PCO-Syndrom (PCOS)

Frau mit PCO-Syndrom rasiert sich © istockphoto, serhathosgul

Etwa eine Million Frauen in Deutschland leiden am sogenannten Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCO): Ihr Körper produziert zu viele männliche Hormone (Androgene). PCO betrifft bis zu 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter – häufig einhergehend mit unerfülltem Kinderwunsch. Früher wurde PCO auch als Stein-Leventhal-Syndrom bezeichnet.

Symptome von PCO

Das Polyzystische Ovarialsyndrom PCO macht sich durch unregelmäßigen Zyklus, vermehrte Körperbehaarung, Akne oder auch Haarausfall bemerkbar. Als Spätfolgen können Herz-Kreislauferkrankungen oder Gebärmutterkrebs auftreten. Das Risiko betroffener Frauen, zuckerkrank zu werden, ist bis zu siebenfach erhöht.

"Da sich die Erkrankung über viele unterschiedliche Symptome äußert, müssen bei der medizinischen Behandlung Frauenärzte, Spezialisten für Innere Medizin, Endokrinologen, Hautärzte und Ernährungsberater eng zusammenarbeiten", betont Professor Dr. med. Ludwig Kiesel. Nur so könnten individuelle Beschwerden, Folgeerkrankungen und die Lebensqualität der betroffenen Frauen verbessert werden, sagt der Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Therapien richten sich vor allem nach den jeweiligen Anzeichen des PCO: Zyklusstörungen sind mit der Antibabypille behandelbar. Diese wirkt sich auch günstig auf Hautunreinheiten, Haarausfall oder vermehrte Behaarung vom männlichen Typ aus. Mitunter ist es sinnvoll, die Eierstöcke mit Laserstrahlen zu behandeln.

Bei Kinderwunsch ist eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke Erfolg versprechend. Als Alternative zur "Hormonspritze" kommen neuerdings insulinsenkende Medikamente zum Zuge.

PCO-Therapie bei Kinderwunsch

Besteht bei den an PCO erkrankten Frauen ein Kinderwunsch, kann die Behandlung langfristig nicht mithilfe der Antibabypille erfolgen. Vor allem bei übergewichtigen Frauen bietet sich dann zunächst eine Behandlung durch eine Umstellung der Ernährung sowie eine vermehrte körperliche Aktivität an. Bei einigen Frauen können bereits diese Maßnahmen zu einem regelmäßigen Zyklus führen.

Daneben kann auch eine medikamentöse Behandlung mit Metformin wirkungsvoll sein, da PCO oft gemeinsam mit einer Insulinresistenz auftritt. Durch Metformin verbessert sich die Aufnahme von Glukose in die Zelle und der Insulinspiegel pendelt sich wieder ein. Auch aus dieser Form der Therapie resultiert bei vielen an PCO erkrankten Frauen wieder ein regelmäßiger Zyklus.

Häufig wird jedoch auch Frauen mit Kinderwunsch über einen bestimmten Zeitraum zunächst die Antibabypille verschrieben, um den Hormonhaushalt zur Ruhe kommen zu lassen. Anschließend wird den Frauen dann häufig Clomifen verabreicht – der Wirkstoff löst einen Eisprung aus und kann so zu einer Schwangerschaft führen.

Ist die Therapie mit Clomifen nicht erfolgreich, kann zum einen durch eine Operation ein Teil des Eierstockgewebes entfernt werden. Durch die Operation sinkt die Androgenkonzentration und es kann zu einem spontanen Eisprung kommen. Ansonsten ist eine erneute Behandlung mit Clomifen möglich. Zum anderen kann eine Schwangerschaft aber auch durch eine künstliche Befruchtung herbeigeführt werden.

Starker Leidensdruck der Betroffenen

An PCO erkrankte Frauen leiden fast immer auch psychisch unter der Krankheit: Durch das veränderte Äußere und häufig bestehende Unfruchtbarkeit fühlen sie sich unweiblich. "Der Besuch von Selbsthilfegruppen kann entscheidend zur Verbesserung der persönlichen Lebenssituation und des Wohlbefindens beitragen", betont Dr. med. Susanne Hahn vom Universitätsklinikum Essen. Hier fänden die Patientinnen Unterstützung und könnten Informationen und Erfahrungen austauschen.

Ursachen der Erkrankung

Obwohl PCO bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist, sind die Ursachen nach wie vor unklar. Da die Krankheit familiär gehäuft auftritt, diskutieren Experten auch genetische Ursachen: Kürzlich wies eine Arbeitsgruppe der Frauenklinik und des Instituts für Reproduktionsmedizin des Universitätsklinikums Münster nach, dass die Ausprägung des PCO-Syndroms durch eine genetische Veränderung des Empfängermoleküls für männliche Hormone beeinflusst wird.

Aktualisiert: 09.09.2016 – Autor: IDW

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