Power Plate - Was Vibrationen bei Muskeln bewirken

In den Fitness-Studios findet man immer häufiger ein Gerät, das wie eine futuristische Waage aussieht und das mithilfe von Schwingungen Muskelreflexe auslöst – Power Plate wird es genannt. Die versprochenen Effekte: mit nur zwei mal zehn Minuten Training pro Woche Muskelaufbau, Fettabbau, höhere Leistungsfähigkeit. Ein neuer Wunderapparat? Erfahren Sie, was hinter dem Vibrationstraining steckt.

Power Plate  was ist das?

Stars wie Madonna, die mit ihren fast 50 Jahren einen durchtrainierten Körper präsentiert und regelmäßig nach ihrem "Rezept" gefragt wird, soll ein begeisterter Anhänger der Power Plate sein. Power Plate, was übersetzt so viel wie Kraft-Platte bedeutet – aber nicht so toll klingt – ist ein seit Kurzem auch in Deutschland mehr und mehr bekanntes Fitness-Gerät der neuen Generation.

Power Plate arbeitet mit Schwingungen bzw. Vibrationen, und diese erzeugen Muskelreflexe, die es in sich haben. Zwischen 30 und 50 Muskelkontraktionen pro Sekunde werden erreicht. Auf diese Weise gilt das Rüttel-Training als zehnmal so intensiv wie herkömmliches Muskeltraining.

Vibrationen gegen Muskel- und Knochenschwund

Schon in der Antike wusste man um den Effekt von Vibrationen. Die sportbegeisterten Griechen umhüllten spezielle Sägen mit einem Baumwolltuch, um so Schwingungen auf Körperteile zu übertragen, damit sie trainiert wurden. In den 1970er Jahren wurde in Russland das Vibrationstraining einzelner Muskeln als effiziente Trainingsmethode für Spitzensportler entwickelt.

Das Vibrationstraining wird übrigens auch Whole Body Vibration (WBV) oder (bio-) mechanische Stimulation (BMS) bzw. (bio-) mechanische Oszillation genannt.

"Bettruheprojekt": Vibration im Test

Bekannt ist auch das mehr als einjährige "Bettruheprojekt" zur Vorbereitung einer bemannten Marsmission vom Berliner Zentrum für Muskel- und Knochenforschung (ZMK) in Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Wissenschaftler wollten die Mechanismen untersuchen, die bei Astronauten im All – oder bei Patienten auf der Erde bei strikter Bettlägerigkeit – zu Muskel- und Knochenschwund führen.

Zwischen Februar 2003 und Mai 2004 legten sich für die Berliner Studie 20 Testpersonen für jeweils acht Wochen ins Bett. Sie blieben die gesamte Zeit auf einer Isolierstation unter wissenschaftlicher Beobachtung, wobei sie ihren Alltag in der Horizontalen meistern mussten. So wurde die Schwerelosigkeit simuliert. Ein Problem nämlich tritt bei Astronauten, die sich längere Zeit im All aufhalten, immer wieder auf, ebenso wie bei Bettlägerigen: Durch Unterforderung und Minderbelastung des Bewegungsapparates kommt es zu Muskel- und Knochenschwund.

Die Hälfte der Testpersonen musste während der achtwöchigen Liegephase mit einem für den Einsatz im All konstruierten Vibrations-Trainingsgerät, dem "Galileo Space", trainieren. Die übrigen zehn Teilnehmer fungierten als nicht-trainierte Kontrollgruppe.

Wie Vibrationstraining funktioniert

Für Studienleiter Dieter Felsenberg vom ZMK hat sich stand fest: Die Vibrationen lösen reflexhafte Muskelkontraktionen aus, bei denen die Muskulatur kurzzeitig hohe Kräfte mobilisiert.

Anders als beim Ausdauertraining beispielsweise auf einem Laufband wird so vor allem die Schnellkraft der Muskeln trainiert. Für diese Schnellkraft ist eine spezielle Art von Muskelfasern verantwortlich, die sogenannten Typ-II-Fasern. "Mit diesen Typ-II-Muskelfasern erzeugt der Muskel die Kraftspitzen. Und wenn diese starken Kräfte wirken, verformt sich jedes Mal ganz leicht der Knochen. Diese Verformungen sind es, die dann das Knochenwachstum anregen", erläutert Felsenberg.

Das Vibrationstraining baut also nicht nur die Muskulatur, sondern über die mechanische Beanspruchung der Knochen zugleich auch Knochenmasse auf. Das gilt nicht nur für Astronauten.

Aktualisiert: 09.06.2016 – Autor: bo

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