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Autoimmunkrankheiten - Ursachen

So effektiv die körpereigenen Abwehrmechanismen meist sind, so gefährlich ist es, wenn die Regulationsmechanismen versagen und das Immunsystem sich gegen körpereigenes Gewebe richtet. Wichtiges Mitglied der Abwehrtruppe sind die T-Zellen, die im Thymus in Kindheit und Jugend darin ausgebildet wurden, die körpereigenen MHC-Ausweispapiere zu prüfen und zu erkennen.

Wie entsteht eine Immunangelkrankheit?

Aus bisher nicht endgültig geklärten Gründen können diese T-Zellen zu Saboteuren werden: Statt fremde Eindringlinge anzugreifen, stürzen sie sich auf Körpergewebe und zerstören dessen Zellen. Dabei ziehen sie weitere Abwehrzellen auf ihre Seite, so dass die körpereigenen Strukturen wie Antigene fremder Zellen behandelt werden und in der Folge einem massiven Angriff ausgesetzt sind.

Die gegen körpereigenes Gewebe gerichteten Immunglobuline werden auch als Autoantikörper (auto=selbst) bezeichnet. Der Reparaturtrupp des Körpers tut zwar sein Möglichstes, die Schäden zu beheben, steht aber auf verlorenem Posten – früher oder später wird das angegriffene Organ so zerstört, dass es seine Funktion verliert.

Weitere Folge ist, dass das Immunsystem durch seine permanenten Attacken an falscher Stelle nicht mehr ausreichende Kräfte für seine eigentlichen Aufgaben hat. Deshalb können sich sowohl Erreger von außen als auch Krebszellen von innen ausbreiten und zu entsprechenden Krankheiten führen - es entwickeln sich also zusätzlich Symptome einer Immunmangelkrankheit.

Erbanlagen und Umweltfaktoren

Als Ursache wird eine Kombination aus angeborener Empfänglichkeit und bestimmten Umweltfaktoren vermutet, d.h., dass bestimmte Auslöser wie Stress, Schwangerschaft oder Infektionen nur bei solchen Personen zu einer Autoimmunerkrankung führen, die eine genetische Veranlagung dafür haben.

Wann genau und warum es dann zu einer Erkrankung kommt, ist nach wie vor unklar. Bekannt ist allerdings, dass auch bestimmte Erreger eine Autoimmunerkrankung auslösen können, nämlich dann, wenn ihre Oberfläche der Struktur körpereigener Zellen sehr stark ähnelt. Bildet das Immunsystem nun Antikörper gegen den Keim, attackieren diese auch das ähnliche körpereigene Gewebe.

Dies ist beispielsweise der Fall beim rheumatischen Fieber: Antikörper gegen bestimmte Streptokokken (z.B. Scharlacherreger) richten sich später auch gegen Gelenk-, Nieren oder Herzmuskelgewebe. Doch auch dies passiert vermutlich nur bei Menschen, die eine erbliche Veranlagung haben.

Wieweit der psychische Aspekt nicht nur bei der Bewältigung und dem Verlauf, sondern auch bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielt, darüber sind die Meinungen geteilt.

Folgenschwerer Defekt

Meist beginnen Autoimmunkrankheiten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Welche Symptome im Einzelnen auftreten, hängt davon ab, gegen welches Gewebe sich der Autoimmun- und Entzündungsprozess richtet. Derzeit sind rund 60 Autoimmunkrankheiten bekannt, die sich entweder nur auf bestimmte Organe (organspezifisch) beschränken oder im gesamten Körper manifestieren (systemisch), z.B. weil sie sich gegen Gefäße, Gelenke oder Bindegewebe richten; beide Formen können gemischt auftreten (intermediär).

Typische Bespiele für betroffene Gewebe sind:

  • Organspezifische Autoimmunkrankheiten: Diabetes mellitus Typ 1 (Bauchspeicheldrüse), Multiple Sklerose (Nervenzellen), Glomerulonephritis (Niere), Hashimoto-Thyreoidits (Schilddrüse), Basedow-Krankheit (Schilddrüse), chronische Gastritis (Magen), Colitis ulcerosa (Dickdarm), Vitiligo (Haut), Addison-Krankheit (Nebennieren)
  • Systemische Autoimmunkrankheiten: Churg-Strauss-Syndrom (Gefäße), Kollagenosen (Bindegewebe), Rheumatoide Arthritis (Bindgewebe von Gelenken und Sehnen), Schuppenflechte (Haut, Gelenke, Fingernägel).

Die Diagnostik erfolgt vor allem über Bestimmung der Antikörper im Blut – welche untersucht werden, hängt von den Symptomen und der Verdachtsdiagnose ab.

Aktualisiert: 05.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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