Hausstauballergie – was tun?

Niesende Frau mit Hausstauballergie © iStock.com/auleena

Schätzungen zufolge leiden mindestens fünf Prozent der Deutschen an einer Hausstauballergie (Hausstaubmilbenallergie). Die Symptome dabei ähneln denen anderer Allergien: Sie reichen von Juckreiz und Niesanfällen bis hin zu Atemnot und Asthma. Doch was tun bei einer Hausstauballergie? Mit ein paar Tipps, wie dem regelmäßigen Wechseln der Bettwäsche und der Verwendung eines speziellen Staubsaugers, lassen sich die Beschwerden oft lindern. Ansonsten sollten die Einnahme von Medikamenten sowie eine Hyposensibilisierung in Betracht gezogen werden. Wir informieren über Anzeichen, Folgen und Behandlung einer Hausstauballergie.

Hausstauballergie: Milben als Ursache

Bei einer Hausstauballergie richtet sich die allergische Reaktion nicht – wie der Name vermuten lässt – gegen Hausstaub, sondern gegen Milben-Kot. Darauf ist auch der Name Hausstaubmilbenallergie zurückzuführen. Umgangssprachlich ist auch von einer Stauballergie oder einer Milbenallergie die Rede.

Hausstaubmilben sind kleine Spinnentiere, die in jeder Wohnung vorkommen und mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. In einem Gramm Hausstaub sind bis zu 4.000 Milben enthalten. Ihre Anwesenheit ist völlig normal und kein Zeichen von mangelnder Hygiene. Sie sind im Grunde völlig harmlos, es sind also weder Bisse noch Stiche von ihnen zu befürchten und sie übertragen keine Krankheiten.

Hausstaubmilben ernähren sich in erster Linie von tierischen und menschlichen Hautschuppen sowie von Haaren. Trocknet ihr Kot, zerfällt er und mischt sich unter den Hausstaub. Das Immunsystem von Allergikern reagiert abwehrend auf den eigentlich harmlosen Kot und es kommt zu den allergietypischen Symptomen. Damit liegt die Ursache einer Hausstauballergie in einer überzogenen Reaktion des Immunsystems. Ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Allergien kann familiär bedingt sein, aber auch durch Luftverschmutzung und Zigarettenrauch begünstigt werden.

Wann ist die Hausstauballergie am schlimmsten?

Milben fühlen sich bei 25 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 60 bis 70 Prozent besonders wohl und halten sie deswegen vorwiegend in unseren Betten auf. Deshalb sind die Beschwerden meist nachts und morgens am schlimmsten. Aber auch in Vorhängen, Teppichen, Polstermöbeln und Plüschtieren findet man größere Mengen an Milben.

Aufgrund des Klimas ist die Milbenkonzentration im Spätsommer sowie im Herbst am höchsten. Die Allergie-Symptome treten allerdings im Herbst und Winter besonders stark auf, da durch das Heizen der Wohnung die Luftfeuchtigkeit sinkt und besonders viele Milben absterben. Bei diesem Prozess werden große Mengen an Allergenen freigegeben.

Typische Symptome einer Hausstauballergie

Wie andere Allergien auch, zeichnet sich eine Hausstauballergie durch eine Reihe unangenehmer Symptome aus. Da viele Symptome jedoch denen einer Erkältung gleichen, wird eine Hausstauballergie oft erst spät oder auch gar nicht erkannt. Aufgrund der typischen Schnupfen-Symptome spricht man auch von einem allergischen Schnupfen oder einer allergischen Rhinitis. Meist tritt eine Hausstaubmilbenallergie bereits im Kindes- und Jugendalter auf.

Zu den typischen Anzeichen einer Hausstauballergie gehören:

Wenn diese Beschwerden das ganze Jahr über anhalten und verstärkt nachts und morgens nach dem Aufstehen auftreten, deutet dies auf eine Hausstauballergie hin.

Diagnose durch Allergietest

Ob Sie unter einer Hausstauballergie leiden, kann der Arzt leicht mit einem Allergietest (Pricktest) herausfinden. Dabei werden die Allergene direkt auf die Haut aufgetragen. Durch leichtes Einritzen gelangen sie im Anschluss unter die Haut. Bildet sich nach einiger Zeit ein roter, juckender Ausschlag, gilt der Test als positiv.

Bei nicht eindeutigen Testergebnissen können die Allergene auch direkt auf die Nasen- oder die Augenschleimhaut gegeben werden (Provokationstest). Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung (zum Beispiel der RAST-Test) helfen, die Diagnose zu sichern.

Asthma und Kreuzallergien als mögliche Folgen

Bei Menschen, die über einen längeren Zeitraum an einer Hausstauballergie leiden, kann Asthma entstehen. Diese Verlagerung der Erkrankung auf die unteren Atemwege wird als Etagenwechsel bezeichnet. Gerade Asthma im Kindesalter hat seine Ursache häufig in einer Hausstauballergie.

Daneben können allergische Reaktionen auch bei bestimmten Nahrungsmitteln auftreten. Man spricht dann von einer Kreuzallergie. Im Gegensatz zu Heuschnupfen ist dies bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben jedoch seltener der Fall. Mögliche Kreuzallergien sind allergische Reaktionen beim Genuss von Schalentieren oder Weichtieren (zum Beispiel Schnecken, Muscheln, Krebse, Hummer oder Garnelen).

Auch eine Nasennebenhöhlenentzündung kann als Folge einer Hausstauballergie entstehen.

Um solche Folgen zu vermeiden, sollten Sie bei Beschwerden frühzeitig einen Arzt aufsuchen und mit diesem über die Behandlungsmöglichkeiten sprechen.

Was tun bei einer Hausstauballergie? 9 Tipps gegen Milben

Bei einer Hausstauballergie sollten Sie in erster Linie versuchen, den Hausstaub zu reduzieren, also die Hausstaubmilben zu bekämpfen und somit den Auslöser der Allergie so gut wie möglich zu vermeiden. Deswegen ist es besonders wichtig, bestimmte hygienische Regeln einzuhalten. Dann lassen sich die Symptome der Hausstauballergie meistens deutlich abschwächen. Auch zur Vorbeugung einer Hausstauballergie können diese Tipps hilfreich sein.

Diese neun Tipps gegen Hausmilben können helfen, die Allergie zu bekämpfen:

  1. Versuchen Sie, die Raumtemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer möglichst niedrig zu halten. Achten Sie außerdem darauf, die Wohnung gründlich durchzulüften (ratsam ist drei- bis viermal tägliches Stoßlüften für fünf bis 15 Minuten).
  2. Wechseln Sie häufiger Ihre Bettwäsche (möglichst wöchentlich) und waschen Sie diese bei mindestens 60 Grad. Einmal im Jahr sollten Sie auch Ihre Matratze reinigen. Verwenden Sie idealerweise keine Matratze mit Rosshaar-Füllung. Kopfkissen und Bettdecke selbst sollten mindestens alle drei Monate gewaschen werden.
  3. Benutzen Sie für die Matratze milbenundurchlässige Allergieüberzüge (Encasing) – so werden die Milben von ihrer Nahrungsquelle abgeschnitten. Diese Bezüge sollten mindestens alle drei Monate gewaschen werden. Auch für die Bettwäsche bieten sich milbenundurchlässige Allergieüberzüge an.
  4. Wechseln Sie Ihre Kleidung oder Ihre Schuhe nicht im Schlafzimmer. Vermeiden Sie es auch, Ihre Haare im Schlafzimmer zu kämmen.
  5. Falls Sie Haustiere besitzen, sollten Sie diese nicht ins Schlafzimmer lassen. Bei einer schweren Hausstauballergie sollten Sie sogar besser ganz auf Haustiere verzichten.
  6. Entfernen Sie mögliche Staubfänger aus dem Schlafzimmer: Dazu gehören auch Gardinen und Teppiche. Auch auf Pflanzen oder offene Regale sollten Sie im Schlafzimmer besser verzichten. Kuscheltiere sollten Sie in regelmäßigen Abständen für 24 Stunden in der Tiefkühltruhe einfrieren oder in den Wäschetrockner geben. Durch anschließendes Waschen werden die abgetöteten Milben entfernt.
  7. Putzen Sie regelmäßig Ihre Wohnung: Wischen Sie dabei immer feucht Staub und verwenden Sie einen Staubsauger mit Mikrofilter (Hepa-Filter). Wenn Sie unter einer Hausstauballergie leiden, sollten Sie nach Möglichkeit nicht selbst staubsaugen. Falls möglich, sollte auch der Boden feucht gewischt werden.
  8. Anti-Milben-Sprays enthalten ein Insektengift (Akarizide). Sie können beispielsweise zum Einsprühen von Matratzen verwendet werden. Auch als Zusatz im Waschmittel sind Akarizide erhältlich.
  9. Um den aktuellen Grad der Milbenbelastung in ihrer Wohnung zu messen, ist ein Milbentest aus der Apotheke hilfreich.

Behandlung: Medikamente gegen Hausstauballergie

Gegen die akut auftretenden Symptome einer Hausstauballergie helfen Medikamente wie Antihistaminika (rezeptfrei, beispielsweise als Tabletten mit den Wirkstoffen Cetirizin oder Loratadin) oder Glukokortikoid-Lösungen (Kortison). Auch ein Adrenalin-Spray zum Inhalieren kann dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Zudem werden Chromone (in Form von Augentropfen und Nasensprays) und sogenannte Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten (bei Asthma) zur Behandlung der Symptome einer Hausstauballergie verwendet. Darüber hinaus können kurzzeitig auch abschwellende Nasensprays zum Einsatz kommen.

Helfen diese Medikamente nicht ausreichend, sollten Sie über eine Hyposensibilisierung nachdenken.

Hyposensibilisierung bekämpft die Ursachen

Durch eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) werden im Gegensatz zu den oben genannten Medikamenten nicht nur die Symptome der Hausstauballergie bekämpft, sondern auch deren Ursache, da der Körper langsam an die allergieauslösende Substanz gewöhnt wird. Dadurch lässt sich das Risiko für eine chronische Schädigung der Atemwege deutlich verringern.

Bei einer Hyposensibilisierung wird dem Betroffenen das Allergen entweder in Tropfenform verabreicht (sublinguale Immuntherapie) oder direkt unter die Haut gespritzt (subkutane Immuntherapie). So wird das Immunsystem trainiert, bei Kontakt mit dem Allergen nicht mehr so stark zu reagieren. Allerdings braucht eine Hyposensibilisierung Geduld: Bis die Therapie abgeschlossen ist, kann es zwei bis drei Jahre dauern.

Homöopathie bei Hausstauballergie

Viele Allergologen arbeiten bei einer Hausstauballergie auch mit homöopathischen Mitteln. Bei einer homöopathischen Behandlung werden die Mittel so ausgewählt, dass sie bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome hervorrufen sollen, wie jene, an denen der Kranke leidet. Dadurch kann es bei der Behandlung einer Hausstauballergie mit Homöopathie zunächst zu einer Verschlimmerung der Beschwerden kommen.

Zum Einsatz kommen beispielsweise Sticta oder Sabadilla, aber auch Luffa D6, Arundo D6 oder Galphimia glauca D4. Ob sich durch eine homöopathische Behandlung die Beschwerden tatsächlich lindern lassen, ist umstritten.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
J30.3, J45.0

Aktualisiert: 03.12.2020 - Autoren: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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