Warum der HbA1c-Wert so wichtig ist

HbA1c-Wert: Blutzellen © iStock.com/Eraxion

Viele Diabetiker kennen dieses Dilemma: Der nächste Termin zur Blutzuckermessung steht an und die Radikal-Diät soll die kleinen Ernährungspatzer ausgleichen und womöglich den HbA1c-Wert schnell senken, damit die Werte wieder normal erscheinen. Ein großer Irrtum, denn entscheidend für eine gute Blutzuckereinstellung ist der Langzeitblutzuckerwert, der so genannte HbA1c-Wert. Aus vielen großen Studien konnte der Beweis erbracht werden, dass eine Verbesserung des HbA1c-Wertes mit einer verminderten Zahl diabetesbedingter Komplikationen verbunden ist.

Gefäßschäden durch Diabetes

Doch wenige Diabetiker kennen die genaue Bedeutung dieses Wertes. Viele Menschen mit Diabetes wissen sogar noch nicht einmal von ihrer Erkrankung. Daraus ergibt sich ein großes Problem: Bis zur Diagnose des Diabetes vergehen meist viele Jahre, in denen der Blutzucker oft zu hoch ist und dadurch bereits die ersten feinen Gefäße und Nerven geschädigt sind.

Diese Schädigungen schreiten schleichend voran und werden von den Diabetikern aufgrund des verminderten Schmerzempfindens kaum wahrgenommen. Nicht selten enden diese "kleinen", schlecht spürbaren Veränderungen in den gefürchteten diabetesbedingten Folgeerkrankungen. Aber dies muss nicht sein. Denn Studien belegen, dass durch eine gute Blutzuckereinstellung das Risiko für diabetesbedingte Folgeerkrankungen vermindert werden kann.

HbA1c – was bedeutet das?

Der HbA1c-Wert gibt den Anteil des "gezuckerten" roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) am Gesamthämoglobin an. Dieses stabile "Zucker-Hämoglobin", in der Fachsprache "glykosiliertes Hämoglobin" bzw. "HbA1c" genannt, entsteht bei jedem Menschen, nicht nur bei Diabetikern, und ist abhängig von der durchschnittlichen Blutzuckerkonzentration. Vereinfacht ausgedrückt: Je höher der Blutzuckerspiegel über einen gewissen Zeitraum, desto höher auch der HbA1c-Wert.

Mit dem HbA1c-Wert kann der Arzt den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der letzten 8 bis 10 Wochen ermitteln, unabhängig davon, ob die Werte in der Zwischenzeit stark angestiegen oder gesunken sind. Deswegen wird der HbA1c-Wert häufig auch als Langzeitblutzuckerwert bezeichnet. Bereits 1999 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den HbA1c-Wert, neben der Blutzuckermessung und dem Glukosetoleranztest als wichtigen Parameter zur Beurteilung der Güte der Diabetikereinstellung empfohlen. Der HbA1c-Wert wird daher häufig auch als "Goldstandard" in der Diabetestherapie bezeichnet.

HbA1c – Wie hoch sollte der Langzeitwert bei Diabetes sein?

Ob der Blutzucker gut eingestellt ist, kann man anhand des HbA1c-Wertes ablesen. Denn je besser der Blutzucker eingestellt ist, desto niedriger ist auch der HbA1c-Wert.

Die HbA1c-Werte im Überblick:

  • 4,5 - 6,5 Prozent: Bei gesunden Menschen liegt der HbA1c-Normwert in diesem Bereich.
  • 6,5 - 7,0 Prozent: Dies ist der HbA1c-Wert bei Menschen mit gut eingestelltem Diabetes.
  • über 7,5 Prozent: Bei schlecht eingestellten Diabetikern liegt der HbA1c-Wert über 7,5 Prozent.

Generell gilt: Je niedriger der HbA1c-Wert, desto geringer ist auch das Risiko für Folgeerkrankungen. Die aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften empfehlen deshalb zur Vorbeugung von diabetesbedingten Folgeerkrankungen bei Typ-1-Diabetes einen HbA1c-Wert von 7,5 Prozent und bei Typ-2-Diabetes einen HbA1c-Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent.

Die genaue Einschätzung der Werte im Zusammenhang mit sämtlichen beeinflussenden Faktoren sollte aber in jedem Fall der behandelnde Arzt vornehmen. 

Folgen eines schlecht eingestellten Diabetes

Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte, die sich in einem hohen HbA1c-Wert widerspiegeln, führen zu Schäden an den großen und kleinen Blutgefäßen und an den Nerven. Bedingt durch verengte oder sogar verschlossene Gefäße (Arteriosklerose) wird das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen der diabetische Fuß, Nervenschäden, Schädigungen des Herz-Kreislaufsystems, Augenschäden und Schäden an den Nieren. 

Die Entdeckungsgeschichte von HbA1c

Die Einführung der Bestimmung des HbA1c-Wertes als Standardmethode war für die Kontrolle einer effektiven Diabetes-Therapie ein entscheidender Fortschritt. Die verschiedenen Varianten des Hämoglobins (HbA1, HbA2 und HbF) konnten 1955 bestimmt werden, 1958 folgte dann die Auftrennung und Identifizierung der Subtypen des HbA1 (HbA1a, HbA1b und HbA1c).

Dass beim HbA1c Glukose fest an das Hämoglobin gebunden hat, konnte erst in den 70er Jahren belegt werden. Aber schon 1968 beobachtete der Teheraner Kinderarzt Dr. Samuel Rahbar, dass eine erhöhte Konzentration des HbA1c mit Diabetes einhergeht.

Der quantitative Nachweis für HbA1c gewann an Bedeutung, als belegt werden konnte, dass verminderte Blutglukosespiegel eine Verminderung des HbA1c-Wertes zur Folge hatten. Die Entwicklung neuer Bestimmungsmethoden und Analyseverfahren wurde in den folgenden Jahren und insbesondere seit Beginn der Achtziger enorm vorangetrieben. Heute lässt sich mit modernen Labormethoden der HbA1c-Wert innerhalb von Minuten ermitteln. Damit kann eine engmaschige Kontrolle der Stoffwechseleinstellung des Diabetes-Patienten einfach gewährleistet werden

Aktualisiert: 14.05.2020 - Autor: Gesünder unter 7; überarbeitet: Jasmin Rauch

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