Frühgeburten verhindern – Scheideninfektionen früh erkennen

Schwangere mit Scheideninfektion beim Arzt
© istockphoto, Minerva Studio (Symbolfoto)

Scheideninfektionen sind die häufigste Ursache für Frühgeburten ab der 24. Schwangerschaftswoche. Sie können über den Muttermund und Muttermundhalskanal nach oben in die Fruchtblase wandern und auf Fruchtwasser und Kind übergehen. Meist werden diese Infektionen durch Bakterien, Pilze oder Chlamydien verursacht. Besonders gefährdet sind Frauen, die schon früher Fehlgeburten oder Frühgeburten erlitten haben.

Diagnose Scheideninfektion

Die Diagnose "Scheidenentzündung" trifft Frauen häufig völlig überraschend, denn nicht immer treten warnende Beschwerden und Entzündungserscheinungen auf, wie zum Beispiel Jucken, Brennen oder vermehrter Ausfluss.

Wenn es zu einer Scheideninfektion kommt, ist immer eine Störung des Säure-Basen-Verhältnisses im der Scheide vorausgegangen. In der Regel ist der pH-Wert des Scheidenmilieus so sauer, dass Bakterien und Keime abgeblockt werden. In der Schwangerschaft kann sich der pH-Wert der Scheide allerdings durch die Hormonumstellung verändern und seine Barriere-Funktion dann nicht mehr ausüben. Gewinnen gefährliche Keime in der Scheide die Oberhand, so kann dies durch einen geänderten pH-Wert festgestellt werden.

Scheidenentzündung vorbeugen

Zur Vorbeugung von Scheideninfektionen gibt es eine Reihe von Aspekten zu beachten, hinsichtlich:

  • Hygiene
  • Scheidenzäpfchen
  • Impfung
  • Testhandschuh zur Selbstuntersuchung

Hygiene

Zum einen sollte man beim Toilettengang verstärkt darauf achten, dass prinzipiell nach dem Stuhlgang von vorne nach hinten gesäubert werden muss, um keine Keime in die Scheide einzuschleppen. Sinnvoll kann hier auch die Benutzung nicht reizender Feuchttücher sein. Außerdem sollte nach dem Wasserlassen die Genitalregion vorsichtig trocken getupft werden. Die mit der Hand gut zugänglichen Falten können dann mit einer seifenfreien Lotion gesäubert werden.

Einmalwasch- und -Handtücher sind grundsätzlich besser, denn die häufig benutzten Frottierwaschlappen reizen die Haut mechanisch zu stark und reinigen darüber hinaus schlecht. Außerdem bieten sie Keimen einen idealen Nährboden.

Während der Schwangerschaft kommt es ganz natürlich zu vermehrtem Ausfluss. Man sollte aber auf die Benutzung von Tampons verzichten, weil sie austrocknen und somit auch zu Milieustörungen und Reizungen der Scheidenwände beitragen können. Kleine, saugfähige Einlagen schützen die Wäsche und können dem vermehrt feucht-warmen Milieu Abhilfe schaffen. Zur Normalisierung des Scheidenmilieus empfiehlt sich die völlig ungefährliche und über längere Zeit durchführbare Behandlung der Scheide mit Vitamin-C-Scheidenzäpfchen.

Scheidenzäpfchen

Die Anwendung von in Joghurt getauchten Tampons ist nicht ratsam, weil gegenüber der Anwendung von Vitamin-C-Zäpfchen die Joghurt-Bakterien nur eine vorübergehende Milieuänderung herbeiführen, da sie nach einigen Tagen in der Scheide absterben.

Impfung

Einen innovativen Schutz vor Scheideninfektionen bietet eine Impfung, bei der ein Impfstoff aus inaktivierten Keimen von acht verschiedenen Milchsäurebakterien-Stämmen verabreicht wird. Die inaktiven Keime regen die Bildung von Antikörpern im Scheidensekret an, die die Krankheitserreger bekämpfen. Für einen erfolgreichen 3-Jahresschutz werden 3 Impfungen im Abstand von je zwei Wochen zur Basisimmunisierung durchgeführt. Nach einem Jahr folgt dann eine Auffrischungsimpfung.

Testhandschuh zur Selbstuntersuchung

Da auch bei regelmäßiger und konsequenter Schwangerschaftsvorsorge in der Regel nur ein Mal pro Monat eine Scheidenuntersuchung gemacht wird, lohnt sich die Untersuchung zuhause. Um schwangeren Frauen Untersuchung und Auswertung zu erleichtern, wurde ein Untersuchungshandschuh entwickelt, an dessen Zeigefinger ein Test-Papier befestigt ist. Nach Kontakt mit der Scheidenflüssigkeit zeigt der Teststreifen durch seine Färbung an, ob der pH-Wert normal ist oder sich verändert hat.

Dabei sollte man sich nicht von einer einmaligen Verfärbung irritieren lassen. Ein einmaliger Ausrutscher ist kein Grund zur Besorgnis. Das Testpapier reagiert nämlich auch auf Samenflüssigkeit oder Urin. Liegt das Testergebnis außerhalb des Normbereiches, sollte die Messung einige Stunden später wiederholt werden. Bei anhaltenden Abweichungen muss der Arzt kontaktiert werden. In der Regel reichen 1-2 Messungen pro Woche zuhause. Zusätzlich sollte der Arzt den pH-Wert bei der Vorsorgeuntersuchung kontrollieren.

Kostenübernahme bei Vaginose

Die Kosten für die Untersuchung auf Chlamydien wird von den Krankenkassen übernommen. Ein Kontrollabstrich auf Bakterien dagegen ist Privatsache. Nur bei dringendem Verdacht auf bakterielle Vaginose übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Die Kosten für den biologisch abbaubaren Untersuchungshandschuh aus Polyethylen müssen privat übernommen werden. Sie liegen bei ca. 25 EUR für 25 Stück.

Aktualisiert: 19.02.2020
Autor*in: Susanne Köhler

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