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Bauchspeicheldrüse - Organ mit Doppelfunktion

Bauchspeicheldrüse im menschlichen Körper © istockphoto, Nerthuz

Die nur 15x5x3cm große Bauchspeicheldrüse erfüllt als einziges Organ im Körper eine Doppelfunktion. In ihr werden die Hormone Insulin und Glukagon gebildet, die den Blutzuckerspiegel regulieren. Ist diese Funktion des Pankreas gestört, kann dies zur Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) führen. Unabhängig davon produziert das Pankreas Enzyme, ohne die wir Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate aus unserer Nahrung nicht verdauen können. Ist die Enzymproduktion unzureichend, weil das Pankreas entzündet ist oder ein Tumor vorliegt, kann es insbesondere bei der Fettverdauung zu Problemen kommen.

Ursachen für Bauchspeicheldrüsenentzündungen

"Die chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) ist die häufigste Erkrankung des Pankreas. Bei uns sind circa 50.000 bis 70.000 Menschen davon betroffen. Zwar ist häufig ein erhöhter Alkoholkonsum die Ursache, aber es gibt Menschen, bei denen schon geringe Mengen ausreichen, um die Krankheit auszulösen," erklärt Prof. Dr. Joachim Mössner, stellvertretender Vorsitzender der Gastro-Liga und Leiter des Aktionstages Bauchspeicheldrüse.

Eine weitere wichtige Ursache sind Gendefekte (Mutationen). Auch sie können eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen bzw. ihr Entstehen begünstigen. Dies ist bei jedem 4. bis 5. Patienten der Fall. Aber auch Gallensteine können eine Pankreatitis hervorrufen.

Eine fortschreitende Bauchspeicheldrüsenentzündung führt zu einer zunehmenden Zerstörung des Organs. Es werden weniger bzw. gar kein Insulin oder Verdauungsenzyme produziert. Heftigste Schmerzen im Oberbauch, Durchfälle/Fettstühle, Gewichtsabnahme und Diabetes mellitus sind wichtige Anzeichen der Erkrankung.

Therapie der Bauchspeicheldrüsenentzündung

Professor Mössner mahnt, "Für die Behandlung gilt: Alkohol und Rauchen ist Tabu! Darüber hinaus richtet sich die Therapie vor allem nach den Beschwerden." Durch die Einnahme von Verdauungsenzymen wird versucht, eine ausreichende Verdauung der Nahrung wiederherzustellen. Werden die Oberbauchbeschwerden trotz Verzicht auf Alkohol, Nikotin und der Einnahme von Verdauungsenzymen nicht gelindert, können mehr oder weniger starke Schmerzmittel helfen. Insulinspritzen senken ggf. einen erhöhten Blutzuckerspiegel.

Wirken auch stärkste Schmerzmittel nicht mehr oder zieht die durch die chronische Entzündung veränderte Bauchspeicheldrüse umliegende Organe in Mitleidenschaft, hilft oft nur die Teilentfernung des Pankreas (Pankraesresektion). Aber auch mittels endoskopischer Maßnahmen gelingt manchmal eine Beherrschung der Komplikationen. Die Therapie der Pankreatitis ist daher ein interdisziplinärer Ansatz: Zusammenarbeit zwischen Magen-Darm-Spezialist (Gastroenterologe) und Bauch(Viszeral)chirurg.

Bauchspeicheldrüsenkrebs – Risikofaktor Rauchen

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Krebserkrankungen deren Frühsymptome selten und uncharakteristisch sind. "Leider werden gürtelförmige Rückenschmerzen häufig anderen Ursachen zugeschrieben," erklärt Professor Mössner. "Pankreastumore werden oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, wenn die Galle nicht mehr abfließen kann und dann dem Patienten die Gelbsucht, der dunkle Urin und der helle Stuhl auffallen oder der Patient deutlich an Gewicht verliert."

Für die überwiegende Mehrzahl der an einem Pankreaskarzinom Erkrankten besteht nach wie vor kaum eine Aussicht auf Heilung. Je früher bösartige Pankreastumoren operiert werden, desto besser sind die Chancen. Zusammen mit den Möglichkeiten der Chemotherapie können mittlerweile Überlebensraten von in der Regel allerdings nur wenigen Jahren erreicht werden.

Die molekulargenetischen Veränderungen bei der Entstehung von Pankreastumoren sind inzwischen schon relativ gut erforscht. Trotzdem gibt es noch keine Möglichkeit der Frühdiagnose, wie beispielsweise beim Darmkrebs. Rauchen erhöht das Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken. Auch Menschen, die viel Fleisch und tierische Fette verzehren, erkranken häufiger.

Aktualisiert: 31.08.2016 – Autor: Gastro-Liga e.V.

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