Heultage und Babyblues - Depression statt Mutterglück

Für die betroffenen Frauen ist die eigene Reaktion meist völlig unverständlich: Statt Mutterglück empfinden sie nach der Entbindung innere Leere und tiefe Traurigkeit, Verzweiflung, Versagensängste und selbst Panikattacken.
Schon Hippokrates, der Urvater der westlichen Medizin, hat "Wochen- oder Kindbettdepressionen" beschrieben. Hoffnungslosigkeit und Schuldgefühle können bei einer postpartalen Depression (PPS) in einen Teufelskreis aus Zwangsvorstellungen und Suizidgedanken führen.

Postpartale Krankheitsbilder

Die Gemütszustände von Frauen nach der Geburt eines Kindes sind grob in drei verschiedene Kategorien zu gliedern:

  1. Das postpartale Stimmungstief (Baby-Blues),
  2. die postpartale Depression und
  3. die postpartale Psychose (Wochenbettpsychose).

Diese stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern gehen oft fließend ineinander über, sodass sich zum Beispiel aus dem Baby-Blues eine Depression entwickeln kann. Ein Baby-Blues ist meist kurzlebig und tritt in den ersten Tagen nach der Entbindung bei 50-80% aller Mütter auf. Die Anzeichen sind: Traurigkeit, häufiges Weinen, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit und Erschöpfung, Ängstlichkeit und Reizbarkeit.

Da es sich beim Baby-Blues um eine zeitlich begrenzte Erscheinung handelt, gilt er als relativ harmlos. Es wäre jedoch falsch, ihm keine weitere Beachtung zu schenken. Wenn die Traurigkeit mehr als zwei Wochen anhält, kann sich daraus eine dauerhafte Depression entwickeln. Von ihr sind etwa 10-20% aller Mütter betroffen.

Symptome

Die postpartale Depression kann jederzeit im ersten Jahr nach der Geburt des Kindes auftreten. Dabei sind graduelle Abstufungen von leicht bis schwer zu unterscheiden und typisch ist eine schleichende Entwicklung. Neben den Anzeichen des Baby-Blues kommt es bei der postpartalen Depression zu allgemeinem Desinteresse, Konzentrations-, Appetit- und Schlafstörungen sowie ambivalenten Gefühlen dem Kind gegenüber, die sogar mit Suizidgedanken einhergehen können.

Eine postpartale Psychose entsteht vorwiegend in den ersten Wochen nach der Entbindung und kann sich aufgrund einer Depression entwickeln. Sie gilt als die schwerste Form einer nachgeburtlichen Krise und kommt bei einer bis drei von tausend Müttern vor.

Die Bandbreite des Krankheitsbildes schwankt zwischen Euphorie und motorischer Unruhe über Antriebsschwäche bis hin zur völligen Teilnahmslosigkeit. Halluzinationen und Wahnvorstellungen bedeuten Gefahr für Mutter und Kind. Sie können religiöser Natur sein.

Postpartale Ängste als eigenständiges Krankheitsbild

Angststörungen sind nicht zwangsläufig mit Depressionen verschwistert. Die Angstsymptome treten gewöhnlich in denn ersten zwei bis drei Wochen nach der Geburt auf und werden erst nach Ablauf einiger Wochen offensichtlich. Typisch sind Ängste und Sorgen in Bezug auf das Wohlergehen des Babys (ich kann mein Kind nicht lieben, ich bin keine gute Mutter). Postpartale Anfälle extremer Angst mit zwanghaft wiederkehrenden Angstgedanken, -vorstellungen und -bildern werden als schwere Formen der postpartalen Angstreaktionen bezeichnet.

Aktualisiert: 18.05.2012 - Autor: Berufsverband der Frauenärzte e. V.

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