Nebenhoden - Krankheiten

Welche Krankheiten stehen im Zusammenhang mit den Nebenhoden?

1. Nebenhodenentzündung (Epididymitis):
Die häufigste Erkrankung ist die Nebenhodenentzündung. Die Nebenhoden sind schmerzhaft und stark angeschwollen, die Haut des Hodensacks ist gerötet. Die Schmerzen strahlen oft bis in die Leistengegend aus. Häufig tritt mäßiges, selten hohes Fieber auf. Meist fühlt sich der Betroffene ganz allgemein krank und angeschlagen.

Liegt gleichzeitig eine Harnwegsinfektion vor, kommen noch Schmerzen beim Wasserlassen und ständiger Harndrang hinzu. Verursacher der Epididymitis sind meist Bakterien, die aus dem Harntrakt, der Prostata oder den Hoden in die Nebenhoden einwandern.

Bei jüngeren Männern sind es vor allem sexuell übertragbare Keime wie Chlamydien oder die Erreger der Gonorrhoe ("Tripper"), die eine Epididymitis auslösen. Bei älteren Männern mit vergrößerter Prostata entleert sich häufig die Blase nicht vollständig. In dem Restharn, der in der Blase bleibt, vermehren sich leicht Bakterien. Durch den großen Druck, mit dem die Betroffenen ihre Blase entleeren, entsteht ein Überdruck, durch den die Bakterien über Harnröhre und Samenleiter aufwärts in die Nebenhoden gelangen.

Die häufigsten Erreger sind Escherichia coli, Enterokokken, Proteus mirabilis, Klebsiellen und Pseudomonas aeruginosa. Auch das Tragen einen Blasenkatheters über einen längeren Zeitraum begünstigt eine Nebenhodenentzündung. Durch den dünnen Katheterschlauch, der direkt in die Harnblase führt, dringen relativ leicht Bakterien ein und gelangen über den Samenleiter in die Nebenhoden.

Kinder und Jugendliche haben eher selten eine Nebenhodenentzündung. Hier ist oft eine Verdrehung der Hoden (Hodentorsion) die Ursache für Schmerzen und Beschwerden im Hodenbereich. Suchen Sie bei Verdacht sofort einen Arzt auf, eine Hodentorsion muss sofort operiert werden, sonst stirbt der Hoden mangels Durchblutung ab.

Zwar ist eine Nebenhodenentzündung oft bakteriell bedingt, doch auch eine Quetschung oder Schläge auf den Nebenhoden rufen eine entzündliche Reaktion hervor.

Therapie: Antibiotika hemmen das Bakterienwachstum. Die zum Teil erheblichen Schmerzen behandelt man mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln. Zusätzlich helfen Bettruhe, Hochlagerung des Hodens sowie Kühlung. Auch das Tragen von engen Unterhosen ist für die meisten Betroffenen angenehm. Es kann bis zu 6 Wochen dauern, bis eine Nebenhodenentzündung wieder vollkommen ausgeheilt ist.

Komplikationen: Wird die Epididymitis nicht konsequent behandelt, wird sie chronisch, greift eventuell auf den anderen Nebenhoden oder sogar auf die Hoden (Epidymorchitis) über. Bei einer beidseitigen Nebenhodenentzündung ist ein Verschluss der Nebenhodenkanälchen oder des Samenleiters möglich – was zur Unfruchtbarkeit (Verschlussazoospermie) führt und bei Kinderwunsch evtl. in einer Operation behoben werden muss. Sehr selten werden bei besonders schweren chronischen Fällen die Nebenhoden operativ komplett entfernt (Epididymektomie).

2. Von-Hippel-Lindau-Erkrankung:
Diese sehr seltene, erbliche Erkrankung tritt meist zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahrzehnt auf. Es bilden sich an den unterschiedlichsten Organen Tumoren, am häufigsten an den Augen sowie im Zentralnervensystem. Aber auch die Geschlechtsorgane können betroffen sein. Bei Männern sind dann z. B. gutartige Geschwulste, so genannte Zystadenome, an den Nebenhoden möglich. Diese ertastet man als derbe, kirschgroße Schwellung oberhalb der Hoden oder diagnostiziert sie im Ultraschall. Operiert werden diese gutartigen Tumoren nur, wenn sie z. B. die Samenleiter blockieren und dadurch zu Unfruchtbarkeit führen.

3. Mumps (Ziegenpeter):
Bei 20 bis 30% aller Jungen kommt es im Zusammenhang mit einer Mumpserkrankung zu einer Orchitis, einer Entzündung der Hoden – sehr selten greift diese auch auf die Nebenhoden über.

Aktualisiert: 23.01.2017
Autor*in: Nathalie Blanck

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