Allergievorsorge durch Milchsäurebakterien

Mütter, die während ihrer Schwangerschaft und Stillzeit Milchsäure-Bakterien zu sich nehmen, reduzieren das Allergierisiko ihrer Babys beträchtlich. Denn Probiotika helfen effektiv bei der Vermeidung von Allergien. Bei der Geburt ist das Magen-Darm-System eines Neugeborenen noch steril. Die Besiedelung durch Bakterien erfolgt unmittelbar nach der Geburt. Je schneller und nachhaltiger sich hier ein ausgewogenes Gleichgewicht bildet, desto rascher kommt die eigenständige Immunabwehr der Babys in Gang. 

Milchsäurebakterien gehören zu diesen ersten Besiedlern der Darmflora. Die Harmlosigkeit und der günstige Einfluss von Milchsäurebakterien, wie sie in vielen Joghurt- und Milch-Produkten vorkommen oder zugesetzt werden (Bifidus-Milch, Laktobazillen), gilt als erwiesen.

Probiotika gezielt einsetzen

Finnische Wissenschaftler der Universitätsklinik Turku erprobten erstmals, ob es möglich ist, den Einfluss dieser sogenannten Probiotika gezielt zur Vermeidung von Allergien einzusetzen. Da wesentliche Funktionen des Immunsystems im Darm angesiedelt sind, vermuteten die Mediziner, dass eine frühzeitige Behandlung der Darmflora mit Milchsäurebakterien den Ausbruch von Allergieerkrankungen bei Risikokindern verringern könnte. Und dies bereits durch eine präventive Behandlung vor der Geburt.

Allergien werden häufig vererbt

Da Allergien häufig vererbt werden, wählten die Forscher für die Studie Freiwillige aus Hochrisiko-Familien, wo entweder die Mütter oder Verwandte ersten Grades Allergien hatten. Zwischen zwei und vier Wochen vor der Geburt erhielten die schwangeren Frauen täglich zwei Kapseln, die entweder spezielle Milchsäurebakterien enthielten (Lactobacillus GG) oder identisch aussahen, aber ohne Wirkstoff waren (Placebo).

Nach der Geburt erhielten stillende Mütter weiterhin die Kapseln. Kinder, die nicht gestillt wurden, erhielten ihre probiotischen Bakterien in etwas Wasser gelöst per Löffel.

Beide Verabreichungsarten zeigten ähnlich Wirkung: In den Windel-Inhalten der gestillten und nichtgestillten Kinder zählten die Forscher eine ähnlich hohe Anzahl der nützlichen Keime.

Auswertung zeigt langfristige Wirkung

Im Alter von zwei Jahren waren von den 159 Kindern 46 an einem allergischen Hautausschlag erkrankt. Sechs Kinder hatten zusätzlich Asthma, davon eines auch noch allergischen Schnupfen.

Bei der Auswertung fanden sich in der Gruppe der Kinder, die probiotische Keime erhalten hatten, nur halb so viele Erkrankungsfälle wie in der Gruppe, die ein Placebo bekommen hatte.

Nur 23 Prozent der Lactobacillus-Kinder litten an einer Allergie, im Vergleich zu 46 Prozent bei den Placebo-Kindern. Dieser Unterschied blieb auch nach einer weiteren medizinischen Prüfung im Alter von vier Jahren konstant.

Das Allergierisiko sinkt auf weniger als die Hälfte

Eine zweite finnische Studie bestätigte dieses Resultat. Bei Einnahme von Probiotika sinkt das Allergierisiko der Kinder auf weniger als die Hälfte. Der Wirkmechanismus der Milchbakterien beruht auf Verdrängung: Die Forscher nehmen an, dass die rasche Besiedelung des Darms mit günstigen Bakterien negative Einflüsse von schädlichen Darmbakterien verrin gert und damit eine gesunde Entwicklung der Abwehrkräfte fördert. 

Studien:

  • Kalliomäki M et al.: "Probiotics and prevention of atopic disease: 4-year follow-up of a randomised placebo-controlled trial", Lancet; 31.5.2003 (Val. 361).
  • Rautava S et al: "Probiotics during pregnancy and breast-feeding might confer immunomodulatory protection against atopic disease in the infant" J Allergy Clin Immunol. 2002; 109(1): 119-21.

Aktualisiert: 06.02.2017 – Autor: KKH

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