Morbus Basedow

Morbus Basedow Patient mit Sonnenbrille
© rawpixel

Die Augen treten stark hervor und sind trocken, der Hals fühlt sich verdickt an und der Puls rast. Die Schienbeine sind geschwollen und die Fingergelenke schmerzen. Der Arzt wird wahrscheinlich "Morbus Basedow" diagnostizieren. Diese Erkrankung kann aber auch mit diskreteren Symptomen einhergehen. Die Krankheit hat viele Namen, die sich nach den Erstbeschreibern richten – so nach dem Merseburger Arzt Basedow, dem irischen Internisten Graves oder dem italienischen Chirurgen Flajani. Gängig sind im angelsächsischen Raum "Graves' Disease" und im sonstigen Europa "Morbus Basedow".

Was ist Morbus Basedow?

Morbus Basedow gehört zu den Autoimmunkrankheiten, bei der vom Abwehrsystem Stoffe produziert werden, die sich nicht nur gegen fremde Eindringlinge, sondern auch gegen körpereigene Substanzen richten.

Eine Fehlfunktion, die fatale Folgen haben kann: Die betroffenen Strukturen können durch diese "Autoantikörper" verändert oder zerstört werden, sodass sie ihre Funktion nicht mehr richtig wahrnehmen können.

Fehlgeleitete Immunabwehr an der Schilddrüse

Bei der Basedow-Krankheit richten sich diese fehlgeleiteten Abwehreinheiten vorrangig gegen bestimmte Oberflächenzellen auf der Schilddrüse. An diesen docken normalerweise die Hormone aus dem Hirn an, um der Schilddrüse mitzuteilen, dass sie vermehrt Hormone ausschütten soll.

Die "falschen" Antikörper haben die gleiche Wirkung und veranlassen die Schilddrüse zu einer Produktion der Hormone, die vom tatsächlichen Bedarf komplett abgekoppelt ist. Das führt zu den Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion. Die Erkrankung wird deshalb auch als Immunhyperthyreose bezeichnet.

Die Autoantikörper können sich auch gegen anderes Körpergewebe richten und dort lokale Reaktionen mit Schwellungen verursachen. Betroffen sind vor allem Muskeln, Binde- und Fettgewebe der Augen und der Schienbeine.

Ursachen von Morbus Basedow

Die Ursachen im Einzelnen sind bis heute nicht klar; man geht allerdings davon aus, dass mehrere Auslöser zusammenspielen. Man vermutet, dass neben Erbfaktoren und Störungen im Immunsystem folgende Aspekte eine wichtige Rolle spielen:

  • Infektionen mit Viren oder Bakterien
  • Umwelteinflüsse wie Jodbelastung oder Rauchen
  • psychische Faktoren wie Stress und Hormonumstellungen (zum Beispiel in der Pubertät, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren)

Die Basedow-Krankheit tritt öfter zusammen mit anderen Autoimmunkrankheiten auf, zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 1, chronische Polyarthritis oder eine bestimmte Form der Magenschleimhautentzündung (Gastritis Typ A).

Frauen erkranken 8- bis 10-mal häufiger als Männer. Man schätzt, dass in den westlichen Industrieländern etwa 1 bis 6 Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Die Krankheit kommt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr zum Ausbruch, allerdings können sogar Kinder erkranken. In manchen Familien tritt die Krankheit gehäuft auf, was für eine erbliche Komponente spricht.

Symptome vom Morbus Basedow

Verlauf und Ausprägung der Erkrankung können sehr unterschiedlich sein. Im Vordergrund stehen die Beschwerden infolge der Schilddrüsenvergrößerung und der -überfunktion. Dazu gehören vor allem: 

  • schneller, manchmal unregelmäßige Puls
  • Zittern der Hände
  • Wärmeempfindlichkeit
  • Neigung zum Schwitzen
  • Nervosität
  • Gewichtsverlust

Veränderung der Augen bei Morbus Basedow

Bei etwa der Hälfte der Patienten von Morbus Basedow kommen Sehstörungen und Augenveränderungen hinzu. Diese sind gekennzeichnet durch einen "glotzenden Blick" mit hervortretenden Augen (Exophthalmus), geröteten, brennenden, drückenden Augen und manchmal Beeinträchtigung der Muskel- und Sehfunktion.

Die Schwellung kann so ausgeprägt sein, dass kein Lidschluss mehr möglich ist. Diese Augensymptome werden auch als "endokrine Opthalmopathie" bezeichnet.

Merseburg-Trias infolge von Morbus Basedow

Seltener sind Symptome durch die Immunstörungen, die im Prinzip alle Organe betreffen können und nicht immer eindeutig zuzuordnen sind. Als Merseburg-Trias wird die klassische Kombination aus drei Hauptsymptomen bezeichnet:

  • Schilddrüsenvergrößerung
  • Exophthalmus
  • Schneller Puls

Diagnostik der Basedow-Krankheit

Häufig sind Krankengeschichte und Symptome bereits so typisch, dass neben der körperlichen Untersuchung nur noch Blutuntersuchungen durchgeführt werden müssen. Dabei werden vor allem Schilddrüsenhormone und verschieden Antikörper gegen das Schilddrüsengewebe (TRAK, TPO-AK) bestimmt.

Im Ultraschall lassen sich das Gewebe und die Durchblutung darstellen. Eventuell schließt sich eine Szintigraphie an, mit der die Stoffwechselaktivität und Funktion der Schilddrüse beurteilt werden kann.

Therapie von Morbus Basedow

In einigen Fällen kommt es ohne Behandlung zur Heilung, allerdings kann die Krankheit immer wieder ausbrechen. Bleibt die Überfunktion bestehen, ist eine Therapie unumgänglich – sonst besteht die Gefahr, dass sich eine lebensbedrohliche "thyreotoxische Krise" entwickelt. Die Behandlung basiert auf der Unterdrückung der Überfunktion.

Als Therapiemöglichkeiten stehen neben Medikamenten auch eine Radiojodbehandlung, bei der das Schilddrüsengewebe radioaktiv bestrahlt und damit zerstört wird, sowie die teilweise oder vollständige operative Entfernung der Schilddrüse zur Verfügung. Manchmal wird durch die Therapie eine Schilddrüsenunterfunktion erzeugt, die wiederum medikamentös eingestellt werden muss.

Aktualisiert: 20.01.2017
Autor*in: Dagmar Reiche

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?