da eine verengte Vorhaut mit Beginn der Sexualität zu Beschwerden führen kann. 

Behandlung durch Salbe und Dehnung

Bei einem Kind mit unkompliziertem Verlauf der Phimose kann in der Regel zunächst eine konservative Behandlung versucht werden. Hierbei wird über vier bis acht Wochen zweimal täglich eine Salbe oder Creme mit cortison-ähnlichen Wirkstoffen wie Betamethason auf den Vorhautring aufgetragen. 

Nach zwei Wochen können die Eltern beginnen, die Vorhaut vorsichtig zu dehnen und versuchen, sie zurückzuschieben. Vermeiden Sie bei der Dehntherapie jedoch auf jeden Fall ein gewaltsames Zurückziehen, da es dadurch zu Einrissen der Vorhaut oder im schlimmsten Fall zu einer Abschnürung der Eichel durch die verengte Vorhaut (Paraphimose) kommen kann.

Phimose: OP in manchen Fällen unumgänglich

Führt die konservative Behandlung nicht zum Erfolg oder treten Komplikationen auf, wird meist eine Operation notwendig. In der Regel sollte eine Phimose in folgenden Fällen operiert werden:

  • Wiederkehrende Harnwegsinfektionen oder Entzündungen des Penis
  • Fehlbildungen der Harnwege mit erhöhtem Risiko für Harnwegsinfektionen
  • Behinderung des Wasserlassens mit "Aufblähen" der Vorhaut
  • Lichen sclerosus
  • Vernarbungen an Eichel und Vorhaut
  • Paraphimose

Ein bestimmtes Alter, ab wann man eine Phimose operieren sollte, gibt es nicht. Die Entscheidung für oder gegen eine Operation wird individuell je nach Beschwerden und Krankheitsbild getroffen. Erwachsene mit einer Phimose werden jedoch in aller Regel durch eine Operation behandelt, da bei ihnen meist Narben oder ein Lichen sclerosus die Ursache sind. 

Operation: Beschneidung oder Vorhautplastik

Bei der Operation einer Phimose stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl: Am häufigsten wird eine Beschneidung (Zirkumzision) durchgeführt, bei der die Vorhaut entweder vollständig oder teilweise entfernt wird. Werden Teile der Vorhaut erhalten, kann unter Umständen erneut eine Phimose auftreten (Rezidiv).

Eine andere Möglichkeit mit Erhaltung der Vorhaut ist eine sogenannte Vorhautplastik: Dabei wird die Vorhaut mehrfach längs eingeschnitten und erweitert vernäht. Hier besteht jedoch das erhöhte Risiko eines Rezidivs durch Narbenbildung. Die Eingriffe werden in der Regel bei Kindern in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt – bei einem erwachsenen Mann ist auch eine Operation in lokaler Betäubung möglich. 

Notfall Paraphimose

Eine Paraphimose ("Spanischer Kragen") bezeichnet die Abschnürung beziehungsweise Einklemmung der Eichel bei einer Phimose. Ursache ist meist das gewaltsame Zurückziehen der Vorhaut, die sich durch die Verengung nicht wieder nach vorne schieben lässt. Es bildet sich ein Schnürring, der den Blutabfluss behindert. Dies äußert sich dann durch eine geschwollene, bläulich-rote Penisspitze und starke Schmerzen. 

Eine Paraphimose ist ein Notfall, der umgehend von einem Urologen behandelt werden muss, da ansonsten Gewebeschäden entstehen können. Der Urologe wird dann versuchen, die Paraphimose per Hand zu beheben – bei starken Schmerzen kann hierfür gegebenenfalls eine Narkose bei Betroffenen eingesetzt werden. Lässt sich die Paraphimose so nicht lösen, wird meist ein kleiner Einschnitt der Vorhaut durchgeführt. 

Aktualisiert: 21.10.2016 – Autor: Jana Wittkowski

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