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Syphilis

Kondom zum Schutz vor Syphilis © istockphoto, dima_sidelnikov (Symbolfoto)

Lues venerea - Liebesseuche - ist der fachsprachliche Name für eine der ältesten Geschlechtskrankheiten. Galt sie Mitte der 90er Jahre als fast ausgerottet, steigt die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Jahren weltweit besorgniserregend an. Erreger sind Treponemen, spiralförmige Stäbchenbakterien, die nur am Menschen leben und überwiegend durch direkten Schleimhautkontakt übertragen werden.

Von Mikroben und Menschen

"Lustseuche breitet sich aus", "Lues wieder auf dem Vormarsch", "Syphilis-Ausbruch im Großraum Aachen" - die Berichte in Zeitungen, auf Internetseiten und in den Meldungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeichnen ein düsteres Bild. Eine fast vergessen geglaubte Infektion verbreitet sich wieder. Zwar betrifft der "harte Schanker" eher Homosexuelle bzw. Männer, die mit anderen Männern Sex haben ("MSM"), er kommt aber in einem Viertel der Fälle auch bei Heterosexuellen vor.

Hohe Ansteckungsgefahr

Bedenklich ist, dass die Syphilis leicht zu übertragen ist und so oft als Indikator für einen generellen Anstieg von Geschlechtskrankheiten bzw. ungeschützten Geschlechtsverkehr gedeutet wird. Zudem erhöht sie die Wahrscheinlichkeit, dass gleichzeitig an HIV Erkrankte auch das Aids-Virus übertragen bzw. dass sich Syphiliskranke mit dem Aids-Virus anstecken.

Anders als bei vielen anderen Geschlechtskrankheiten infizieren sich die Patienten zum Großteil in Deutschland. Also nicht das Reisefieber führt zur Ausbreitung, sondern eher ein Ansteigen der Erkrankung in gefährdeten Milieus und von dort ihr Weitertragen in die übrige Bevölkerung. Der Mensch ist das einzige Reservoir - außerhalb ihres menschlichen Wirts haben die Erreger nur kurze Überlebenschancen. Sie werden deshalb fast nur beim Geschlechtsverkehr oder von der Mutter auf das Kind übertragen, seltener ohne sexuellen Kontakt in beengt lebenden Gemeinschaften mit schlechten hygienischen Verhältnissen oder beim gemeinsamen Benutzen von Spritzenbesteck.

Aufklärung, Prävention mit Kondomen, regelmäßige Blutkontrollen bei Gefährdeten und adäquate Therapien sind deshalb essentiell, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Harte Fakten und dunkle Ziffern

Die Weltgesundheitsorganisation ging Ende des letzten Jahrtausends davon aus, dass sich weltweit jedes Jahr etwa 12 Millionen Menschen mit Syphilis infizieren. Da in den vergangenen Jahren in vielen Ländern eine deutliche Zunahme der Neuerkrankungen zu beobachten ist, dürften die derzeitigen Zahlen sogar höher liegen. In Tansania sind derzeit fast 50 % der Todgeburten auf eine Lues-Infektion des Ungeborenen durch die Mutter zurückzuführen!

Die Syphilis ist in Deutschland anonym meldepflichtig. Im Jahr 2004 wurden dem RKI durchschnittlich 4,1 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner mitgeteilt, was einer Steigerungsrate zum Vorjahr von 14 % entspricht. Dazu geht man von einer Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle von etwa 30–40 % aus. Traurige Spitzenreiter sind Großstädte wie Frankfurt und Köln, doch auch in ländlichen Gegenden und Grenzgebieten steigt die Erkrankungshäufigkeit.

Dass die Infektion auch unter Heterosexuellen wieder zunimmt, wird u.a. auf eine Globalisierung der Prostitution zurückgeführt. Besonders drogenabhängige und ausländische (v.a. aus Osteuropa und den Balkanländern) Prostituierte sind eher zu ungeschütztem Verkehr bereit und haben häufig einen schlechteren Zugang zum Gesundheitssystem. Allerdings machen Frauen nur etwa 10 % der Infizierten aus, und werden zum Teil von bisexuellen Männern angesteckt.

Experten äußern die Besorgnis, dass der Abbau von Public-Health-Strukturen in den vergangenen Jahren zu einem starken Anstieg der Infektionsrisiken führt. Vielerorts sind Personen aus Hochrisikogruppen nicht mehr oder nur sehr schwer erreichbar – es wird nur noch passive Hilfe angeboten und die Vernetzung zwischen öffentlichem Gesundheitsdienst, Drogenhilfe- und Substitutionssystem wird als nicht ausreichend erachtet.

Symptome und Stadien

Es wird zwischen einer erworbenen Form (Syphilis acquisita) und einer angeborenen, in der Schwangerschaft auf dem Blutweg übertragenen Form (Syphilis connata) unterschieden. Letztere geht mit einer erhöhten Fehlgeburtsrate und Neugeborenensterblichkeit sowie Missbildungen einher. Die erworbene Syphilis ist unbehandelt eine chronische Erkrankung, die in mehreren Phasen verläuft:

  • Frühsyphilis: Etwa 3 Wochen nach der Infektion zeigt sich an der Eintrittsstelle des Erregers ein schmerzloses, gerötetes und nässendes Geschwür, das sehr ansteckend ist. 3 Wochen danach lassen sich die Lymphknoten in der Umgebung als einzelne, harte, bewegliche, schmerzlose Schwellungen tasten. Einige Wochen später treten Allgemeinsymptome wie Fieber, Hautausschläge, allgemeine Lymphknotenschwellungen, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Nach Wochen bis Monaten geht dieses Primärstadium in das Sekundärstadium über und es zeigen sich Wucherungen im Genital- und Analbereich, die hochinfektiös sind. Nach etwa 2 Jahren verschwinden die Symptome meist und die Erkrankung ist nur noch im Blut nachzuweisen.
  • Spätsyphilis: In seltenen Fällen breiten sich bei unbehandelten Personen die Erreger im ganzen Körper aus und nach etwa 5 Jahren kommt es zu Veränderungen an Haut, Schleimhaut und Organen (sog. Gummen), die zur Zerstörung des Gewebes führen. Die Neurosyphilis manifestiert sich Jahre bis Jahrzehnte später im Gehirn und Rückenmark und hat mannigfaltige Beschwerden von Wesensänderungen bis zu Seh-, Sensibilitäts- und Gangsstörungen zur Folge. Zudem kann es zu Veränderungen der Hauptschlagader mit der lebensgefährlichen Gefahr eines Risses kommen. Im Spätstadium ist die Syphilis nicht mehr ansteckend.

Nachweis und Therapie

Die Diagnosestellung erfolgt durch Ausstriche von Sekreten aus der Hautveränderung oder einem Lymphknoten und dem Nachweis der Erreger unter dem Mikroskop. Im Blut können verschiedene Tests durchgeführt werden, mit denen man eine Erkrankung (auch nach Jahren) nachweisen und die Aktivität, also Behandlungsbedürftigkeit der Infektion sowie den Therapieerfolg nachprüfen kann.

Glücklicherweise stehen zur Behandlung heute weniger giftige Substanzen als das früher benutzte Quecksilber und das 1909 entwickelte arsenhaltige Salvarsan zur Verfügung. Die Therapie erfolgt mit Penicillin, die Dauer richtet sich danach, wie lange die Erkrankung schon besteht – bei der Frühsyphilis bis zu zwei Wochen, sonst 3–4. Die Gabe erfolgt als Spritze in den Muskel oder als Infusion. Zwingend ist die Mitbehandlung des Sexualpartners. Der Therapieerfolg wird mit einem Bluttest überprüft.

Auf den Punkt gebracht

  • Der Erreger kann prinzipiell an jeder Stelle in den Körper gelangen, an der die Haut oder Schleimhaut beschädigt ist.
  • Die Infektion erfolgt überwiegend durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder Übertragung von der Schwangeren auf das Ungeborene.
  • Häufig wechselnder, ungeschützter Geschlechtsverkehr v.a. mit Männern erhöht das Infektionsrisiko.
  • Einen gewissen Schutz bieten Kondome (mit Spermiziden), Wasserlassen und Waschen mit Wasser und Seife unmittelbar nach dem Geschlechtsakt.
  • Eine rasche und vollständige Heilung mittels Antibiotika ist möglich, sonst kann es Jahre später zu schweren Komplikationen bis hin zum Tod kommen.
  • Die Sexualpartner müssen mitbehandelt werden.
  • Man kann sich immer wieder mit Syphilis infizieren.

Aktualisiert: 16.12.2016 – Autor: Dagmar Reiche

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