Lipödeme behandeln

Lipödem © istockphoto, vschlichting

Insbesondere Frauen leiden abends häufig unter schweren, geschwollenen Beinen. Dicke Beine können unterschiedliche Ursachen haben und sind zunächst kein Grund zur Besorgnis. Sind die Beine jedoch dauerhaft geschwollen, sollte ein Arzt konsultiert werden, um ein Lipödem als Ursache auszuschließen. Bei einem Lipödem handelt es sich um eine Fettverteilungsstörung, die auch als Reiterhosenphänomen oder Säulenbein bezeichnet wird. Mit der richtigen Therapie lässt sich ein Lipödem zwar therapieren, eine Heilung ist jedoch noch nicht möglich. 

Was ist ein Lipödem?

Lipödeme treten fast ausschließlich bei Frauen auf. Die Erkrankung bewirkt Anlagerungen von Unterhautfettgewebe, die zu Schwellungen an den betroffenen Körperstellen führen. Mit dem Fortschreiten der Krankheit weiten sich die Ansammlungen von Fettgewebe immer stärker aus.

Die Fettablagerungen entstehen in der Regel symmetrisch an Oberschenkeln, Hüften, Po, Knieinnenseiten oder Oberarmen, später auch an den Unterarmen und -schenkeln bis hin zu den Fußgelenken. Fuß- und Handrücken sind nur bei extremen Schweregraden betroffen. Typisch für das Krankheitsbild der Lipödeme ist ein schlanker Oberkörper, sodass die Beine übermäßig dick wirken.

Symptome eines Lipödems

Lipödem-Patientinnen leiden meist unter dicken Beinen mit sichtbaren Anlagerungen von Fettgewebe. Besonders nach langem Sitzen oder Stehen oder an warmen Tagen schwellen die Beine oft durch zusätzliche Wassereinlagerungen noch weiter an.

Seltener treten die Beschwerden auch an den Armen auf. Folgende Symptome sind an den betroffenen Körperstellen außerdem zu beobachten:

  • Schmerzen bei Berührung
  • Schwere-, Druck- und Spannungsgefühl
  • blaue Flecken bereits nach kleinen Stößen
  • Besenreiser
  • grobe, teils knotige Haut und Orangenhaut (Cellulite)
  • kühle, schlecht durchblutete Haut 
  • X-Beine

Ursachen von Lipödemen

Die genauen Ursachen von Lipödemen sind noch nicht geklärt. Als wahrscheinlich gelten eine genetische Veranlagung sowie hormonelle Auslöser. Lipödeme treten häufig erstmals in oder nach der Pubertät, einer Schwangerschaft oder während den Wechseljahren (Menopause) auf.

Übergewicht gehört nicht zu den Ursachen, kann aber den Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen.

Bei Männern kommen Lipödeme nur in Ausnahmefällen vor, beispielsweise bei einer Hormonstörung infolge einer Leberschädigung oder Hormontherapie.

Diagnose eines Lipödems

Die Diagnose eines Lipödems erfolgt anhand eines Sicht- und Tastbefunds (Inspektion und Palpation), der Patientenvorgeschichte sowie gegebenenfalls auf Basis eines Ultraschallbefunds.Vor allem sollte ein Facharzt ausschließen, dass die Symptome durch andere Krankheiten verursacht wurden. Hier kommen zum Beispiel folgende Erkrankungen infrage:

  • Adipostas (Fettleibigkeit), die oft zusammen mit einem Lipödem auftritt
  • Lipohyperthrophie (eine harmlose Fettansammlung), die sich zu einem Lipödem entwickeln kann
  • Lymphödeme (Wassereinlagerungen), die meist asymmetrisch auftreten

Ob es sich um Lymphödeme oder Lipödeme handelt, zeigt das sogenannte Stemmersche Zeichen. Lässt sich die Haut an Zehen- oder Fingerfalten anheben, handelt es sich wahrscheinlich um ein Lipödem.

Stadien von Lipödemen im Krankheitsverlauf

Lipödeme sind nicht heilbar und können sich im weiteren Verlauf der Erkrankung sogar noch verschlimmern. Insbesondere dann, wenn sie unbehandelt bleiben. So treten die Fettpolster im Stadium 1 vor allem an den Hüften, Oberschenkeln und der Innenseite der Knie auf. Dabei ist die Haut typischerweise feinknotig (Orangenhaut).

Mit fortschreitender Krankheit erscheint die Haut in Stadium 2 grobknotig mit Dellen ("Matratzenphänomen"), bis im Stadium 3 schließlich große Hautlappen und -wülste entstehen. Das Lipödem kann sich bis zu den Fußknöcheln ausdehnen und diese überlappen. Man spricht dann vom sogenannten "Säulenbein". Als letztes sind Finger und Zehen betroffen – dies ist der höchste Schweregrad.

Lymphödeme als Folge eines Lipödems

Im Verlauf der Erkrankung behindern die durch das Lipödem vergrößerten und verformten Fettzellen vermehrt den Abfluss der Lymphflüssigkeit. In den Zellzwischenräumen entstehen dadurch Wasseransammlungen, sogenannte Lymphödeme. Diese bewirken dann auch Schwellungen der Hände und Füße.

Bleibt ein Lipödem jahrelang unbehandelt, werden auch die großen Lymphgefäße von dieser Abflussstörung erfasst. Man spricht dann von einem Lymphödem oder einem Lipolymphödem, als Mischform aus Lipo- und Lymphödem.

Entstauungstherapie gegen Lipödeme

Basis der Behandlung eines Lipödems ist die Entstauungstherapie. Sie erfordert das tägliche Tragen von Kompressionsstrümpfen oder -verbänden, um die Größe des Lipödems zu reduzieren oder konstant zu halten. Vor allem beim Sport sollten immer Kompressionsstrümpfe getragen werden, um das Gewebe zu unterstützen.  

Auch Kompressionsgeräte kommen im Rahmen der "apparativen intermittierenden Kompression" (AIK) zum Einsatz. Die Kompression des Lymphgewebes kann die Schmerzen lindern und dem Fortschritt der Krankheit entgegenwirken.

Durch manuelle Lymphdrainage, eine spezielle Massageart, kann zusätzlich der Abtransport des Ödems begünstigt werden. Zur lymphologischen Physiotherapie gehören außerdem funktionelle Rehabilitation und Atemphysiotherapie. Diese speziellen Behandlungen sollten jedoch nur von Spezialisten durchgeführt werden und nicht von Masseuren, die keine Ausbildung in dem Bereich der Lymphdrainage haben.

Weitere Formen der Behandlung beim Lipödem

Das betroffene Lymphgewebe kann sich nicht wieder zurückbilden. Beim Lipödem kann nur eine operative Fettabsaugung (Liposuktion) das krankhaft veränderte Fettgewebe entfernen. Dabei besteht jedoch das Risiko, die oberflächlichen Lymphgefäße zu zerstören, was ein zusätzliches Lymphödem zur Folge haben kann.

Eine Liposuktion bedeutet bei Lipödemen oftmals nur eine vorübergehende Besserung, denn das Fettgewebe bildet sich im Gegensatz zu gesunden Patienten wahrscheinlicher und schneller wieder aus. Eine ausführliche Beratung durch einen Facharzt ist daher unverzichtbar. Zudem sollten Betroffene sich darüber bewusst sein, dass die Kosten für eine Fettabsaugung in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

In der Alternativmedizin, wie zum Beispiel der Homöopathie, werden zur Therapie von Lipödemen unter anderem Schüssler Salze und Jojobaöl eingesetzt. 

Das können Lipödem-Patienten selbst tun

Sport und gesunde Ernährung sind wichtige Behandlungselemente bei Lipödemen, auch wenn sie die Lipödeme nicht reduzieren können. Regelmäßige Bewegung und eine langfristige Ernährungsumstellung helfen jedoch, zusätzliches Übergewicht zu vermeiden. Das Zunehmen des Patienten könnte das Fortschreiten der Krankheit begünstigen.

Durch körperliche Aktivität werden zudem Wasseransammlungen verringert. Vermeiden Sie gezielten Muskelaufbau an den betroffenen Stellen und Sportarten, die ruckartige Bewegungen erfordern. Geeignet sind zum Beispiel leichtes Walking oder Aquagymnastik.

Hautpflege lindert die Symptome

Da bei Lipödemen die Mikrozirkulation der Haut gestört sein kann, ist sie anfälliger für Entzündungen und narbige Veränderungen. Deshalb sollte man bei Lipödemen auf eine geeignete Hautpflege achten.

Die empfindlichen Hautstellen sollten mit einer speziellen feuchtigkeitsspendenden Lotion vorsichtig eingecremt und nicht durch enge Kleidung oder Selbstmassagen zusätzlich gereizt werden. Besonders geeignet für die Pflege sind pH-hautneutrale Seifen und Cremes, die Urea oder Dexpanthenol enthalten.

Psychische Folgen von Lipödemen

Lipödeme stellen für die Betroffenen oft eine schwere psychische Belastung dar. Die Erkrankten leiden nicht nur unter körperlichen Schmerzen, sondern auch unter seelischen.

Die negativen Reaktionen von Mitmenschen, die Beeinträchtigung der Lebensqualität sowie die Frustration durch erfolglose Diäten und Sportprogramme führen mitunter zu Depressionen oder Essstörungen. Psychologische Unterstützung gehört daher immer zu einer erfolgreichen Therapie eines Lipödems.

Aktualisiert: 17.03.2017 – Autor: Silke Hamann

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