Entbindung im Geburtshaus

Frau und Baby nach Geburt im Geburtshaus © istockphoto, LiudmylaSupynska

Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist die Hebamme die am besten geeignete Fachperson für die Betreuung einer normalen Schwangerschaft und Geburt. Im Kreißsaal des Krankenhauses kann eine Eins-zu-eins-Betreuung durch eine Hebamme jedoch nur selten gewährleistet werden. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Frauen, in einem Geburtshaus zu entbinden. Der Charme des Geburtshauses liegt vor allem in seiner intimen, familiären und individuellen Ausstattung, die die Frauen völlig und rückhaltlos für sich beanspruchen können. Was sollten Schwangere über die Geburt im Geburtshaus wissen?

Was ist ein Geburtshaus?

Frauen, denen eine Klinik zu steril ist, die aber dennoch keine Hausgeburt möchten, finden im Geburtshaus meist einen guten Kompromiss. Geburtshäuser und -praxen werden meist von mehreren Hebammen geführt, manchmal gehören auch Ärzte zum Team. Im günstigsten Fall befinden sie sich in Kliniknähe, sodass auf medizinische Technik weitgehend verzichtet werden kann. Die wohnlich eingerichteten Geburtszimmer sind mit Überwachungsgeräten (CTG) und einem Notfallset (Sauerstoff) für das Baby ausgestattet.

In vielen Fällen betreut die Hebamme die Schwangere von Beginn der Schwangerschaft an. Sie kann die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen ebenso durchführen wie ein Gynäkologe. Zudem werden im Geburtshaus meist auch Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildungskurse angeboten.

Was ist bei der Planung zu beachten?

Wer sich für die Geburt in einem Geburtshaus entscheidet, der sollte sich spätestens zwei Monate vor dem Entbindungstermin mit dem Geburtshaus seiner Wahl in Verbindung setzen. So bleibt noch genug Zeit, dass sich Eltern und Hebamme kennen lernen, um die Geburt zu dem Erlebnis zu machen, das sich die Eltern wünschen. Aufgrund der begrenzten Kapazitäten vieler Geburtshäuser kann es aber ratsam sein, bereits früher Kontakt aufzunehmen.

In der Regel erfolgt zwischen der 32. und 34. Schwangerschaftswoche (SSW) ein ausführliches Aufklärungsgespräch, bei dem ermittelt wird, wie die Schwangerschaft bisher verlaufen ist und ob die Schwangerschaft bislang komplikationsfrei verlaufen ist – also ob ein Geburtshaus im individuellen Fall der richtige Geburtsort ist. Denn Voraussetzung für eine Entbindung im Geburtshaus ist, dass bei der Geburt keine Komplikationen zu erwarten sind.

Für wen ist ein Geburtshaus geeignet?

Ein Geburtshaus ist für alle Frauen geeignet, bei denen aus medizinischer Sicht nichts dagegenspricht, das Baby in einem Geburtshaus – also meist ohne Anwesenheit eines Arztes – zur Welt zu bringen.

Nicht geeignet ist ein Geburtshaus bei Risikoschwangerschaften, etwa bei:

  • Mehrlingsgeburten
  • Querlage oder Beckenendlage
  • einem vorausgegangenen Kaiserschnitt
  • Komplikationen bei einer vorherigen Geburt
  • Erkrankungen wie Schwangerschaftsdiabetes, Präeklampsie oder Bluthochdruck
  • Fehllage der Plazenta
  • vorzeitiger Wehentätigkeit
  • Schwangerschaften ab dem vierten Kind (Vielgebärende)
  • gesundheitlichen Problemen des Kindes

Die selbstbestimmte Geburt

Die Philosophie der Geburtshäuser ist es, den Müttern und Familien eine Geburt im selbst bestimmten Rahmen zu ermöglichen. Das heißt:

  • Wird eine Wassergeburt gewünscht, kann die Entbindung im Wasser vorgenommen werden.
  • Möchte die Mutter lieber auf einem Geburtsstuhl entbinden, wird ihr diese Möglichkeit geboten.
  • Geschwisterkinder können mitgebracht werden, müssen aber von einer Betreuungsperson begleitet werden.
  • Ob und welche Musik zur Entspannung gespielt wird, entscheidet die Gebärende.

Der Charme des Geburtshauses liegt gerade in seiner intimen, individuellen Ausstattung, die man völlig und rückhaltlos für sich beanspruchen kann. Außerdem ist die aktive Einbeziehung des Geburtspartners – es können auch mehrere sein – ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Geburtshauses. Die Kompetenz der Hebammen und deren ganzheitliche Betreuung, gepaart mit Emotion und Selbstbewusstsein der Eltern: Das ist die Essenz des Geburtshauses.

Natürliche Schmerzlinderung

Während der Geburt werden verschiedene Möglichkeiten zur Schmerzlinderung angeboten, die aus Meditation, Atemtechnik, Massagen oder homöopathischen Mitteln bestehen können. Eine Periduralanästhesie (PDA) ist im Geburtshaus allerdings nicht möglich. Wird sie erforderlich, muss die Mutter in eine Klinik verlegt werden.

Viele Hebammen sind der Auffassung, dass natürliche Dammrisse besser heilen als Dammschnitte, die während der Geburt gesetzt werden. In der Regel wird die Hebamme aber ohnehin versuchen, die Verletzung des Dammgewebes ganz zu vermeiden. Dazu wird der Dammbereich mit Haselöl massiert oder mit Kaffeekompressen behandelt.

Rund-um-die-Uhr-Betreuung

Geburtshäuser können immer nur eine begrenzte Anzahl an Geburten annehmen. In der Regel ist eine Hebamme für eine Schwangere da. Um eine Rundum-Betreuung garantieren zu können, wird aber auch in den Geburtshäusern im Bereitschaftsdienst gearbeitet, der entweder 12 oder 24 Stunden dauert. Für eine kompetente Betreuung ist immer gesorgt.

Qualifizierte Untersuchungen, auch vom Bundesverband der Hebammen, weisen nach, dass Entbindungen im Geburtshaus ebenso sicher sind wie in der Klinik. Umgekehrt sind es oft selbstbewusste und offene Frauen und Familien, die sich für eine Entbindung im Geburtshaus entscheiden. Wer ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit hat, wählt meist das Krankenhaus.

Geburtshaus: einfach natürlich entbinden

Es gab Zeiten, da die unterschiedlichen Auffassungen – Krankenhaus hier, Geburtshaus dort – zu fast ideologisch-dogmatischen Auseinandersetzungen führten, die die Frauen bei der Frage "Wie entbinde ich richtig?" gehörig unter Druck setzte.

Inzwischen besteht ein breiter Konsens darüber, dass Frauen selbst und individuell entscheiden sollen, wo und wie sie entbinden möchten. So entbinden Frauen, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, heute im Krankenhaus und diejenigen, die zu viel "Technik" ablehnen, wählen das Geburtshaus oder andere natürliche Alternativen (wie zum Beispiel die Hausgeburt).

Die Geburt in einem Geburtshaus erfolgt ambulant. Das bedeutet: Nach der Geburt erhalten Mutter und Kind Zeit, um sich in Ruhe kennenzulernen. Einige Stunden nach der Geburt dürfen sie dann gemeinsam nach Hause gehen.

Krankenhaus oder Geburtshaus?

Unterschiede zwischen geburtshilflichen Abteilungen in Krankenhäusern und Geburtshäusern gibt es immer noch, auch wenn sich heute viele Krankenhäuser gegenüber selbstbestimmten Methoden der Geburt (zum Beispiel Wassergeburt, Gebärstuhl, verschiedene Gebärstellungen, ambulante Geburt) geöffnet haben und auch alternativen Formen der Schmerzbekämpfung (zum Beispiel Akkupunktur) offen gegenüber stehen.

Ganz eindeutig zuständig sind Kliniken, wenn es sich um eine Risikogeburt handelt. Denn hier kann innerhalb von Minuten ein Kaiserschnitt gemacht werden, was im Geburtshaus nicht möglich ist. Meistens haben große Krankenhäuser auch eine Neugeborenen-Intensivstation, sodass das Baby notfalls schnell verlegt werden kann.

Geburtshäuser nehmen dagegen Risikoschwangerschaften wie Mehrlingsgeburten, Beckenendlagen oder Schwangerschaften mit einem komplizierten Verlauf gar nicht erst zur Entbindung an. Komplikationen während der Geburt sind daher in der Regel in Geburtshäusern selten. Treten sie dennoch auf, wird die Mutter zur Notfallversorgung sofort ins nächste Krankenhaus gebracht. In der Regel begleitet die Hebamme die Mutter auch auf diesem Weg – die medizinische Versorgung liegt dann aber in der Verantwortung der Klinik.

Kostenübernahme bei Entbindung im Geburtshaus

Die Krankenkassen übernehmen üblicherweise die Kosten der Entbindung sowie der Betreuung vor und nach der Geburt. In Einzelfällen muss eine Zuzahlung für die Nutzung des Geburtshauses geleistet werden, die zwischen 300 und 600 EUR liegt. Auch bestimmte Zusatzleistungen, wie eine Akupunkturbehandlung, müssen mitunter selbst bezahlt werden.

Einzelheiten dazu sollten ebenso wie medizinische und praktische Fragen mit dem jeweiligen Geburtshaus direkt abgesprochen werden.

Aktualisiert: 14.07.2020 - Autor: Susanne Köhler; überarbeitet: Silke Hamann

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