Frau mit Symptomen für einen Mangel an Vitamin E
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Vitamin E – Symptome bei Mangel & Überdosierung

Von: Kathrin Mehner (Medizinredakteurin), Jasmin Rauch (Medizinredakteurin)
Letzte Aktualisierung: 28.06.2023 - 10:30 Uhr

Vitamin E ist zentral für den Schutz und die Funktion von Zellen. Zudem soll es der Hautalterung und zahlreichen Erkrankungen entgegenwirken können. Das Vitamin ist in vielen Lebensmitteln enthalten. Ein Mangel ist deshalb selten, kann jedoch schwerwiegende gesundheitliche Beschwerden auslösen. In welchen Nahrungsmitteln steckt Vitamin E, wie hoch ist der empfohlene Tagesbedarf und an welchen Symptomen erkennt man einen Vitamin-E-Mangel oder eine Überdosierung?

Was ist Vitamin E?

Genau genommen ist Vitamin E ist ein Sammelbegriff für bestimmte fettlösliche Vitamine, die vom Körper nicht selbst produziert werden können. Deshalb müssen sie von außen über Lebensmittel wie Pflanzenöle oder Nüsse zugeführt werden.

Man nennt diese Gruppe von Vitaminen auch Tocopherole. Insgesamt kommen acht Tocopherole in der Natur vor. Am besten wissenschaftlich untersucht ist das sogenannte alpha-Tocopherol. Dieses ist auch in Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin E enthalten.

Da Vitamin E ein fettlösliches Vitamin ist, wird zu seiner Aufnahme aus dem Dünndarm Fett benötigt. Zudem wird Vitamin E im Körperfett sowie in der Leber und den Nebennieren gespeichert.

Wirkung: Wofür braucht der Körper Vitamin E?

Vitamin E gehört genau wie Vitamin A und Vitamin C zu den Antioxidantien und stellt somit in unserem Körper einen wichtigen Radikalfänger dar. Freie Radikale sind aggressive Verbindungen, die durch chemische Reaktionen, Rauchen, Stress oder durch die Einwirkung energiereicher Strahlen wie beispielsweise Sonnen- oder Röntgenstrahlen entstehen. Sie schädigen im Körper Eiweiße und die Struktur der Zellen (oxidativer Stress). Vitamin E ist also zentral für den Schutz von Zellen und für deren Funktion. Zudem spielt es für das Immunsystem eine wichtige Rolle.

Durch seine zellschützende Funktion soll das Antioxidans auch Alterungsprozesse verlangsamen und das Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können. Inwieweit Antioxidantien wie Vitamin E neben ihrer zellschützenden Wirkung tatsächlich Erkrankungen vorbeugen können, ist wissenschaftlich aber umstritten.

Vitamin E zur Pflege der Haut

Als Antioxidans wird Vitamin E in vielen Hautpflegeprodukten, wie Cremes oder Lotionen, verwendet. Der zellschützende Effekt soll zu einer Verbesserung der Hautoberfläche beitragen, den Feuchtigkeitsgehalt der Haut erhöhen und Alterungsprozesse verlangsamen. Zudem soll Vitamin E entzündungshemmend wirken und die Abheilung von oberflächlichen Wunden beschleunigen.

Neben Kosmetika kommt das Vitamin auch in Sonnenschutzprodukten vor, da die Substanz die Haut in gewissem Maß vor Zellschädigungen durch UV-Strahlung schützen kann.

Tagesbedarf an Vitamin E

Die empfohlene Tagesdosis an Vitamin E liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) bei 12 bis 15 Milligramm. Frauen bis 65 Jahre haben einen Tagesbedarf von 12 Milligramm, für Schwangere und stillende Frauen gelten aber höhere Referenzwerte: Für Schwangere liegt der Tagesbedarf bei 13 und für Stillende sogar bei 17 Milligramm.

Daneben ist der Bedarf auch bei Menschen, die rauchen, bei Personen mit geschwächten Abwehrkräften oder Herzerkrankungen sowie in stressigen Lebensphasen erhöht.

Lebensmittel: Wo ist Vitamin E drin?

Vitamin E wird nur von Pflanzen hergestellt, gelangt über die Nahrungskette aber auch in tierische Nahrungsmittel. Deren Vitamin-E-Gehalt ist aber deutlich geringer, am höchsten fällt er noch in fettem Speisefisch aus. In größeren Mengen kommt Vitamin E dagegen vor allem in pflanzlichem Öl sowie in Getreidekeimen, Nüssen und grünem Blattgemüse vor.

Im Folgenden ist beispielhaft der Vitamin-E-Gehalt einiger Lebensmittel pro 100 Gramm aufgeführt:

  • Weizenkeimöl: 174 Milligramm
  • Sonnenblumenöl: 63 Milligramm
  • Margarine: 16 Milligramm
  • Paranüsse: 7,6 Milligramm
  • Leinöl: 5,8 Milligramm
  • Paprika: 2,5 Milligramm
  • Butter: 2 Milligramm
  • Haferflocken: 1,5 Milligramm
  • Spinat 1,4 Milligramm
  • Lachs: 0,9 Milligramm
  • Karpfen: 0,5 Milligramm

Bei der Lagerung und Zubereitung von Nahrungsmitteln kann es durch Licht und Hitze zu Verlusten kommen, in der Regel fallen diese aber relativ gering aus.

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Vitamin-E-Mangel

Vitamin E kommt in vielen Lebensmitteln vor, weshalb eine ausreichende Zufuhr in der Regel kein Problem darstellt. Bei einer ausgewogenen Ernährung ist ein Mangel also äußerst selten. Wird zu wenig Vitamin E aufgenommen, kann der Körper zudem zunächst Reserven aus dem Fettgewebe und der Leber mobilisieren, um das Defizit auszugleichen. Deswegen treten Mangelerscheinungen oft erst nach jahrelanger Unterversorgung auf.

Ursachen von zu wenig Vitamin E

Ursachen für einen Vitamin-E-Mangel sind häufig Erkrankungen, die die Aufnahme oder Verarbeitung des Vitamins behindern. Dazu gehören Störungen der Leberfunktion oder des Fettstoffwechsels. Bei Letzterem kann Vitamin E nicht mehr aus dem Darm aufgenommen werden.

Zudem kann auch bei Frühgeborenen ein Vitamin-E-Mangel auftreten. Dies liegt daran, dass Föten vor allem in den letzten Schwangerschaftswochen an Gewicht zulegen. Damit können sie auch mehr Vitamin E einspeichern. Bei Frühgeborenen konnten weniger Vitamin-E-Reserven eingespeichert werden, weshalb es bei ihnen schneller zu einem Mangel kommt.

Vitamin-E-Mangel – Symptome erkennen

Ein ausgeprägter Vitamin-E-Mangel kann unterschiedliche Symptome auslösen. Dazu gehören:

  • Störungen des Nervensystems, wie Zittern oder Empfindungsstörungen
  • Störungen im Muskelstoffwechsel mit Muskelschwäche, Muskelkrämpfen, unwillkürlichen Augenbewegungen oder Lähmung der Augenmuskulatur
  • Hämolytische Anämie (Blutarmut durch Auflösung roter Blutkörperchen) mit Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Schwindel oder Herzrasen
  • Netzhautschädigungen (Retinopathie), spürbar durch Sehstörungen wie einer verminderten Sehschärfe oder dem Sehen von Lichtblitzen oder -funken
  • erhöhte Infektanfälligkeit

Bei einem Vitamin-E-Mangel gibt es mit Blick auf die Symptome keinen Unterschied zwischen Mann und Frau.

Mangel an Vitamin E beheben

Um einen Mangel zu beheben, kann Vitamin E in Form von Kapseln oder Tropfen in verschiedenen Dosierungen eingenommen werden. Oft sind diese auch in Kombination mit den ebenfalls antioxidativ wirkenden Vitaminen A und C erhältlich. Die Einnahme solcher Präparate sollte aber ärztlich besprochen werden.

Überdosierung von Vitamin E

Über die Nahrung ist eine Überdosierung mit Vitamin E nicht möglich. Erst durch die längerfristige und übermäßige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln können entsprechend hohe Dosen erreicht werden. Wird zu viel Vitamin E eingenommen, hat dies in der Regel allerdings erst einmal keine Nebenwirkungen. Denn über Nahrungsergänzungsmittel aufgenommene zusätzliche Dosen von bis zu 30 Milligramm pro Tag gelten als gesundheitlich noch vertretbar.

Angeblich soll die hochdosierte Einnahme solcher Präparate Erkrankungen wie Arteriosklerose, Herzinfarkt, Muskel- und Gelenkerkrankungen, Impotenz sowie Stress und Wechseljahresbeschwerden vorbeugen können. Wissenschaftlich gesichert ist diese Wirkung jedoch nicht.

In einer japanischen Studie wurde sogar nachgewiesen, dass hochdosierte Vitamin-E-Präparate bei Mäusen und Ratten zu einer Schädigung der Knochensubstanz führen. Ob diese Ergebnisse auch auf den Menschen zutreffen, muss in zukünftigen Studien überprüft werden. Generell sollte anstatt auf hochdosierte Kapseln lieber auf pflanzliche Nahrungsmittel mit einem hohen Vitamin-E-Gehalt zurückgegriffen werden.

Bei einer langfristigen, starken Überdosierung von 200 bis 800 Milligramm täglich können Symptome wie Verdauungsstörungen, Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen sowie eine erhöhte Blutungsneigung auftreten.