Diabetes insipidus – Ursachen und Behandlung

Frau mit Diabetes insipidus trinkt viel © iStock.com/jackSTAR

Der Diabetes insipidus ist eine Krankheit, die sich in einem Mangel des Hormons ADH (Antidiuretisches Hormon) äußert und infolgedessen die Funktionsfähigkeit der Nieren beeinträchtigt. Betroffene leiden an ständigem Wasserlassen und einem dauerhaften Durstgefühl. Im Folgenden erfahren Sie die Ursachen dieser seltenen Erkrankung und lernen neben den typischen Symptomen und der Diagnostik auch die Möglichkeiten zur Behandlung kennen.

Was ist Diabetes insipidus?

Beim Diabetes insipidus können die Nieren ihre Aufgabe, die Regulation des Flüssigkeitshaushaltes im menschlichen Körper, nicht ausreichend erfüllen. Verantwortlich dafür ist das sogenannte Antidiuretische Hormon (ADH). Dieses ist dafür zuständig, die Harnausscheidung (Diurese) auf ein gesundes Maß zu beschränken, und befähigt die Nieren durch verschiedene Regulationsmechanismen dazu, ausreichende Flüssigkeitsmengen im Körper zurückzuhalten. Der Definition nach bedeutet "Antidiuretisch" also "der Flüssigkeitsausscheidung entgegenwirkend".

Ursachen von Diabetes insipidus

Im Wesentlichen kann die Erkrankung zwei verschiedene Ursachen haben:

  • Meist liegt ein Mangel des Hormons ADH vor, sodass den Nieren keine ausreichende Menge zum Zurückhalten von Flüssigkeit zur Verfügung steht.
  • Bei einer anderen Form der Erkrankung ist zwar ausreichend ADH verfügbar, allerdings ist seine Wirkung auf die Nieren verringert.

Dadurch wird das Wasser nicht im Körper zurückgehalten und Betroffene haben häufigen Harndrang mit einer großen Menge Urin, weil die Fähigkeit der Nieren zur Harnkonzentrierung herabgesetzt ist (Asthenurie).

Welche Formen von Diabetes insipidus gibt es?

Diabetes insipidus ist eine Erkrankung, die häufig vererbt wird und bereits im frühen Kindesalter auftritt. Dennoch kann die Erkrankung auch erst im Laufe des Lebens auftreten und ist dabei meist eine Begleiterscheinung von anderen Erkrankungen, zum Beispiel durch eine Schädigung des Gehirns (Diabetes insipidus centralis) oder der Nieren (Diabetes insipidus renalis). Demnach lassen sich zwei verschiedenen Formen der Krankheit unterscheiden.

Der häufigste Fall: Eingeschränkte ADH-Produktion

Beim Zentralen Diabetes insipidus (Diabetes insipidus centralis) liegt ein Schaden im Gehirn vor. Die Produktion oder auch die Freisetzung von ADH ist eingeschränkt, weil entweder der Hypothalamus (Produktionsort) oder die Hypophyse (Speicherungsort) beeinträchtigt ist.

Oftmals lassen sich die Ursachen nicht finden, in etwa zwei Drittel der Fälle handelt es sich allerdings um die Folge von Schädelhirntraumata, Hirnhautentzündungen (Meningitis) oder Hirntumoren. Daher ist eine weitergehende neurologische und bildgebende Diagnostik (zum Beispiel MRT, CT) beim Zentralen Diabetes insipidus unerlässlich.

Verminderte Wirkung des ADH auf die Nieren

Die zweite Form des Diabetes insipidus ist deutlich seltener und hat ihre Ursache nicht in einer mangelhaften Produktion des Hormons ADH, sondern in einer Funktionseinschränkung der Nieren. Während die Produktion und Speicherung des Antidiuretischen Hormons in Hypothalamus und Hypophyse intakt sind, ist die Niere nicht in der Lage, ADH aufzunehmen, sodass dieses seine Wirkung nicht entfalten kann.

Man spricht vom Renalen Diabetes insipidus (Diabetes insipidus renalis), weil die Ursache nicht wie oben beschrieben im Gehirn (Diabetes insipidus centralis), sondern direkt an der Niere liegt (lateinisch: ren = Niere). Ursächlich ist meist das Fehlen oder der Defekt eines bestimmten Proteins, das in der Lage ist, Kanäle in der Zellmembran zu bilden ("Aquaporinkanäle"), durch die Wasser leichter hindurchtreten kann. So kann Wasser aus dem Harn wiederaufgenommen werden, was einer zu starken Ausscheidung entgegenwirkt.

Alternativ ist es auch möglich, dass ein Mangel an Kalium (Hypokaliämie) oder ein Überschuss an Kalzium (Hyperkaliämie) einen renalen Diabetes insipidus begünstigen, weil diese Stoffe den Wasserhaushalt stören können. Auch manche Medikamente, zum Beispiel gegen Pilzinfektionen oder chemotherapeutische Mittel, können einen renalen Diabetes insipidus begünstigen (zum Beispiel Lithiumcarbonat, Amphotericin B, Cisplatin).

SIADH: Keine Form des Diabetes insipidus

Neben dem für Diabetes insipidus typischen ADH-Mangel gibt es auch den entgegengesetzten Fall, also eine überhöhte Produktion von ADH. Dabei treten genau umgekehrte Mechanismen in Kraft, das heißt, es wird vermehrt Wasser im Körper zurückgehalten und es kann zu Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen kommen. Diese als Schwartz-Bartter-Syndrom bezeichnete Störung der Wasserregulation ist eine häufige Ursache eines Natriummangels und wird auch Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) genannt.

Welche Symptome zeigen sich beim Diabetes insipidus?

Beim Diabetes insipidus kann eine Vielzahl verschiedener Anzeichen auftreten:

  • sehr hohe Harnausscheidung, meist über fünf Liter pro Tag, teilweise bis zu 25 Liter pro Tag (Polyurie)
  • damit verbunden ein stark erhöhtes Durstempfinden und exzessives Trinken (Polydipsie)
  • klarer und farbloser Urin
  • Schlafstörungen durch häufigen Harndrang und Durst
  • seltener auch Gereiztheit
  • Krämpfe
  • Verstopfung (Obstipation)

Hat Diabetes insipidus etwas mit Diabetes mellitus zu tun?

Die Ursachen des meist einfach als "Diabetes" bezeichneten Diabetes mellitus sind andere als beim Diabetes insipidus. Während es sich beim Diabetes insipidus um eine Erkrankung handelt, die durch eine Störung in Zusammenhang mit dem Hormon ADH begründet ist, liegt bei dem Diabetes mellitus ein Mangel (Diabetes mellitus Typ 1) oder eine gestörte Verwertung (Diabetes mellitus Typ 2) des Hormons Insulin vor. Einige Symptome des Diabetes insipidus, wie stark erhöhter Harndrang und gesteigerter Durst, treten auch beim Diabetes mellitus auf.

Mehr über Diabetes mellitus erfahren Sie in diesem Artikel.

Diagnose des Diabetes insipidus – Abgrenzung von psychischen Ursachen

Krankhaftes Vieltrinken (Polydipsie) und häufiges Wasserlassen (Polyurie) können nicht nur Folge eines Diabetes insipidus sein, sondern auch psychische Ursachen haben, wobei Letzteres die Folge von Stress sein kann. Deshalb ist eine verlässliche Diagnose mit treffsicheren Tests sehr wichtig.

Häufigstes Mittel zur Diagnose des Diabetes insipidus ist der sogenannte "Durstversuch". Über eine Dauer von zwölf Stunden darf der Betroffene keinerlei Flüssigkeit zu sich nehmen. Während der gesamten Zeit wird in regelmäßigen Abständen die Konzentration von ADH und anderen Werten im Blut bestimmt. Normalerweise führt der entstehende Flüssigkeitsmangel zu einem deutlichen Anstieg der ADH-Konzentration, sodass der Wasserverlust begrenzt wird. So kommt es zu einer Harnkonzentrierung, weil Wasser zurückgehalten und nicht ausgeschieden wird, während die Dichte des Blutplasmas konstant bleibt.

Kommt es im Rahmen einer Diabetes-insipidus-Erkrankung nicht zu einer vermehrten Ausschüttung von ADH, bleibt die Dichte im Harn konstant, während sie im Blutplasma deutlich ansteigt. Mittels dieser Messwerte lässt sich ein Diabetes insipidus von psychischen Ursachen für vermehrtes Trinken und Wasserlassen abgrenzen, da sich bei diesen kein auffälliges Ergebnis zeigen würde.

Für eine Differenzierung zwischen zentralem und renalem Diabetes insipidus wird direkt im Anschluss an den Durstversuch der sogenannte "Desmopressin-Versuch" durchgeführt. Dafür wird dem Betroffenen Desmopressin, ein künstlicher Stoff, der dem ADH ähnlich ist, injiziert und es wird stündlich untersucht, wie viel Wasser durch die Nieren zurückgehalten wird. Beim Diabetes insipidus centralis (Mangel an ADH) wird vermehrt Wasser zurückgehalten, während beim Diabetes insipidus renalis die Nieren auch auf das künstlich hergestellte Desmopressin nicht reagieren und es folglich zu keinem vermehrten Rückhalt kommt.

Wie wird Diabetes insipidus behandelt?

Bei der Therapie des Diabetes insipidus ist es wichtig, zwischen dem zentralen und dem renalen Typ zu unterscheiden, da die Behandlung grundsätzlich abhängig von der auslösenden Grunderkrankung ist. Die Behandlung des Diabetes insipidus centralis ist sehr einfach und meist eigenverantwortlich durch den Betroffenen möglich. Mittel der Wahl ist das bereits beschriebene Desmopressin (zum Beispiel Minirin®), ein Ersatzprodukt des Antidiuretischen Hormons, das entweder als Nasenspray (zweimal täglich) oder als Tablette (einmal täglich) eingenommen werden kann.

Beim Diabetes insipidus renalis gestaltet sich die Therapie in der Regel etwas aufwendiger, sodass verschiedene Ansätze getestet werden müssen. Häufig kommen Entwässerungstabletten, wie Thiaziddiuretika, als Medikamente zum Einsatz. Dabei handelt es sich um harntreibende Substanzen, die die Ausscheidung von Natrium über die Nieren anregen. Dadurch nimmt das Flüssigkeitsvolumen ab und es werden mehr Salze und Wasser in der Niere gespeichert – der Harndrang vermindert sich.

Kann Diabetes insipidus geheilt werden?

Die Behandlung eines bestehenden Diabetes insipidus ist unerlässlich, weil ein durch den Wasserverlust entstehender Flüssigkeitsmangel im Körper zu erheblichen Komplikationen führen kann. Normalerweise wird der Flüssigkeitsverlust durch übersteigertes Trinken ausgeglichen. Bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr kann der Körper jedoch austrocknen, was mitunter sogar zum Tode führen kann. Ein unbehandelter Diabetes insipidus erhöht das Sterblichkeitsrisiko also enorm.

Eine vollständige Heilung des Diabetes insipidus ist heute noch nicht möglich. Mit der entsprechenden Therapie und geeigneten Medikamenten können Betroffene aber ein weitgehend normales Leben führen.

Quellen und weitere Informationen

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
E23.2, N25.1

Aktualisiert: 14.07.2020 - Autor: Andreas Willett, Student der Humanmedizin

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