Sonnenallergie - Experteninterview

Symptome einer Sonnenallergie (Pusteln auf der Haut) © istockphoto, robeo

Sonnenbrand kennt jeder – und die Maßnahmen dagegen auch. Doch während man diese direkte Wirkung der Sonnenstrahlen auf die Haut vermeiden kann, sind Gegenmaßnahmen bei einer "Sonnenallergie" schwieriger. Bereits jeder 10. Deutsche leidet an dieser Überempfindlichkeit gegenüber der Sonne. Damit die Freude am Sommer trotzdem nicht getrübt wird, sollten sich Sonnenallergiker entsprechend vorbereiten. Wie das geht, erklärt Herr Prof. Dr. Eberhard Paul, Inhaber einer dermatologischen Praxis in Nürnberg.

Die Haut von immer mehr Menschen reagiert allergisch auf die Sonne. Gibt es hierfür eine Erklärung?

Prof. Paul: Um die Frage genau zu beantworten, muss man zunächst zwischen den verschiedenen Arten von Sonnenallergie unterscheiden. Wir gehen mit dem Begriff "Allergie" großzügig um, ohne meist im Einzelnen den Mechanismus der Überempfindlichkeitsreaktion zu kennen. Die phototoxischen Reaktionen ohne echten allergischen Mechanismus sind sicherlich rückläufig. Diese entstehen beim Zusammentreffen von bestimmten lichtsensibilisierenden Stoffen mit UV-Licht - hierzu gehört zum Beispiel die Beloque-Dermatitis, die auch durch Parfümöle ausgelöst werden kann. Hier war die Patientenaufklärung erfolgreich.

Eine andere große Gruppe ist die sogenannte Mallorca-Akne, die sehr wahrscheinlich durch bestimmte Komponenten in Sonnen- oder Hautcremes und UVA ausgelöst wird. Die Mallorca-Akne kann auch durch UVA-Besonnung in Solarien entstehen.

Die größte Gruppe von Sonnenallergien, die "polymorphe Lichtdermatose" ist bereits seit 1878 bekannt, nimmt jedoch zu. Es sind mehr Frauen als Männer betroffen und die Erkrankung beginnt meist bei jungen Erwachsenen. Warum diese Art Lichtallergie zunimmt, ist nicht genau bekannt.

Die schwerste Form ist die "Sonnen-Utrikaria" - eine durch Sonnenlicht ausgelöste Form der Nesselsucht, sie ist extrem selten kann aber zum lebensgefährlichen Schock mit Herz-Kreislauf-Versagen führen. Die Betroffenen müssen sofort ins Krankenhaus.

Woran erkennt man denn eine Sonnenallergie?

Typischerweise treten die Hautveränderungen nicht unmittelbar während der Sonnenbestrahlung auf, sondern etliche Stunden bis zwei Tage danach. Der Name "polymorphe", also "vielgestaltige" Hautkrankheit zeigt, dass das Erscheinungsbild nicht immer gleich ist. Die Hautausschläge unterscheiden sich von Patient zu Patient und können von stecknadelkopf- bis erbsengroßen Bläschen bis zu roten Knötchen reichen. Sie können von quälendem Juckreiz begleitet sein, der auch in der Nacht nicht nachlässt.

Kann man der Sonnenallergie denn vorbeugen?

Wie bereits angedeutet, ist eine sinnvolle Prophylaxe schwierig, da die Ursachen nicht genau bekannt sind. Bei der Mallorca-Akne ist es sehr erfolgreich, wenn emulgatorfreie Sonnenschutzmittel verwendet werden. Schwieriger wird es bei der polymorphen Lichtdermatose. Was bei verschiedenen Patienten unterschiedlich aussieht, spricht auch auf ganz verschiedene Vorbeugemaßnahmen an. Für alle gilt jedoch: Langsam an die Sonne gewöhnen und konsequenter Lichtschutz. Hier sind in erster Linie geeignete Kleidung und Sonnenschutzmittel mit UVA- und UVB-Schutz gemeint.

Da ein konsequenter Schutz vor UVA-Strahlung für Sonnenallergiker besonders wichtig ist, sollten Markenprodukte verwendet verwenden, die z. B. in der Apotheke zu kaufen sind. Billige Sonnencremes schützen häufig nur im UVB Bereich gut, während der UVA Schutz unzureichend bleibt. Das haben Untersuchungen der Universität Tübingen ergeben.

Welche Inhaltsstoffe sollte eine Sonnencreme für Allergiker enthalten?

Günstig ist es, wenn die Sonnencremes zusätzlich Antioxidantien, wie z. B. Vitamin E enthalten.

Welche Möglichkeiten einer medikamentösen Prophylaxe gibt es?

Bei manchen Menschen hilft eine prophylaktische Calciumgabe einige Wochen vor der erwarteten Sonnenexposition sehr gut, bei anderen jedoch überhaupt nicht. Mit der Einnahme von Betacarotin, hier sollten 30 mg am Tag genommen werden, verhält es sich ähnlich. Die einen schwören darauf, andere profitieren nur wenig. Nach Studien aus USA sollten Raucher kein Betacarotin einnehmen, da dies das Krebsrisiko erhöhen kann.

Manche Sonnenallergiker nutzen Solarien um sich an die Sonne zu gewöhnen. Was ist zu beachten?

Prinzipiell kann durch Besuch des Solariums Vorbeugung, im Sinne einer Art Abhärtung gegen Sonnenallergie, betrieben werden. Voraussetzung ist jedoch die langsame Steigerung der Dosis, also der Aufenthaltsdauer auf der Sonnenbank. Zu Beginn können 5 Minuten schon genug sein und 15 Minuten sollten nicht überschritten werden. Für die Vorbeugung sind nur solche Bänke geeignet, die UVA und UVB Strahlen aussenden, da die Polymorphe Lichtdermatose durch beide Strahlenarten ausgelöst wird. Außerdem müssen vor dem Sonnen alle Kosmetika und Hautpflegemittel entfernt werden.

Durch vernünftigen Umgang mit der Natursonne kann man die Haut jedoch auch an die UV-Strahlung gewöhnen. Patienten, die unter sehr ausgeprägter Sonnenallergie mit schweren Hautveränderungen leiden, sollten sich unter Kontrolle des Hautarztes einem „Hardening" unterziehen. Hier wird die Haut stufenweise immer stärkerer UV-Belastung ausgesetzt. Da dieses Verfahren sehr aufwändig ist, sollte es nur in schweren Fällen zum Einsatz kommen.

Wenn es trotz aller Vorsicht passiert ist, wie kann man die Sonnenallergie behandeln?

Bei Lichtausschlägen und Entzündungen der Haut tritt oft zuerst Juckreiz auf. Durch Antihistaminika als Gele oder Tabletten kann man schon zu Beginn Schlimmeres verhüten. Haben sich schwere Hautveränderungen entwickelt, ist der Gang zum Hautarzt unvermeidlich. Corstisonsalben oder -tabletten bringen rasche Linderung. Da das Cortison nur kurze Zeit gegeben werden muss, sind auch keine Hautschädigungen oder schweren Nebenwirkungen zu erwarten.

Was sollte man bei der Hautpflege nach der Sonne beachten?

Cremes mit Antioxidantien, wie zum Beispiel Vitamin E sind günstig, eine Allergieprävention kann man aber nicht erwarten, da man starke Reaktionen damit nicht abblocken kann. Dennoch können sogenannte After Sun-Präparate, bzw. Lotionen mit Vitamin A und E und dem hautberuhigenden Wirkstoff Panthenol bei leichten Sonnenbränden lindernd wirken.

Vielen Dank für die Informationen, die den Betroffenen sicher weiterhelfen werden.

Aktualisiert: 31.08.2012 – Autor: HautforschungsInstitut

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