Heultage und Babyblues - Ursachen und Therapie

Hormonelle Veränderungen und andere Ursachen

Nach der Geburt geraten aufgrund hormoneller Veränderungen bis zu 50-80% der Mütter in ein kurzzeitiges Stimmungstief. Der rapide Abfall der Hormone Östrogen und Progesteron führt zu Veränderungen des seelischen Gleichgewichts. Bei postpartal erkrankten Müttern kann die Überprüfung des Hormonstatus die Ursache aufzeigen. Der Hormontest kann sich über einen ganzen Tag erstrecken, um die sensibelsten Hormonschwankungen feststellen zu können. Eventuell wird eine Substitution in Erwägung gezogen.

Heultage und Babyblues: Risikogruppen

Von dem Risiko einer Depression sind vor allem Frauen betroffen, die schon vor der Schwangerschaft unter psychischen Problemen litten, die Schwangerschaft leugneten oder verdrängten und sich mit einer eventuell ungewollten Schwangerschaft auseinandersetzen mussten. Schockerlebnisse, extreme Unsicherheit, Partnerschaftsprobleme (ledige Mütter, die vom Kindsvater verlassen werden) oder die Überforderung mit der neuen sozialen Rolle der Mutter fallen ebenso ins Gewicht.

Früherkennung postpartaler Erkrankungen

Die Früherkennung ist entscheidend, um eine wirksame Behandlung einzuleiten. Es kommt immer wieder vor, dass nach der Geburt Selbstmordgedanken auftreten, wobei auch das Kind zum Opfer werden kann (so genannter erweiterter Suizid). Mütter äußern ihre quälenden Gefühle nach der Geburt häufig nicht spontan und direkt. Sie teilen sich der Umwelt und der Familie meistens nur indirekt mit und stoßen dabei auf Unverständnis, was die Situation verschlimmert. Darum sollten Ehepartner und Angehörige hellhörig werden und auf extreme Stimmungsschwankungen achten.

Hier muss der behandelnde Frauenarzt zu Rate gezogen werden, um dem Risiko einer postpartalen Depression zu begegnen. Schließlich handelt es sich nicht nur um einen vorübergehenden Baby-Blues, sondern um eine gefährliche Erkrankung.

Wege aus der Depression

Je nach Schwere der seelischen Erkrankung sind oft Medikamente unverzichtbar. Es gibt mittlerweile solche, die sogar mit dem Stillwunsch vereinbar sind. Antidepressiva machen im Gegensatz zu Beruhigungs- und Schlafmitteln nicht abhängig.

Ob eine Verhaltens-, Gesprächs-, Familien- oder Systemtherapie als begleitende Maßnahme erforderlich ist, entscheiden Frauenärztin/Frauenarzt mit der Patientin bzw. den Angehörigen. Manchmal muss auch ein Klinikaufenthalt in Erwägung gezogen werden.

Die betroffenen Mütter brauchen Zuwendung, geduldiges Zuhören, Verständnis und Geborgenheit. Vielfach hilft die Beantragung finanzieller Unterstützung dabei, den Alltagssorgen wirksam zu begegnen. Auch kann eine ärztlich verordnete Haushaltshilfe in Anspruch genommen werden. Beratung in Ernährungsfragen, Ermunterung zu körperlicher Bewegung in frischer Luft, der Besuch einer Selbsthilfegruppe und das Bewusstsein, sich auch als Mutter Freiräume schaffen zu dürfen, sind Grundlage des Beratungsgespräches.

Die Ärztinnen und Ärzte des Berufsverbandes der Frauenärzte betonen, dass die Prognose der meisten seelischen Erkrankungen nach der Geburt bei entsprechender Behandlung gut ist. Sie stehen den betroffenen Frauen mit Rat und Tat zur Seite.

Aktualisiert: 23.10.2017 - Autor: Berufsverband der Frauenärzte e. V.

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