Seniorinnen beim Feldenkrais
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Feldenkrais

Von: Nathalie Blanck (Ärztin und Medizinautorin)
Letzte Aktualisierung: 05.11.2014 - 12:42 Uhr

"Ein jeder bewegt sich, empfindet, denkt, spricht auf die ganz ihm eigene Weise, dem Bild entsprechend, dass er sich im Laufe seines Lebens von sich gebildet hat. Um die Art und Weise seines Tuns zu ändern, muss er das Bild von sich ändern, das er in sich trägt." Moshe Feldenkrais

Der Physiker Dr. Moshe Feldenkrais (1904-1984) war der Begründer der Feldenkrais-Körperarbeit. Er kombinierte dabei seine Kenntnisse der fernöstlichen Kampfkünste (Judo, Jiu-Jitsu) mit seinem Wissen aus Physik, Mechanik und Elektrotechnik sowie der Anatomie und der Verhaltensphysiologie. Feldenkrais hatte schon früh erkannt, dass das innere Erleben einer Person der Maßstab seines Handelns ist. "Wir handeln dem Bilde nach, das wir uns von uns machen". Der Begriff des Selbstbildes umfasst dabei die vier Dimensionen Sinnesempfinden, Fühlen, Denken und Bewegen.

Das Feldenkrais-Konzept

Das Feldenkrais-Konzept basiert auf der Annahme, dass die meisten Menschen schon als junge Erwachsene in bestimmten Situationen unbewusst immer wieder die gleichen Bewegungsmuster anwenden. Ein Beispiel: Falten Sie die Hände wie zum Gebet und beobachten Sie, welcher Daumen vorne liegt, welcher der beiden kleinen Finger hinten? Lösen Sie die Hände wieder und falten Sie sie genau anders herum: Wenn beim ersten Mal der linke Daumen vorn lag und der rechte kleine Finger hinten, muss es jetzt genau umgekehrt sein. Die meisten fühlen sich durch diese Übung irritiert, weil das Falten der Hände "falsch herum" für sie ungewohnt ist. Oft ist jedoch eine einmal angeeignete Bewegung gar nicht sinnvoll, weil sich dasselbe Ziel - etwa: eine Getränkekiste hochheben – durch einen anderen, "intelligenteren" Bewegungsablauf mit weit geringerem Kraftaufwand erreichen ließe. Mit seinen Bewegungen drückt ein Mensch, so Feldenkrais' Theorie, aber auch seine Stimmung und seinen Seelenzustand aus. Auch hier hilft das behutsame Auflösen eingefahrener Bewegungsmuster um langfristig krankmachende Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.

Für wen sind Feldenkrais-Kurse geeignet?

Die Feldenkrais-Körperarbeit soll helfen, eingefahrene Bewegungsmuster zu erkennen und schrittweise zu verändern. Durch die Feldenkrais-Methode lernt man, körperlich, seelisch und geistig beweglicher zu werden. Sie ist für alle geeignet - unabhängig von Alter, Vorkenntnissen oder körperlicher Konstitution. Besonders eignen sich die Übungen für alle, die zum Beispiel unter Muskelverspannungen, Rücken- und Gelenkschmerzen oder Spannungskopfschmerz leiden und sich durch Körperarbeit entspannen möchten. Sie verbessern die Balance bei Patienten mit Multipler Sklerose und sind generell geeignet, um Stress abzubauen. Aber auch Menschen, die neue Bewegungsabläufe erlernen wollen, können von einem Feldenkrais-Kurs profitieren. Über achtsam wahrgenommene Bewegungsabläufe wird gelernt das eigene Lernen zu lenken, das Körpergefühl zu verfeinern und so mehr Wohlbefinden und Beweglichkeit zu erlangen.

Die Feldenkrais-Übungen

Feldenkrais lässt sich in der Gruppe ("Bewusstheit durch Bewegung") ausüben oder wird als Einzelarbeit ("Funktionale Integration") durchgeführt.

  • "Funktionale Integration" bezeichnet dabei die Einzelarbeit. Die Übungen werden jeweils individuell auf die Teilnehmer abgestimmt. Die Lehrer leiten an und geben Hilfestellung, zeigen aber nicht, wie die Übung "richtig" gemacht wird. Die Hilfestellungen sollen zu einer Verbesserung der Bewegungsabläufe führen. Eine Einzeltherapie ist gerade für Menschen mit schweren Gesundheitsproblemen (Unfallopfer, Schmerzpatienten, und spastisch Gelähmte) gut geeignet. Da der Lehrer die Anleitungen wortlos gibt, ist das Verfahren auch sehr gut für sprach- oder hörbehinderte Menschen geeignet.
  • "Bewusstheit durch Bewegung": In der Gruppenarbeit werden verbale Anleitungen zu Bewegungsfolgen in unterschiedlichen Positionen gegeben, z.B. im Liegen, Sitzen, Stehen. Viele Feldenkraisstunden orientieren sich dabei an kindlichen Bewegungsentwicklungen, z.B. am Rollen, Krabbeln, sich Aufsetzen, Aufstehen, Gehen, Laufen. So gibt es mehr als 15 Positionen, von Liegen zum Stehen, sogar Kopfstand, und schließen alle denkbaren Bewegungsmuster ein.
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Was bewirkt die Feldenkrais-Arbeit?

  • Abbau von Anspannung und Schmerzen
  • Verbesserung des Selbstvertrauens und der Selbstakzeptanz
  • Zunahme von Autonomie und Verantwortungsgefühl
  • Besseres Lernvermögen auf allen Gebieten (Lernen zu lernen)
  • Lernen von bisher nicht zugänglichen Wahrnehmungs- und Handlungsmustern
  • Erkennen und Herstellen von Zusammenhängen
  • Zunahme der Leistungsfähigkeit, Ausdauer, Wohlbefinden und Vitalität
  • Erhöhte Flexibilität in körperlicher, geistiger und seelischer Hinsicht
  • Bessere Bewegungsökonomie und Bewegungsqualität

Bei welchen Erkrankungen kann sie konkret helfen?

  • bei allen Stresserkrankungen
  • bei Verspannungen der Nacken- und Rückenmuskulatur
  • bei Multipler Sklerose
  • bei Rückenschmerzen