Die Pille danach - Pro und Kontra

Deutschland war bis Anfang 2015 eines der wenigen Länder in Europa, in dem die "Pille danach" nur auf Rezept erhältlich war – obwohl sich der das Bundesgesundheitsministerium beratende "Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht" bereits seit dem Jahr 2003 für die Entlassung aus der Verschreibungspflicht einsetzte. Zu den Befürwortern der rezeptfreien Abgabe durch Apotheker gehörten daneben auch Pro Familia und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG); der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) lehnte eine Rezeptfreiheit dagegen ab.

Pille danach als Auslöser von Diskussionen

Gegner befürchten, dass der nun leichtere Zugang dazu führen könnte, die Langzeitverhütung zu vernachlässigen. Befürworter verweisen dagegen auf Zahlen aus den Nachbarländern wie England, Frankreich, Schweden und die Schweiz, in denen die "Pille danach" schon längere Zeit rezeptfrei zu erhalten ist, ohne dass dadurch die Anwendung anderer, "normaler" Verhütungsmittel zurückgegangen wäre.

Ein weiteres Argument gegen die rezeptfreie Abgabe ist, dass dadurch die ärztliche Beratung wegfällt und dann möglicherweise viele Frauen das Präparat unnötig einnehmen. Dem wird entgegengehalten, dass die "Pille danach" nicht völlig ohne Beratung abgegeben werden soll, nur wird die Beratung dann von den Apothekern durchgeführt. Und wenn es darum gehe, zu klären, ob die Nachverhütung nun angebracht sei oder nicht, so werde sich sowohl der Arzt als auch der Apotheker auf die Einschätzung der betroffenen Frau verlassen müssen.

Pille danach auf Rezept oder nicht?

Außerdem ist die Pille danach umso wirksamer je früher sie eingenommen wird – entfällt der Arztbesuch (vor allem am Wochenende oft ein aufwendiges Unterfangen), ist die rechtzeitige Einnahme eher gewährleistet. Die Befürworter sehen in der rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" zudem eine Möglichkeit, die zunehmende Anzahl der Abtreibungen unter Teenagern zu verringern.

Außerdem erleichtert sie Frauen in sehr ländlichen Gebieten oder Frauen, für die der Arztbesuch eine unüberwindliche Hemmschwelle bedeutet, den Zugang zu einer Notfall-Nachverhütung. Erfahrungen aus Schweden unterstützen diese Argumentation – dort ging die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche mit der rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" tatsächlich zurück.

Pille danach als Verhütung im Notfall

Ob rezeptfrei oder nicht: Die "Pille danach" ist eine Notfallverhütung und sollte genau als solche angesehen und eingesetzt werden. Wird sie mehr als einmal im Menstruationszyklus eingenommen, kommt es zu starken Blutungsstörungen und der Zyklus gerät völlig durcheinander. Außerdem nimmt die Wirksamkeit ab, wenn sie häufig hintereinander eingenommen wird. Falls Sie öfter vor dem Problem stehen, auf die "Pille danach" zurückgreifen zu müssen, sollte sich dringend an Ihren Frauenarzt wenden und sich über die Möglichkeiten einer wirkungsvollen, für Sie geeigneten Langzeitverhütung beraten lassen.

Aktualisiert: 11.03.2015 - Autor: Dagmar Reiche

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