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Diabetes - Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Diabetiker beim Arzt © istockphoto, shironosov

Der Ausdruck Diabetes mellitus stammt aus dem Griechischen respektive Lateinischen und bedeutet soviel wie honigsüßer (lat.: mellitus = honigsüß) Durchfluss (gr.: Diabetes = Durchfluss, erhöhter Harnfluss). Man versteht darunter eine chronische Störung des Zuckerstoffwechsels, ausgelöst durch einen relativen oder absoluten Mangel am Hormon Insulin. Die Folge ist ein zu hoher Zuckergehalt des Blutes. Die Zuckerkrankheit wird grob unterteilt in eine jugendliche Form (Typ 1) und einen Typ, der früher meist ältere Menschen betroffen hat (Typ 2 = verharmlosend oft Altersdiabetes genannt). Die beiden Formen des Diabetes unterscheiden sich jedoch grundsätzlich.

Ursache(n) - Typ-1 Diabetes

Ursache des Typ-1 Diabetes ist ein kompletter Ausfall der Insulinproduktion (absoluter Insulinmangel). Weil sich bei dieser Form eigene Antikörper (Autoantikörper) gegen die insulinproduzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse im Blut des Patienten nachweisen lassen, nimmt man an, dass es sich um eine Autoimmunkrankheit handelt. Auch die familiäre Häufung (etwa bei 20 Prozent der Betroffenen findet sich in der Verwandtschaft ebenfalls ein Typ-1 Diabetiker) scheint dies zu bestätigen.

Die unwiderrufliche Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen hat zur Folge, dass sich bereits in jungen Jahren (meist im späten Kindesalter) Symptome eines hohen Blutzuckerspiegels zeigen. Nur etwa 50 Prozent der eineiigen Zwillingsgeschwister eines Typ-1 Diabetikers leiden ebenfalls an Zuckerkrankheit. Daher vermutet man, dass es noch einen weiteren Grund für die Erkrankung gibt. So nimmt man an, dass gewisse Viren (zum Beispiel Rötelnviren) oder bestimmte Gifte eine Autoimmunreaktion einleiten könnten.

Ursache(n) - Typ-2 Diabetes

Ganz anders als beim jugendlichen Typ steht hier ein gesellschaftliches Phänomen im Vordergrund. Zusammen mit Krankheiten wie Adipositas (Übergewicht), Gicht, Gefässverkalkung, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen lässt sich der Typ-2 Diabetes in den Kreis der Wohlstandssyndrome einreihen. Obwohl auch hier genetische Faktoren eine ganz wesentliche Rolle spielen (fast alle eineiigen Zwillinge eines Diabetikers sind bei entsprechender Ernährung ebenfalls betroffen!) besteht eine sehr enge Verbindung mit einer zu fetten, zu zuckerhaltigen und allgemein zu kalorienreichen Ernährung sowie mangelnder Bewegung.

Die rasante Zunahme des Typ-2 Diabetes der letzten Jahre, vor allem auch bei Jüngeren, scheint diesen Zusammenhang zu bestätigen. Im Entstehungsmechanismus spielen zwei Störungen die Hauptrolle:

  • eine gestörte Insulinabgabe durch die Bauchspeicheldrüse und
  • eine verminderte Insulinwirkung an den Endorganen.

Das bedeutet, dass auch bei einem hohen Insulinspiegel im Blut (wie er beim Typ-2 Diabetiker vorkommen kann) das Hormon bei verminderten oder funktionsuntüchtigen Rezeptoren keine Wirkung zeigt - genauso wenig wie ein ehemals passender Schlüssel (Insulin) ein nun defektes Schloss (Insulinrezeptor) nicht zu öffnen vermag (= relativer Insulinmangel oder Insulinresistenz). Gelegentlich können auch Schwangerschaft (Gestationsdiabetes), Hormonstörungen, Stressfaktoren (Infektionen, Verletzungen, Operationen) und gewisse Medikamente (zum Beispiel Kortison) eine diabetische Stoffwechsellage hervorrufen.

Merkmale

Während die Symptome beim Typ-1 Diabetes meistens sehr schnell in Erscheinung treten, verläuft der Typ-2 schleichend und lange Zeit unbemerkt. Häufig wird die Erkrankung erst im Rahmen einer routinemäßigen Blut- und Urinuntersuchung erkannt. Anfangs stehen Allgemeinsymptome wie generelle Leistungsschwäche und verstärkte Müdigkeit - wie sie auch bei vielen anderen Krankheiten bestehen - im Vordergrund. Dazu kommen dann Heißhungerattacken und übermäßiges Schwitzen.

Im weiteren Verlauf kommt es durch den hohen Zuckergehalt im Blut zu vermehrtem Wasserlassen, verstärktem Durstgefühl und Gewichtsverlust, die der Patient mit einer gesteigerter Trinkmenge auszugleichen versucht. Grund: Ab einer bestimmten Zuckerkonzentration (= Nierenschwelle) im Blut wird der Zucker über die Nieren ausgeschieden. Dies kann aber nur geschehen, wenn gleichzeitig eine grosse Menge Wasser (Zucker muß hydratisiert werden, das heißt er "zieht" Wasser) mit ausgeschieden wird. Damit ist auch die Frage nach dem «honigsüßen» Urin geklärt.

Unglücklicherweise kommt es - je länger die Erkrankung andauert - zu Schäden an den kleinen und kleinsten Gefäßen. Diese Mikro- und Makroangiopathien betreffen vor allem Auge, Niere, Herz, Füße sowie Herz und Hirn. Beschwerden an der Haut treten auf in Form von Juckreiz, vermehrten Hautinfektionen (mit Pilzen und Bakterien) und Hautveränderungen (Rötungen und Strukturveränderungen).

Diagnostik

Im Mittelalter wurde der «honigsüße Durchfluss» vom Arzt durch Kosten des Urins (süßlicher Geschmack = Diabetes) erkannt. Heute wird die Erkrankung neben den klinischen Anhaltspunkten durch Messung des Zuckergehaltes im Blut und Urin diagnostiziert. Mit einem Teststreifen können gleichzeitig mit dem Zucker auch Eiweiße im Urin einfach festgestellt werden. Diese können Hinweise auf den Grad eines Nierenschadens geben.

Da der Zuckerspiegel Schwankungen unterliegt, wird im Blut zusätzlich auch der «Verzuckerungsgrad» des Hämoglobins (HbA1c) und Bestandteile des Insulins (C-Peptid) gemessen. Um die Dynamik der Zuckerverwertungsstörung zu erfassen, wird ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt. Nach oraler Aufnahme (über den Mund) von 75 g Traubenzucker (= Glukose) in nüchternem Zustand wird nach zwei Stunden die Glukosekonzentration im Blut gemessen. Dieser Test darf nur durchgeführt werden, wenn der Nüchternblutzuckerwert nicht eindeutig erhöht ist.

Verlauf

Wahrscheinlich mehr als bei allen anderen Krankheiten hängt die Prognose - gerade beim Typ-2 Diabetes - vom frühen Zeitpunkt der Diagnose ab. Deshalb ist es kein Luxus, die Abklärung in die Routineuntersuchungen beim Hausarzt miteinzubeziehen. Insbesondere weil lange keine eindeutigen Beschwerden auftauchen, die der Patient der Zuckerkrankheit zuordnen könnte.

Bei frühzeitigem und korrektem Eingreifen muss die Lebenserwartung nicht unter jener von Nicht-Diabetikern liegen (dies gilt speziell für Typ-1-Diabetiker). Haupttodesursache bei Zuckerkranken ist der Herzinfarkt, gefolgt von Nierenversagen. Die früher vielfach auftretende Erblindung kann heute häufig verhindert werden. Findet jedoch keine oder eine unzureichende Therapie statt, treten irreversible Schäden auf, welche die Lebenszeit und -qualität deutlich mindern.

Aktualisiert: 21.09.2012

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