PCO-Syndrom (PCOS): Was steckt dahinter?

Damenbart bei Frau mit PCO-Syndrom © istockphoto, Lisa5201

Unter dem polyzystischen Ovarialsyndrom – oder auch PCO-Syndrom, PCOS oder Stein-Leventhal-Syndrom – versteht man eine Hormonkrankheit, die nur Frauen betrifft. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Symptomkomplex, da die Krankheit mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Symptomen einhergehen kann. Was hinter dem PCO-Syndrom steckt und wie es behandelt wird, erfahren Sie im Folgenden.

Was ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom)?

Trotz ihrer hohen Verbreitung gibt es keine genaue Definition des PCO-Syndroms, aber im Allgemeinen lässt sich diese Frauenkrankheit als eine Hormonerkrankung beziehungsweise Stoffwechselstörung mit verschiedenen und zum Teil weitreichenden Folgen beschreiben. 

Vereinfacht gesagt produziert der Körper von vielen betroffenen Frauen zu viele männliche Hormone (Androgene) – oftmals zählen zu den Folgen eine übermäßige Körperbehaarung, ein unregelmäßiger Zyklus oder ein unerfüllter Kinderwunsch. 

PCOS: Diagnose anhand der wichtigsten Symptome

Nach den sogenannten Rotterdam-Kriterien liegt ein PCOS vor, wenn bei einer Frau mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind:

  1. weniger als acht Eisprünge pro Jahr bis zum völligen Ausbleiben der Periode (Amenorrhoe)
  2. Vermännlichung durch zu viele männliche Hormone, zum Beispiel Testosteron
  3. vermehrte Zysten in den Eierstöcken

Anders, als der Name polyzystisches Ovarialsyndrom es vermuten lässt, müssen zum Vorliegen eines PCO-Syndroms also nicht unbedingt Zysten in den Ovarien (Eierstöcken) vorliegen. Somit schließt ein unauffälliger Befund der Eierstock eine Diagnose der Krankheit nicht aus.

Weitere Symptome eines PCO-Syndroms

Als Folge der oben genannten Symptome kann es beim polyzystischen Ovarialsyndrom zu weiteren Anzeichen kommen, die jedoch bei jeder Frau anders ausfallen können:

  • unerfüllter Kinderwunsch
  • männliches Behaarungsmuster beziehungsweise starke Körperbehaarung (Hirsutismus), zum Beispiel ein Damenbart
  • Akne
  • Haarausfall auf der Kopfhaut
  • tiefere Stimme
  • Übergewicht
  • erhöhter Blutzucker
  • erhöhter Blutcholesterinwert
  • erhöhter Blutfettwert

Des Weiteren liegen Studien vor, die belegen, dass Frauen mit PCO-Syndrom im Durchschnitt vier Jahre später in die Wechseljahre kommen.1

Wie erkennt man ein PCO-Syndrom?

Aufgrund der breit gefächerten und unterschiedlich ausgeprägten Symptome ist eine Diagnostik des PCOS nicht ganz einfach, aber es gibt Blutwerte und sonografische Befunde (Ultraschall), die die Diagnosestellung erleichtern.

So findet sich beim Test des Blutes eine Erhöhung des sogenannten Luteinstimulierenden Hormons, der Östrogene und Testosterone sowie eventuell eine Erniedrigung des follikel-stimulierenden Hormons (FSH) oder Progesterons.

Mit dem Ultraschall kann der Gynäkologe bei vielen betroffenen Frauen zudem Zysten in den Eierstöcken erkennen.

Wie verbreitet ist PCOS und wer ist besonders oft betroffen?

Schätzungen zufolge sollen etwa 4 bis 15 Prozent der geschlechtsreifen Frauen vom PCO-Syndrom betroffen sein, womit es die häufigste Hormonstörung der Frau darstellt. Meistens äußern sich die Anzeichen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. 

Die genaue Ursache ist bisher noch unklar, aber Forschungen legen eine erbliche Komponente sowie eine Insulinresistenz als mögliche Ursachen nahe.2

Die unterschiedlich geschätzte Verbreitung und die hohe Dunkelziffer ergeben sich aus den breit gefächerten Symptomen des PCOS sowie den schwierigen Diagnosekriterien.

Gesundheitliche Folgen und Risiken

Abgesehen von den gynäkologischen Beschwerden, wie unregelmäßige bis keine Regelblutung oder ausbleibende Schwangerschaft bei Kinderwunsch, kann ein polyzystisches Ovarialsyndrom noch weitere Folgen haben. Dazu gehören:

  • hormonelle Störungen
  • Schmerzen im Unterleib
  • Übergewicht
  • erhöhte Zucker- und Blutfettwerte
  • erhöhter Blutdruck 

Hormonelle Störungen als Folge eines PCO-Syndroms

Sowohl beim Mann als auch bei der Frau unterliegen die Sexualhormone, wie etwa Östrogen oder Testosteron, sehr komplexen Regelkreisen, die durch mehrere Schaltstellen kontrolliert werden. Somit sind sie sehr anfällig für kleinste Veränderungen, weshalb ein Ungleichgewicht für den Gesamtorganismus deutliche Folgen nach sich zieht. 

So ist beim PCOS das sogenannte Luteinstimulierende Hormon erhöht. Normalerweise ist sein Spiegel im Blut niedrig, außer in der Zyklusmitte, wo es einen Höhepunkt aufweist und so den Eisprung auslöst. Ist es dauerhaft erhöht, stimuliert es die Überproduktion des männlichen Sexualhormons Testosteron – man bezeichnet diesen Überschuss an männlichen Hormonen als Hyperandrogenämie. Die bereits erwähnte daraus resultierende Vermännlichung bewirkt nicht nur körperliche Veränderungen, sondern stellt oftmals auch eine Belastung für die Psyche dar.

Des Weiteren ist das follikel-stimulierende Hormon (FSH) erniedrigt, welches normalerweise für die Reifung des Follikels, also der Eizelle, zuständig ist und die Bildung von Östrogenen ankurbelt.

Schmerzen und lebensgefährliche Komplikationen durch Zysten

Liegen bei der betroffenen Frau Zysten im Eierstock vor, kann es zu Komplikationen kommen. Zwar haben sehr viele Frauen Zysten, die meist unbemerkt bleiben und oft als Zufallsbefund im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung gefunden werden, doch wenn solche Zysten sich aus dem Ovar hervorwölben und dabei gegen andere Organe des unteren Bauchraums drücken, kann das Unterleibsschmerzen verursachen.

Eine seltene, aber gefährliche Folge entsteht, wenn sich aufgrund einer Zyste der Eierstock an seinem Stiel um die eigene Achse dreht. In diesem Stiel verlaufen nämlich viele den Ovar ernährende Gefäße, sodass der Eierstock aufgrund einer abgeklemmten Arterie absterben kann.

Außerdem können Zysten platzen, wobei ihre dünne Wand einreißt und sich die Flüssigkeit in den Bauchraum ergießt. Abgesehen von dem hohen Blutverlust, der mit der Ruptur einhergehen kann, kann eine Bauchfellentzündung die Folge sein.

Folgen des PCO-Syndroms für den Stoffwechsel

Ein Symptom, das viele Frauen aufweisen, die an PCOS leiden, ist das sogenannte metabolische Syndrom. Darunter versteht man einen Komplex von Faktoren, die ihren Ursprung im Stoffwechsel haben. Diese Faktoren sind:

  • Übergewicht
  • erhöhter Blutdruck
  • erhöhter Wert an Triglyceriden (Blutfette)
  • erniedrigtes HDL-Cholesterin 
  • erhöhter Blutzuckerwert

Die Faktoren des metabolischen Syndroms gelten als Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems oder Krebserkrankungen. Genau wie andere Betroffene des metabolischen Syndroms weisen daher auch Frauen mit dem PCO-Syndrom ein hohes Risiko für die Entwicklung solcher Krankheiten auf.

Insulinresistenz beim PCO-Syndrom

Vor allem die Erhöhung des Blutzuckerwertes hat beim PCO-Syndrom eine zentrale Bedeutung, da man in einem gestörten Insulinstoffwechsel (im Sinne einer Insulinresistenz) eine mögliche Ursache der Krankheit vermutet. Eine solche Insulinresistenz führt dazu, dass die Zellen Zucker aus dem Blut nicht richtig aufnehmen und der Blutzuckerspiegel erhöht ist: Frauen mit PCOS haben daher ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus.

Die Insulinresistenz hat jedoch weitere Folgen: Als Reaktion darauf produziert der Körper noch mehr Insulin, sodass dessen Spiegel im Blut sogar erhöht ist. Insulin ist einerseits ein sogenanntes lipogenes Hormon, das heißt, dass es über die Aktivierung verschiedener Enzyme den Fettaufbau fördert und somit Übergewicht begünstigt. Andererseits stimuliert es die Testosteronproduktion in den Ovarien und fördert so die Vermännlichung.

Welche Behandlungsmethoden gibt es für das PCOS?

Je nachdem, welche Symptome und Vorerkrankungen die betroffene Frau hat und ob ein Kinderwunsch vorliegt oder nicht, bieten sich jeweils unterschiedliche Behandlungsmethoden für das PCO-Syndrom an. 

Denn wie bereits oben erläutert, ist unser Hormonsystem sehr komplex und empfindlich für Veränderungen. Man kann sich die Therapie daher als eine Waage vorstellen, deren Schwerpunkt entweder auf der Normalisierung der Eierstöcke liegt oder auf der Behebung der Vermännlichungserscheinungen. Zwar lässt sich das PCO-Syndrom in der Regel nicht heilen, aber zumindest kann man die Beschwerden durch eine entsprechende Behandlung lindern.

Was man in allen Fällen behandeln kann, ist der erhöhte Blutzuckerspiegel. Dazu wird eine Therapie mit Metformin empfohlen, wobei auch vermehrt Erfolge mit Myo-Inositol erzielt werden konnten.

PCOS-Therapie bei Betroffenen ohne Kinderwunsch

Liegt kein Kinderwunsch vor, empfiehlt man zur medikamentösen Behandlung meist die Einnahme der Pille mit Dienogest oder Cyproteronacetet sowie von Glucocorticoiden wie Cortisol, da diese eine antiandrogene, also testosteronblockierende Wirkung zeigen und somit der Vermännlichung entgegenwirken. 

Allerdings sollte hier, falls Adipositas und Nikotinkonsum vorliegen, das Risiko einer Thrombose (Blutgerinnsel) abgewogen werden, da Dienogest im Verdacht steht, das Risiko für solche zu erhöhen.

Was tun bei PCO-Syndrom und Kinderwunsch?

Bei einem Kinderwunsch ist die Behandlung oft schwieriger, da die Funktion des Eierstocks an sich zwar nicht gestört ist, wohl aber der Regelkreislauf des Menstruationszyklus, der eng mit der Möglichkeit einer Schwangerschaft verwoben ist. 

Ob eine Frau mit PCOS schwanger werden kann und wenn ja, wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür ist, kann man pauschal nicht beantworten, da ihre Fertilität (Fruchtbarkeit) nicht nur von der Ausprägung ihrer Krankheit abhängt, sondern auch noch von vielen weiteren Faktoren. 

Es lässt sich aber im Allgemeinen sagen, dass die Erfolgsrate einer Kinderwunschbehandlung bei Patientinnen mit PCOS vergleichsweise hoch ist. So kann zum Beispiel das follikelstimulierende Medikament Clomifen helfen, mehrere Eizellen heranreifen zu lassen, sodass eine Schwangerschaft wahrscheinlicher wird. Zusätzlich kann eine künstliche Befruchtung erwogen werden: Die Schwangerschaftsraten nach einer In-vitro-Fertilisation liegen bei 25 Prozent pro Zyklus. 

Allerdings steigt auch mit der Einnahme von Clomifen auch das Risiko eines Ovariellen Hyperstimulationssyndroms (ein Symptomkomplex, der aus der Überstimulation des Eierstocks entstehen kann) sowie für Mehrlingsgeburten. 

PCO-Syndrom: Behandlung ohne Medikamente

Da die Kreisläufe des Fettstoffwechsels und der Sexualhormone eng miteinander zusammenhängen, sind eine Ernährungsumstellung sowie ausreichend körperliche Bewegung empfehlenswert. In einigen Fällen können alleine diese beiden Maßnahmen bereits zu einer Normalisierung des Zyklus und sogar zu einer Schwangerschaft führen. 

Liegt eine Adipositas vor, ist es ratsam, abzunehmen und bei der Ernährung auf fett-, zucker- und kalorienreiche Kost zu verzichten. Stattdessen werden Milch- und Vollkornprodukte sowie mageres Fleisch, Fisch, frisches Obst, Gemüse und Nüsse empfohlen. Eine dauerhafte Ernährungsumstellung ist einer kurzen Diät zum erfolgreichen Abnehmen in jedem Fall vorzuziehen.

Mönchspfeffer bei PCOS

In der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) konnten Erfolge mit dem Einsatz von Mönchspfeffer (Vixex agnus-castus) erzielt werden. Aufgrund seiner progesteronmangel-korrigierenden Wirkung normalisiert er den Menstruationszyklus und fördert den Eisprung. 

In einer dreimonatigen Studie an 45 Frauen, die an hormonbedingten Fertilitätsstörungen litten und Mönchspfeffer einnahmen, wurden sieben Frauen schwanger, 25 entwickelten normale Hormonspiegel und bei den restlichen verbesserten sich diese.3 Dies deutet darauf hin, dass Mönchspfeffer als Tee – insbesondere bei Frauen mit Kinderwunsch – helfen kann, das PCO-Syndrom natürlich zu behandeln und trotz PCO schwanger zu werden.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 04.10.2019 – Autor: Olga Reichold

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