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Der diabetische Fuß

Fußpflege bei diabetischem Fuß © istockphoto, Vagengeym_Elena

Diabetes ist die häufigste Ursache für Unterschenkel- bzw. Fußamputationen in Deutschland. Zur Vorbeugung eines diabetischen Fußes sind neben der optimalen Stoffwechseleinstellung die regelmäßige Pflege und Untersuchungen wichtig. Meistens kommen die Fußläsionen bei Diabetikern durch ungeeignetes Schuhwerk und falsche Fußpflege zustande. Oft sind zusätzlich Sehstörungen vorhanden, so dass Hautrötungen und Schwellungen ebenfalls nicht erkannt werden. Grundsätzlich werden beim diabetischen Fuß zwei Formen unterschieden. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sich die Behandlung danach richtet. Bei Durchblutungsstörungen gelten Laufen und Bewegung als Mittel der Wahl, dagegen muss der neuropathisch geschädigte Fuß unbedingt ruhig gestellt werden.

Periphere Polyneuropathie (PNP)

Gleich mehrere Faktoren machen dem Diabetiker das Leben schwer. Zum einen drohen durch Schäden an den feinen Nervenendigungen der Füße eine gestörte Wahrnehmungsempfindung für Berührung, Temperatur und Schmerz. Fußverletzungen können so nicht mehr rechtzeitig bemerkt werden. Betroffene merken dann beispielsweise nicht, dass sie - oft über Tage - auf einer Reißzwecke oder einem Kronkorken im Schuh herumlaufen. Auch Blasen durch zu enge oder schlecht sitzende Schuhe sowie Verbrennungen durch heiße Bäder oder Wärmflaschen werden häufig zu spät erkannt und verursachen große Probleme. Wichtig ist deshalb schon auf kleinste Verletzungen oder Veränderungen am Fuß zu achten und diese sofort zu behandeln.

Die Haut des diabetischen Fußes weist aufgrund der so genannten autonomen Neuropathie eine verminderte Talg- und Schweißproduktion auf, ist also sehr trocken und rissig. Trockene Haut reißt jedoch schneller ein und bietet Bakterien und Pilzen ideale Lebensbedingungen - es drohen schwere Infektionen. Die wichtigste Regel ist deshalb eine normnahe Blutzuckereinstellung.

Fehlbelastungen führen zu Verformungen des Fußes

Eine weiteres Problem: Fehlbelastungen des Fußes aufgrund der Nervenschädigungen können bis zu Verformungen oder Deformierungen des Fußes führen wie z. B. Hammerzehen, Krallenzehen oder der bekannte Hallux valgus. Durch die Fehlbelastung kommt es außerdem zu einer vermehrten Hornhautbildung. Unter diesen Schwielen können sich Infektionen ausbreiten, die in sehr kurzer Zeit zu schwerwiegenden Komplikationen führen können. Die Gefahr: eine Wunde kann oberflächlich klein aussehen, darunter verbirgt sich jedoch eine große Infektion. Wichtig ist deshalb, die Hornhaut regelmäßig vorsichtig (!) zu entfernen.

Warnzeichen für einen neuropatischer Fuß sind starke Trockenheit, Schwielen, warme und rosige Füße, verminderte Sensibilität und schmerzlose Verletzungen.

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

In vielen Fällen besteht eine periphere Durchblutungsstörung bereits dann, wenn der Diabetes diagnostiziert wird. Warnzeichen von peripheren Durchblutungsstörungen sind blasse, bläulich verfärbte und kalte Füße. Verletzungen werden als äußerst schmerzhaft empfunden. Füße und Beine schmerzen auch bei geringen Belastungen, diese vergehen jedoch in Ruhe wieder. Da die Betroffenen gerne vor einem Schaufenster stehen bleiben bis der Schmerz wieder verflogen ist, wird die Erkrankung auch als Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens) bezeichnet. Bei arteriellen Durchblutungsstörungen kann mit durchblutungsfördernden Maßnahmen oder auch gefäßchirurgischen Eingriffen versucht werden, die Durchblutung wieder zu fördern und die Gliedmaßen zu erhalten.

Wenn beide Formen zusammenkommen...

Bei etwa einem Viertel aller Betroffenen liegt eine Kombination von Neuropathie und Durchblutungsstörungen als Auslöser des diabetischen Fußsyndroms vor. Wenn neben der Nervenfunktion auch die Durchblutung gestört ist, sind die Wunden an den diabetischen Füßen sehr schwer zu behandeln. Denn die typischen Symptome einer Durchblutungsstörung können durch die Kombination mit der Neuropathie (reduziertes Schmerzempfinden) verschleiert werden. Wichtig ist daher, dass schon bei der Diagnose Diabetes auf Warnzeichen geachtet wird.

Diabetischer Fuß: Untersuchung beim Arzt

Jeder Diabetiker sollte seine Füße täglich anschauen und nach Druckstellen und Verletzungen abtasten. Der Arzt sollte die Füße von Typ-1-Diabetikern nach längerer Krankheitsdauer bzw. Typ-2-Diabetikern mindestens einmal pro Quartal untersuchen, wenigstens einmal pro Jahr sollte er das Vibrationsempfinden als Maß der Neuropathie prüfen. Der Arzt untersucht die Füße auf Beschaffenheit der Haut (trocken, rissig), Hautveränderungen, Druckstellen, Schwielen sowie Veränderungen in Fußästhetik und -motorik. Des Weiteren wird er die Fußpulse des Diabetikers tasten, um die Durchblutung zu überprüfen. Bei nicht tastbaren Fußpulsen sollte eine Doppler-Druckmessung durchgeführt werden.

Neurologische Untersuchung des diabetischen Fußes

Die neurologische Untersuchung beim Arzt ist wenig aufwendig, aber sehr effektiv:

  • Als wichtigstes Instrument steht das 10-g-Monofilament nach SEMMES-WEINSTEIN zur Verfügung. Ein Nylonfaden wird auf den Untersuchungspunkt gedrückt. Bei einem Auflagegewicht von genau 10 g biegt er sich durch. Spürt der Patient diesen Druck nicht, ist von einer Gefährdung seines Fußes durch Neuropathie auszugehen. Zunächst sollte dem Patienten am Unterarm demonstriert werden, was er spüren sollte.
  • Überprüfung der Thermosensibilität mit dem Tip-Therm. Dieses Gerät hat ein Metall- und ein Kunststoffende. Zwischen den beiden Enden besteht eine Temperaturdifferenz. Die Differenz spürt der Patient, wenn er ein regelrechtes Temperaturempfinden hat.
  • Stimmgabel nach RYDELL-SEIFFER: Wenigstens einmal im Jahr soll der Arzt das Vibrationsempfinden als Maß der Neuropathie prüfen. Mit der auf 64 Hz gedämpften Stimmgabel wird das Vibrationsempfinden an verschiedenen Punkten getestet.

Für die drei genannten Untersuchungen ist es sinnvoll, dass der Diabetiker die Augen schließt, um sich ganz auf das Empfinden am Fuß konzentrieren zu können. Auch der Reflexhammer ist übrigens ein wichtiges Instrument zur Beurteilung der Neuropathie, denn der Achillessehnenreflex kann schon sehr früh erloschen sein.

Aktualisiert: 16.09.2011

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